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Eintracht Frankfurt : Kovac und die klare Linie

Dirigent beim Training: Niko Kovac leitet ein erfolgreiches Fußball-Ensemble. Bild: Jan Huebner

Der Eintracht-Kader ist qualitativ so gut aufgestellt wie lange nicht mehr. Da haben es Nachwuchskräfte schwer. Für den Trainer zählt dabei nur die Leistung.

          Wohin führt die Reise? Geht es für die Eintracht wirklich nach Europa? Zwölf Runden vor Ultimo hält Niko Kovac Kurs. Der Frankfurter Fußballlehrer, der mit seiner Mannschaft aktuell auf Platz vier der Bundesliga steht, hält auch jetzt nichts von Prognosen und Spekulationen. Sein Plan: „Wir wollen noch die fünf Spiele bis zur Länderspielpause im März abwarten“, sagte der Eintracht-Trainer am Donnerstag. Was er sehr wohl sagte und was ihm vor dem Spitzenspiel am kommenden Montag (20.30 Uhr) gegen den Rangzweiten RB Leipzig besonders behagt: „Die Tabelle gibt für uns sehr viel her.“

          Arbeiten, arbeiten, arbeiten. Auch am Tag, als der Schnee im Rhein-Main-Gebiet liegen blieb und sich die Eintracht darüber freuen konnte, auf einem beheizten Rasen zu trainieren, kam der Frankfurter Motor auf Touren. Kovac und seine Assistenten ließen sich von den Wetterkapriolen nicht aus ihrem Konzept bringen und hielten ihre Spieler in Bewegung. Dass sich mit Kapitän David Abraham schon am Vortag einer der wichtigsten Eintracht-Profis im Mannschaftstraining zurückmeldete und sofort seine Dienste für das Topspiel gegen Leipzig anbot, stieß bei Kovac erwartungsgemäß auf Gegenliebe. „Auch wenn David zwei Monate lang nicht dabei gewesen ist: Körperlich befindet er sich auf einem hohen Niveau“, sagte der Eintracht-Trainer. „Ihn kann man sofort von null auf hundert reinwerfen.“ Ob Kovac dies auch wirklich macht, sagte er vier Tage vor dem Anpfiff natürlich nicht. Doch es spricht einiges dafür, dass der schnelle Argentinier als Abwehrchef sofort wieder Verantwortung in der Startelf übernimmt.

          Kovac schließt Absturz aus

          Kovac weiß, dass seine Mannschaft vor ziemlich genau einem Jahr auf einen Schlingerkurs und in der Bundesliga gehörig ins Schleudern geraten ist. Einen derartigen Absturz schließt der 46 Jahre alte Kroate für diese Saison aus. Warum? „Weil unser Kader nicht nur in der Breite, sondern auch in der Qualität gewonnen hat. Wir haben einen guten Kader, einen guten Lauf, und wir haben auch das Quentchen Glück, das andere wie beispielsweise Gladbach derzeit nicht so haben.“

          Dass sich Spieler wie Marius Wolf unter Kovacs Führung entwickelt haben und besser geworden sind, ist das eine. Das andere, sagte der Trainer am Donnerstag, ist in seinen Augen das Verhältnis der Profis zu ihrem Beruf. „Die Spieler machen die Sachen viel bewusster.“ Kovac klärte auf: „Wir betreiben Prophylaxe, denn die Spieler müssen gesund sein, um Leistung abrufen zu können.“ Dass es so gut wie keine Muskelverletzungen in seinem großen Kader gibt, stimmt Kovac zuversichtlich, im Zusammenspiel mit seinen Helfern sowie den Mitarbeitern aus der medizinischen Abteilung zumeist die richtigen Maßnahmen ergriffen zu haben. „Gerade Muskelverletzungen nehme ich mir gern zu Herzen“, sagte Kovac. Soll heißen: Je weniger Ausfälle, desto besser, gründlicher und intensiver war die Trainingssteuerung.

          Großer Konkurrenzkampf

          Es läuft bei der Eintracht. Nicht nur auf dem Trainingsplatz, auf dem am Donnerstag die Spieler sogar mit Schneebällen warfen, sondern auch an den Wochenenden auf erstklassigem Terrain. „Weil meine Mannschaft gut spielt, haben es andere schwer, dort reinzukommen“, sagte Kovac. Sein Tipp daher: „Wenn alle gesund sind, müssen alle Gas geben. Es kann jeden erwischen.“ Gestern noch Stammspieler, heute schon auf der Auswechselbank oder überhaupt nicht mehr im Kader. Profis wie Marc Stendera oder Aymen Barkok haben diese Erfahrung gemacht.

          Andere wie Renat Dadashov haben die Chance, mit Haut und Haaren Profi zu werden und Profi zu sein, gar nicht erst ergriffen. Der 18-Jährige, schon von Sportvorstand Fredi Bobic im Wintertrainingslager in Spanien gemaßregelt, hat auch die nächste Gelegenheit verstreichen lassen, sich über den Umweg U19 für höhere Aufgaben zu empfehlen. Der mittlerweile freigestellte Trainer Alexander Schur sah sich gezwungen, den zu Allüren und Selbstüberschätzung neigenden Dadashov zu suspendieren.

          Nur die Leistung zählt

          Schurs Nachfolger Frank Leicht hat ihn „begnadigt“, Dadashov soll am Wochenende gegen den KSC stürmen. Kovac verfolgt es aus der Distanz. „Die Spieler allein sind verantwortlich dafür, wen ich einsetze“, sagte der Chefcoach des Bundesligavierten. „Ich stelle ganz klar nach Leistung auf.“ An die Adresse von Dadashov gewandt, fügte er hinzu: „Wenn ich als junger Spieler einen Profivertrag habe, dann muss ich mehr als die anderen machen. Der junge Spieler muss in jedem Training der Beste sein. Wer dies will, ist bei mir herzlich willkommen. Da brauchen wir eine ganz klare Linie.“

          So wie auch bei der Fokussierung auf mögliche neue Saisonziele. Erst noch die kommenden fünf Punktspiele gegen Leipzig, Stuttgart, Hannover, Dortmund und Mainz abwarten – und dann schauen, ob die Tabelle für die Eintracht weiterhin viel hergibt. Eines immerhin steht jetzt schon fest: Auf dem Weg zum Traumziel Berlin muss die Eintracht einen Stopp in Gelsenkirchen machen. Der genaue Termin für das DFB-Pokalhalbfinale beim FC Schalke 04 steht jetzt auch fest: Mittwoch, 18. April, 20.45 Uhr.

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