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Eintracht Frankfurt : Neuer Trainer, neues Glück?

Thomas Schaaf: Ausgefüllte Tage in Frankfurt Bild: dpa

Die Eintracht verliert weiter an Substanz, auch Schröck ist jetzt weg. Für Schaaf verspricht die Situation trotzdem mehr Chancen als Risiken. Er hofft, dass Spieler wie Rosenthal Zeichen setzen.

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          Es sind ausgefüllte Tage. Morgens, um kurz nach acht, kommt Thomas Schaaf in sein frisch bezogenes Büro in der WM-Arena, die er erst dann wieder verlässt, wenn die abendlichen Jogger ihre Runden durch den angrenzenden Stadtwald drehen. In den Stunden dazwischen geht es Schlag auf Schlag: Termine mit Mitarbeitern der Eintracht-Geschäftsstelle, Tests mit der Mannschaft, Teambesprechungen mit seinen drei Assistenten, die der Fußballlehrer aus Bremen mit an den Main gebracht hat. Schaaf, der künftig die sportliche Hauptverantwortung trägt, legt zu Beginn seines Engagements in Frankfurt ein hohes Tempo vor. Doch anders geht es auch nicht.

          Der Klub, der in der Sommerpause eine Handvoll Stammspieler und am Mittwoch auch noch Stephan Schröck (zur Spielvereinigung Greuther Fürth) verlor, hat keine Zeit zu verlieren, um sich adäquat auf die neue Saison einzustellen. Schaaf stellt dabei auch persönliche Interessen hintenan: Ein Haus für sich und die Familie, zu der auch ein Hund gehört, wird erst demnächst bezogen, wenn gemeinsam geklärt ist, ob sich die Bleibe in der Stadt oder im Umland befinden soll. Noch wohnt Schaaf im Hotel, doch es stört ihn nicht: „Allzu oft bin ich demnächst sowieso nicht da.“

          An diesem Freitag präsentieren sich er und seine Mannschaft das erste Mal den Anhängern bei einer öffentlichen Übungseinheit am Stadion (10 Uhr), um kurz darauf schon wieder die Koffer zu packen. Der erste Teil der Vorbereitung auf die neue Runde führt alle Mann von Sonntag an nach Norderney. Es wird eine überschaubare Frankfurter Reisegruppe sein, die bis zum 12. Juli auf der Nordseeinsel Quartier bezieht. „Ich freue mich, dass es los geht“, sagte Schaaf, „es wird Zeit, dass wir auf den Platz rauf kommen.“ Er sei „gespannt“, meinte der 53-Jährige, wie es der Mannschaft gelinge, den „erheblichen Wechsel“ zu verkraften. Deswegen fügte er an, „wäre es schön, wenn wir möglichst schnell zur Form finden“. Um das arg dezimierte Aufgebot bis zum ersten Pflichtspiel Mitte August in der ersten Pokalrunde bei Viktoria Berlin wie gewünscht zu verstärken, stehen ihm und Sportdirektor Bruno Hübner rund sieben Millionen Euro zur Verfügung. Das ist ein Batzen Geld – doch gemessen an der Finanzkraft der Konkurrenz nicht die Masse. Zumal, wenn die Summe für bis zu vier Zugänge reichen soll. Besonders im offensiven Mittelfeld und dem Angriff herrscht erheblicher Ergänzungsbedarf. Die Eintracht habe Spieler abgeben müssen, „die für Qualität standen“, sagte Schaaf, der es daher nicht ausschloss, dass der „Anfang holprig“ werden könnte.

          Rosenthals Zukunft bei Eintracht offen

          Die Frage, ob er Profis, die unter seinem Vorgänger Armin Veh nicht zum Zug kamen, abgeben werde, stellt sich für ihn unter der angespannten aktuellen Personallage nicht: „Unser Kader ist nicht aufgebläht.“ Außerdem sei es doch eine „spannende Situation“, sagte der Coach, dass sich nun auch „alle, die da sind, neu beweisen könnten“. Diese Aussage könnte insbesondere auf Jan Rosenthal gemünzt sein. Für den Mittelfeldspieler lief es in den vergangenen Monaten selten wie geplant, und er besaß bei Veh allenfalls einen Stammplatz auf der Ersatzbank. Wenn überhaupt. Rosenthal, der vor einem Jahr ablösefrei aus Freiburg kam, brachte es auf 18 Einsätze (zwei Tore), bei denen er meist ein- oder ausgewechselt wurde. Er ließ in den zurückliegenden Urlaubstagen über seinen Berater verlauten, dass er sich mit einem abermaligen Arbeitgeberwechsel durchaus anfreunden könnte. Am Montag, beim Auftakt in der Leichtathletikhalle in Kalbach, lief er freilich zunächst vorneweg.

          Es kann eigentlich nur besser werden: Auch Jan Rosenthal, bislang oft als stiller Beobachter am Rande, steht bei der Eintracht vor einem Neubeginn.

          Schaaf sagte anschließend, der Abgang von Schwegler, Rode, Jung, Joselu und Barnetta könne den „Anreiz für andere bieten, sich mehr zu zeigen“. Zumindest erhoffe er sich eine solche Reaktion. Bleibt sie aus und drängt sich der Wackelkandidat nicht auf, könnte er wohl trotzdem nur dann mit einer Freigabe rechnen, „wenn er eins zu eins ersetzt wird“. Heißt: Dass sich rasch gewünschter Ersatz finden lässt. Heribert Bruchhagen hat angedeutet, dass für Rosenthal die Zukunftsaussichten bei der Eintracht nicht die rosigsten seien: Er werde „möglicherweise abgegeben“, sagte der Vorstandsvorsitzende in einem Interview mit dem „Kicker“, „aber nicht um jeden Preis“.

          Rosenthal, der frühere U21-Nationalspieler, hatte zuletzt wiederholt mit Verletzungen zu kämpfen und fand auch deswegen nie richtig in Tritt. Zudem kam es zwischen ihm und Veh zu Meinungsverschiedenheiten, die unter anderem – vor den Kollegen – in der Kabine ausgetragen wurden. Auch das war seinem Standing nicht unbedingt förderlich. Spekulationen, wonach sich für ihn eine Rückkehr in den Breisgau andeuten könnte, wies Jochen Saier, der Sportdirektor des SC Freiburg zurück. „Das kann ich nicht bestätigen“, sagt er auf Anfrage dieser Zeitung. „Jan hat sich bei uns sehr wohlgefühlt, doch er wollte dann den Schritt nach Frankfurt gehen.“

          Schröck nur mit zwölf Spielen

          Stephan Schröck, der philippinische Nationalspieler, beendete derweil das Kapitel Eintracht Frankfurt von sich aus vorzeitig. Er bat den Verein um Auflösung seines Vertrages, der noch bis 2015 gültig war. Diesem Ansinnen wurde von Hübner und Schaaf entsprochen. Schröck, der im defensiven Mittelfeld und als Aushilfsverteidiger nur zwölf Bundesligaspiele (null Tore) vorweisen konnte, nahm das Comeback-Angebot der Spielvereinigung Greuther Fürth an und unterschrieb bei den Franken einen Kontrakt bis 2018. Über weitere Details des Wechsels vereinbarten alle Beteiligten Stillschweigen. Nur soviel ist klar: Für ihn ist es ein Rückschritt – in die zweite Liga. Schaafs Auftrag ist es, mit Schröcks bisherigen Kollegen kollektiv einen solchen Abstieg zu verhindern.

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