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Eintracht Frankfurt : Der neue „Sheriff“

Wer austeilt, muss auch einstecken: Neuzugang Sebastian Rode will endlich mehr spielen und entschied sich deshalb für Eintracht Frankfurt. Bild: Imago

Trotz der Niederlage gegen Flamengo sieht die Eintracht der Rückrunde hoffnungsvoll entgegen – auch dank Neuzugang Rode, für den Bobic eine besondere Rolle vorsieht.

          Herzlich ging es hinterher zu. Da wurden Schultern geklopft, Trikots getauscht und Worte gewechselt unter ehemaligen Weggefährten wie dem Frankfurter Marco Russ und dem Brasilianer Diego, die einst gemeinsam beim VfL Wolfsburg spielten. Zuvor waren beide Seiten jedoch mit einer Härte zur Sache gegangen, die mitunter Grenzen überschritt.

          So musste sich die Eintracht in ihrem zweiten Spiel beim Florida Cup Flamengo Rio de Janeiro 0:1 geschlagen geben, weil sie unter anderem früh einen Akteur weniger zur Verfügung hatte. Es gab einige ruppige Szenen, bei denen ein Schiedsrichter mit mehr Überblick einen Platzverweis in Erwägung hätte ziehen können. Dass es einzig David Abraham für einen ungeschickten, aber vergleichsweise harmlosen Schubser gegen Piris da Motta erwischte (25. Minute), durchkreuzte den Plan der Eintracht, das Turnier mit einem zweiten Sieg zu beenden und sich als Gewinner des Florida Cups weiteres Selbstbewusstsein anzueignen.

          „Wir sind vorbereitet“

          Adi Hütter nahm die Niederlage, die durch ein Tor von Jean Lucas (40.) und mangelnde Chancenverwertung zustande kam, ohne erkennbaren Groll zur Kenntnis. Der Trainer nannte das Resultat „schade“, doch gleichzeitig merkte er anerkennend an, wie sein Team „in Unterzahl alles versucht“ habe. Hütter sagte, die ruppige Gangart kennzeichne „internationale Testspiele, es gab ein paar Schläge auf die Beine“, aber niemand sei verletzt worden, und alle könnten sich wohlbehalten in der Nacht zum Montag auf die Heimreise machen. „Wir sind vorbereitet“, bilanzierte er die zehntägige Stippvisite in den Vereinigten Staaten. Die Grundlagen seien gelegt, um der Rückrunde der Bundesliga optimistisch entgegenzublicken: „Unsere Verfassung ist gut.“

          Feintuning: Trainer Adi Hütter beim Spiel gegen Flamengo

          Sebastian Rode klang in seinem Zwischenfazit ähnlich hoffnungsvoll. Der Rückkehrer ist seit seiner Ausleihe von Borussia Dortmund seit anderthalb Wochen wieder mit von der Partie, und laut seiner Beurteilung kann sich die Eintracht dem kommenden Konkurrenzkampf mit breiter Brust und erhobenen Hauptes stellen. „Die Qualität ist enorm hoch“, sagte der 28-Jährige, der schon von 2010 bis 2014 das Frankfurter Trikot trug, ehe er zunächst zum FC Bayern wechselte und dann zum BVB, wo er aber jeweils nur Nebenrollen spielte. Nun hofft der gebürtige Bergsträßer, den schon viele Verletzungen außer Gefecht setzten, im zweiten Anlauf sein Glück in Frankfurt zu finden. Er wolle mithelfen, „dass Niveau weiter zu heben“, sagte der Blondschopf, der gegen Flamengo die ersten 45 Minuten dabei war, ehe Hütter wie bereits gegen So Paulo nach der Pause durchweg frische Leute brachte.

          Im „Security-Dienst“ der Mannschaft

          Rode gehörte zu den Akteuren im Orlando City Stadium, die in den Zweikämpfen heftig einstecken mussten, aber auch austeilten. Nach einem Tritt gegen Thiago Santos sah er die Gelbe Karte (40.). Rode verbrachte in Dortmund wegen eines Muskelfaserrisses, einer Stressreaktion am Knochen und einer Leistenoperation in den vergangenen anderthalb Jahren viel mehr Zeit, als ihm lieb war, bei Ärzten. Auch deswegen kam er nur auf zwei Einsätze in der Regionalliga-Reserve der Westfalen. Mittlerweile seien alle Beschwerden ausgeheilt, sagte der Profi, dessen Stärken in der Balleroberung vor allem dann zum Tragen kommen, wenn die Physis stimmt. Bereits früh in seiner Laufbahn musste er einen Kreuzbandriss wegstecken. Bei der Eintracht habe er sämtliche Einheiten problemlos mitmachen können, „klar fehlt Spielpraxis“, sagte Rode, aber er sei „top motiviert“.

          Um den Transfer möglich werden zu lassen, machte er finanzielle Abstriche: „Irgendwann kommt der Punkt in der Karriere, da will man einfach nur Fußball spielen“, sagte Rode, und darüber hinaus, fügte er zwinkernd an, sei es „nicht so, dass ich am Hungertuch nage“. Sollten sich die Erwartungen für ihn und den Klub erfüllen, könne er sich „durchaus vorstellen, über den 30. Juni hinaus zu bleiben“. Für Fredi Bobic, den Sportvorstand, gehört Rode als „Sheriff“ fortan zum „Security-Dienst“ der Mannschaft, der den Vorderleuten den Rücken freihalten und Lücken schließen soll, wenn es gilt, den Strafraum zu verteidigen: „Sebastian sucht noch nach dem Gefühl für das Spiel. Er wird Zeit benötigen, macht es aber richtig ordentlich“, fasste der Sportvorstand seine Eindrücke zusammen.

          „Es riecht an jeder Ecke nach Sport“

          Geht es nach dem 48-Jährigen, der privat viele freie Minuten in New York verbringt, wird der nächste Trip mit der Mannschaft nach Nordamerika nicht lange auf sich warten lassen. Im kommenden Winter sei es abermals eine naheliegende Option, sich in der IMG Academy in Bradenton einzuquartieren. Das Gelände mit seinen 18 Fußballplätzen, angegliedertem Hotel, Fitnesstrakt, Basketballfeldern, Schwimmbad und Tenniscourts habe auch den Spielern gefallen: „Kein Fünf-Sterne-Luxus, aber alles hochklassig“, sagte Bobic, „dort riecht es an jeder Ecke nach Sport.“

          Die Soccer-Gäste aus Good old Germany nutzten zudem die Gelegenheit, um sich ein NHL-Eishockeyspiel der Tampa Bay Lightning anzuschauen und saßen am Samstagabend geschlossen auf der Tribüne beim NBA-Basketballmatch von Orlando Magic. Bobic nannte die Ausflüge „wichtig für den Kopf“, das Team habe zusammen „hart gearbeitet und Spaß gehabt. Jeder zieht mit. Es herrscht eine gute Grundstimmung, in der sich alle gegenseitig zu Höchstleistungen pushen“. Er habe ein „verdammt gutes Gefühl“, wenn er den Blick auf die kommenden Aufgaben richte, sagte Bobic. Am nächsten Samstag, beim Pflichtspieldebüt 2019 daheim gegen den SC Freiburg, wird sich zeigen, ob darauf Verlass war.

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