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Eintracht Frankfurt : Ende eines Machtkampfes?

Alles geklärt: Die Meinungsverschiedenheiten mit Axel Hellmann seien geklärt, sagt Vorstandchef Heribert Bruchhagen. Bild: Grapatin, Niklas

Alles in Eintracht: Finanzchef Hellmann gibt zu, den Vorstandschef ungerechtfertigt kritisiert zu haben. Bruchhagen sieht nun eine neue Basis des Vertrauens.

          Es gibt noch Meldungen, die überraschen. Am Donnerstagnachmittag verschickte die Eintracht zwei Nachrichten. Eine unkorrigierte und eine korrigierte Version mit dieser Überschrift: „Kein Machtkampf bei Eintracht Frankfurt.“ Dann folgten über 19 Zeilen anmoderierte Zitate des Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen und des Finanzchefs Axel Hellmann zur Rechtfertigung des Titels. „Es gab sicherlich in der Vergangenheit mit Axel Hellmann Meinungsverschiedenheiten, die wir auch ausgetragen haben. Dass (sic) er allerdings für den Trainerrücktritt von Thomas Schaaf verantwortlich gemacht wird, entspricht nicht den Tatsachen“, wurde Bruchhagen zitiert. Der streitbare ehemalige Lehrer, die personifizierte Vernunft, sieht laut Pressemeldung nach einem „langen, klärenden Gespräch“ eine neue Eintracht bei der Eintracht: „Wir haben heute eine Basis geschaffen, auf der wir in meinem letzten Jahr als Vorstandsvorsitzender hier bei Eintracht Frankfurt vertrauensvoll zusammenarbeiten werden.“

          Der Umkehrschluss suggeriert zumindest für die vergangenen Woche eine Phase ohne Vertrauen zwischen den wohl wichtigsten Gestaltern des Profifußballs im Verein. Und mehr als eine Grundlage (Basis) ist es wohl vorerst nicht. Das muss erst wieder wachsen, wie man aus dem Zitat ableiten kann. Hellmann, so erfährt man von der Eintracht, ist offenbar für Indiskretionen und Schmähungen verantwortlich gemacht worden, die er gar nicht zu verantworten hat.

          Jedenfalls schreibt die Eintracht von einer Klarstellung Hellmanns: „Dass er weder ,Schaaf kritische SMS‘ aus dem Aufsichtsrat geschickt (sic) noch interne Informationen aus der Aufsichtsratssitzung preisgegeben hat.“ Der Selbsterklärung folgt eine in aller Öffentlichkeit unübliche, ehrenwerte Verbeugung: „Manche Kritik, die ich an Heribert Bruchhagen geübt habe, war nicht gerechtfertigt. Das haben wir heute ausgeräumt.“

          Trainersuche geht weiter

          Fortan werden also, das soll wohl die Botschaft sein, der in einem Jahr scheidende Bruchhagen und der ambitionierte Hellmann Arm in Arm zum Wohle der Eintracht losmarschieren. Um, zum Beispiel, einen neuen Trainer zu finden. Sascha Lewandowski wird es wohl nicht sein. Er war nicht mal Kandidat. Oder zumindest hat die Eintracht „nie“ mit ihm wegen eines Trainerengagements gesprochen. Warum eigentlich nicht?

          Nach Informationen dieser Zeitung gehört der von Rivalen der Eintracht umworbene André Breitenreiter ebenso zu diesem Kreis wie auch Kosta Runjaic und Tayfun Korkut. Runjaic, in Wien geboren, aber in Rüsselsheim sozialisiert, trägt seit zwei Jahren die sportliche Verantwortung beim knapp am Aufstiegsprojekt gescheiterten Zweitligaklub 1. FC Kaiserslautern. Eintrachts Sportdirektor Hübner und Runjaic kennen und schätzen sich seit vielen Jahren; schließlich war der heute 43 Jahre alte Fußballlehrer von 2006 bis 2008 beim SV Wehen Wiesbaden engagiert. Jenem Klub, mit dem Hübner in verschiedenen Positionen (Trainer, Manager, Vizepräsident) den Aufstieg von den Niederungen des Amateurfußballs bis hoch in die zweite Liga schaffte.

          Der Kandidatenkreis ist groß

          André Breitenreiter, in Langenhagen geboren und in Hannover wohnend, hat sich durch seine gewissenhafte und konsequente Aufbauarbeit in Paderborn bundesweit einen guten Ruf erworben, dem auch der Abstieg der Ostwestfalen nichts anhaben kann. Schon vor einem Jahr, als Hübner einen Nachfolger für den freiwillig aus seinem Amt geschiedenen Armin Veh suchte, gehörte Breitenreiter zum Kreis der Kandidaten.

          Hannover, das war bislang die einzige Bundesligastation in der erst 2006 in San Sebastián gestarteten Trainerkarriere von Tayfun Korkut. Der 41 Jahre alte, in Stuttgart geborene Deutschtürke bekam am letzten Tag des Jahres 2013 die Chance, sich als neuer Trainer von Hannover 96 einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Präsident Martin Kind gab ihm einen Vertrag bis zum 30. Juni 2016, beendete aber vor gut fünf Wochen die Zusammenarbeit.

          Trainer gibt es also genügend. Und nachdem Bruchhagen und Hellmann ihre „strittigen Punkte aufgearbeitet“ haben, könnten sie sich ja schnell auf den besten einigen.

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