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Eintracht Frankfurt : Nachtflug nach Frankfurt

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Ein guter Fang? Eintracht-Trainer Veh ist jedenfalls von den Fähigkeiten des neuen Torhüters Lukas Hradecky überzeugt. Bild: AFP

Lukas Hradecky ist endlich da. Den finnisch-slowakischen Wunsch-Torhüter von Trainer Armin Veh lässt sich die Eintracht 2,2 Millionen Euro plus 500.000 Euro Nachschlag kosten.

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          Noch hat die Frankfurter Eintracht sportlich nichts erreicht. Trotzdem war der Europapokal beim Fußball-Bundesligaverein am Donnerstagabend ein Thema. Sportdirektor Bruno Hübner rief bei Trainer Armin Veh an und äußerte die Sorge, dass der neue Torhüter Lukas Hradecky für das erste Spiel in der Europa League in der Saison 2016/2017 gesperrt sein könnte. Schließlich hatte der finnische Nationaltorwart in seinem letzten Einsatz für Bröndby IF in Nikosia (Europa-League-Qualifikation) in der langen Nachspielzeit die Gelb-Rote Karte bekommen. Die Bedenken von Hübner, der das Erreichen der Europa League nicht als Saisonziel ausgegeben hat, waren unbegründet. Für den Fall, dass die Hessen in einem Jahr tatsächlich international vertreten sein sollten, könnte Hradecky – den Regeln entsprechend – von Anfang an mitspielen. „Das wusste ich“, sagte der Fünfundzwanzigjährige mit spitzbübischem Grinsen am Freitag bei seiner Vorstellung in Frankfurt. Das Gelächter war groß.

          Mit dem gebürtigen Slowaken, der im ersten Lebensjahr mit seinen Eltern, der Vater war ein Volleyballprofi, nach Finnland übersiedelte, präsentierte sich ein aufgeschlossener und aufgeräumter junger Mann an seinem neuen Arbeitsplatz. Einer, der viel lächelte und dank seiner Schulkenntnisse erstaunlich gut Deutsch spricht. Der über sich sagt, „kein langweiliger Keeper“ zu sein. Und der natürlich nicht in einem falschen Licht dastehen will. „Ich bin kein Bad Boy.“ Sein Platzverweis, der zweite in seiner Karriere, war ein Irrtum. Hradecky hatte den Ball nur weg gedroschen, weil es nicht der Spielball war. Die Gelbe Karte, die er davor aufgrund eines verschuldeten Elfmeters erhalten hatte, war hingegen berechtigt. Immerhin: Sein ehemaliger Klub erreichte durch das 2:2 die nächste Europa League-Qualifikationsrunde.

          Hradecky will die Nummer eins zu werden

          Bei der Verpflichtung des 1,90 Meter großen Profis für die kommenden drei Jahre musste die Eintracht Geduld aufbringen – und einen „kleinen Kompromiss“ (Hübner) eingehen. Dieser bestand darin, dass Hradecky den Frankfurtern nicht sofort zur Verfügung stand. „Lukas war ein Leistungs- und Sympathieträger in Kopenhagen“, sagte Hübner. Dementsprechend „hartnäckig“ musste er auch bei den „nicht einfachen“ Verhandlungen sein. Aber: „Lukas ist der absolute Wunschtorhüter von Armin Veh.“ Und auch der Trainer sagte: „Wir hätten nicht so lange gewartet, wenn wir nicht davon überzeugt gewesen wären, diesen Typ Torhüter zu wollen.“ Hradecky, der in der Nacht zum Freitag in Begleitung von Eintracht-Chefscout Bernd Legien um 3.50 Uhr auf Zypern ins Flugzeug stieg und nach Frankfurt flog, lässt sich die Eintracht nach Angaben von Bröndby 2,2 Millionen Euro plus 500.000 Euro Nachschlag kosten. Er ist damit der Nachfolger des für rund neun Millionen Euro zu Paris St- Germain abgewanderten Kevin Trapp. Dessen Fußstapfen beziehungsweise „Handschuhe“ seien groß, sagte Hradecky. „Kevin Trapp war hier eine Art Idol.“

          Der eine ging, der andere kommt. Hradecky tut das mit dem Anspruch, die Nummer eins zu werden. Und es wäre schon eine Überraschung, wenn der andere Neue im Tor, Heinz Lindner, seinen Konkurrenten hinter sich ließe. Nur im DFB-Pokalspiel an diesem Samstag (15.30 Uhr) beim Bremer SV wird Lindner das Eintracht-Tor hüten. Hradecky ist noch einmal nach Kopenhagen zurückgeflogen, bevor er am Sonntag wieder in Frankfurt eintreffen wird. „Die Bundesliga war immer mein Ziel“, sagte er. „Für meine Weiterentwicklung habe ich gehofft, den nächsten Schritt machen zu können.“

          Hradecky - früher ein guter Eishockey- und Tennisspieler

          Der Torwart mit internationaler Erfahrung geht davon aus, sich bei der Eintracht weiter zu „verbessern“. Veh und Hübner halten schon jetzt viel von ihrer Neuerwerbung. Einem „Torhüter der modernen Art“ (Hübner), der „von hinten raus gut Fußball spielen“ könne. Und der stark auf der Linie ist und eine gute Strafraumbeherrschung hat. „Er kann das Spiel lesen“, sagt Veh. Von Manuel Neuer, „dem besten Torwart der Welt mit seinem Liberospiel“, hat Hradecky viele Spiele gesehen. Sein Vorbild war früher aber der Spanier Iker Casillas. Apropos früher: Hradecky war ein guter Eishockey- und Tennisspieler. Im Fußball sei er „schlecht“ und zu faul zum Laufen gewesen. Weil er jedoch weiter zu einer Fußballmannschaft gehören wollte, wurde er eben Torhüter.

          Humorvoll und nach eigenen Angaben kein „Bad Boy“: Lukas Hradecky

          Mit der Eintracht, die in Bremen mit den zwei Spitzen Haris Seferovic und Luc Castaignos, aber ohne den angeschlagenen Innenverteidiger David Abraham antreten wird, würde Hradecky in der übernächsten Saison am liebsten europäisch spielen. Nur gäbe es da noch die „sechs, sieben großen Vereine im deutschen Fußball“. Insofern sieht er seinen neuen Verein in der Außenseiterrolle. So betrachtet auch Veh die Dinge. Er sagte: „Es ist nicht realistisch, dass wir im Uefa-Cup spielen. Aber vielleicht erreichen wir etwas, was man normalerweise nicht schafft. Ich möchte nicht, dass die Sache zementiert ist.“ Den Sprung in die zweite Pokalrunde hat der Trainer fest eingeplant. Dafür muss der Bremer SV besiegt werden, dessen Slogan „Echter Fußball ohne Schickimicki“ heißt. „Dieser Slogan gefällt mir. Wir machen es genauso“, sagte Veh.

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