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Eintrachts Neuzugang Erik Durm : Am liebsten ganz ohne „Schweineläufe“

Hat viel vor bei der Eintracht: Erik Durm steht Rede und Antwort. Bild: Jan Huebner

Schnell, ausdauernd und immer auf Balleroberung aus: Erik Durm kommt die offensive Spielanlage von Eintracht-Trainer Adi Hütter entgegen. Sébastien Hallers Wechsel ist vollzogen.

          Der Medizincheck war nur noch Formsache. Schließlich befindet sich Sébastien Haller in bester körperlicher Verfassung. Am Mittwoch also wurde der Schlussstrich unter die Akte Haller gezogen. Sein Wechsel in die englische Premier League zu West Ham United war nun auch vertraglich perfekt. Haller und sein Berater haben sich mit den „Hammers“ auf einen Kontrakt über fünf Jahre geeinigt. „Natürlich ist der Abgang eines Spielers von seinem Format sportlich ein Verlust für uns“, ließ sich Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic in einer Vereinsmitteilung zitieren. „Aber Sébastien ist jederzeit offen und fair mit seinen Ambitionen umgegangen. Und für uns gibt es natürlich wirtschaftliche Schmerzgrenzen.“

          Beide Klubs vereinbarten zwar das branchenübliche Stillschweigen. Doch man kann schon davon ausgehen, dass die Eintracht eine Ablösesumme von rund 50 Millionen Euro erhalten hat. Gekommen war der heute 25 Jahre alte Franzose vom FC Utrecht, was sich der Frankfurter Bundesligaklub seinerzeit sieben Millionen Euro kosten ließ. „Ich bin Eintracht Frankfurt sehr dankbar für die vergangenen zwei Jahre“, sagte Haller zum Abschied. „Ich habe mich sehr wohl gefühlt in der Stadt und vor allem die Heimspiele vor den tollen Fans genossen. Für mich gilt es nun, ein neues Kapitel aufzuschlagen und in der Premier League meine Entwicklung fortzusetzen. Natürlich werde ich weiterhin die Eintracht als Fan verfolgen und die Daumen drücken.“

          Erik Durm will dagegen das zukünftige Treiben der Eintracht als Profi mitgestalten. So jedenfalls sieht der Plan des vor zwei Wochen verpflichteten Mittelfeldspielers aus. Der siebenmalige Nationalspieler, 2014 ohne Einsatz Weltmeister in Brasilien geworden, tritt seit ein paar Tagen etwas kürzer. Am Mittwoch hat man den 27-Jährigen beim Vormittagstraining aktiv ebenso wenig zu Gesicht bekommen wie auch seinen stürmischen Kollegen Daichi Kamada.

          Hütter will Pressing nochmals verstärken

          Während der Japaner Kamada individuell trainiert hat, war die Ausgangslage beim Pfälzer Durm anders. Er hatte Trainer Adi Hütter schon am Dienstag um eine Auszeit gebeten, weil er bei der Geburt seiner Tochter dabei sein wollte. Selbstverständlich hat der Eintracht-Coach diesem Wunsch entsprochen, und als das jüngste Mitglied der Familie Durm das Licht der Welt erblickt hatte, tauchte der Papa auch an der sportlichen Arbeitsstätte an der Arena auf. Dass Hütter in dieser Saison das Pressing nochmals verstärken und den Gegner noch früher unter Druck setzen will, stößt bei Durm auf Wohlgefallen. „Es macht Spaß, das System zu spielen. Es ist ballorientiert, es geht schnell ins Pressing, ein intensives Spiel.“

          Laufen, was das Zeug hält. Balleroberung um nahezu jeden Preis. „In Huddersfield“, erinnerte sich Durm an die vergangene Saison beim Premier-League-Absteiger, „war es anders, da haben wir tiefer gestanden. Es macht Spaß, vorne zu attackieren. Ich kenne das ja schon. Unter Jürgen Klopp haben wir in Dortmund auch intensiv gespielt, ebenso unter Tuchel und Bosz. Für mich persönlich ist es ein gutes taktisches Element, ich bin relativ schnell und ausdauerstark.“

          Um noch schneller und ausdauernder zu werden, hat der Eintracht-Coach nach der Rückkehr aus dem Trainingslager in der Schweiz das Tempo dosiert anzogen. Viele kurze Sprints hatten Konjunktur, und auch am Mittwoch spornte Hütter seine Spieler immer wieder an. Durm gefällt die Art der Trainingssteuerung bei seinem neuen Klub in Frankfurt. Hütter setzt nicht mehr auf ewige Dauerläufe. Dafür bietet er seinen Spielern immer wieder Übungen mit Ball an. „Das macht natürlich mehr Spaß, viel am Ball zu sein“, sagte Jungvater Durm, der aber aufgrund seiner langjährigen Erfahrung weiß: „Trotzdem sind gerade diese Einheiten am Ball, mit häufigem Abstoppen und vielen Umschaltbewegungen, meist intensiver als die Schweineläufe, die man von früher kennt.“

          Egal, was Hütter und seine Helfer weiter unternehmen: Ziel ist es, auch ohne Luka Jovic und Sébastien Haller, die im Verbund für gut 110 Millionen Euro die Eintracht Richtung Madrid und London verlassen haben, die ersten Pflichtspielhürden zu nehmen. „Wir sind in der Favoritenrolle und wollen ihr gerecht werden“, sagte Durm zu den Aufgaben in der Qualifikationsphase der Europa League, in der entweder gegen Flora Tallinn oder Radnicki Nis gespielt werden muss, sowie zur Erstrundenpartie im DFB-Pokal bei Waldhof Mannheim. Von England aus hat Durm gesehen, was die Eintracht in der Europa League geleistet hat. Die Rückkehr nach Europa, nach 34 Bundesligaspielen, für die Bobic und Hütter noch dringend stürmische Hilfe benötigen, würde Durm gefallen. Mehr noch: „Das wäre ein Traum.“

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