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Eintracht Frankfurt : Kittels Knieschaden

Am Boden: Sonny Kittel hat es schon wieder erwischt. Die Verletzung ist schlimm – und ein weiterer Rückschlag in seiner Karriere. Bild: Heiko Rhode

Der Frankfurter Mittelfeldspieler erleidet beim 0:1 in Bremen einen Kreuzbandriss – es ist der zweite seiner noch jungen Karriere. „Wir sind zutiefst erschrocken von der Diagnose,“ sagt Trainer Schaaf.

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          Der Tiefschlag kam am späten Abend. Es war genau 22.49 Uhr, als die zuvor anberaumte Untersuchung die schlimmsten Befürchtungen betätigte. „Sonny Kittel hat sich heute in der Bundesliga-Partie bei Werder Bremen das vordere Kreuzband im linken Knie gerissen. Zudem hat sich der 22-jährige eine Verletzung am linken Innenband zugezogen.“ Es war Pressemitteilung 041/2015 der Frankfurter Eintracht – ein Dokument des Grauens für Kittel.

          Schon als der Eintracht-Profi am Nachmittag im Bremer Weserstadion gewohnt stürmisch seiner Arbeit nachging und nach einer Viertelstunde verletzt am Boden liegen blieb, gab es die erste Bedenken. Nicht schon wieder eine Verletzung am Knie! Kittel und die Knie – das ist in der Bundesliga eine unglaublich anmutende Krankengeschichte, die seinesgleichen sucht und an Tragik nicht zu überbieten ist. Diesmal ist es das linke Knie des blonden Mittelhessen, das böse in Mitleidenschaft gezogen wurde. Zuvor war es das rechte, das Kittel immer wieder Karriere-Rückschläge brachte.

          Kittel, der Kämpfer, gab nie auf

          Ein Kreuzbandriss und zwei Knorpelschaden: Es grenzte fast schon an ein Wunder, dass Kittel immer wieder den Anschluss schaffte. Operation, Reha, Training – die Mühen waren groß, doch Kittel, der Kämpfer, gab nie auf.

          Auch jetzt, nach seinem zweiten Kreuzbandriss in seiner noch jungen Laufbahn als Fußballprofi, wird Kittel wieder alles dransetzen, um sich zurückzukämpfen und einen Platz in der Stammmannschaft der Eintracht einzunehmen. Den hatte Kittel seit ein paar Woche inne.

          Thomas Schaaf, sein Trainer, hält große Stücke auf den technisch beschlagenen Mittelfeldmann, der keinem Zweikampf aus dem Weg und stets mit Herz und Leidenschaft seiner Arbeit nachgeht. Insofern ist Schaafs Reaktion auf Kittels Kreuzbandriss nur folgerichtig. „Wir sind zutiefst erschrocken über die Diagnose. Es tut uns unendlich leid, dass Sonny nach all den Rückschlägen in seiner noch jungen Karriere schon wieder eine schwere Knieverletzung erlitten hat.“

          Der Eintracht-Trainer, zuvor mit einer 0:1-Niederlage im Gepäck fliegend von Bremen nach Frankfurter zurückgekehrt, versuchte Kittel aufzumuntern. „Jetzt zählt nur noch der Blick nach vorne. Wir werden Sonny alle Unterstützung zusagen, die er braucht und wünschen ihm, das er so schnell wie möglich wieder gesund wird – denn wir brauchen ihn.“

          In der Stunde eines weiteren bitteren Tiefschlags konnte sich Kittel der moralischen Unterstützung seiner Vorgesetzten und Mitspieler sicher sein. „Es ist super, super schade für uns als Mannschaft, aber für ihn noch schlimmer“, sagte Torwart und Kapitän Kevin Trapp. Kittel wird sich an diesem Montag beim Heidelberger Orthopäden Dr. Jürgen Huber vorstellen. Auch Bruno Hübner zeigte sich konsterniert. „Es tut uns unendlich leid“, sagte der Sportdirektor der Eintracht und sicherte dem im Januar 22 Jahre alt gewordenen Kittel volle Unterstützung zu.

          Angesichts der langen Krankengeschichte rechnet Hübner mit einem „Prozess, der mit Sicherheit etwas länger dauert“. Gemeinhin muss bei Kreuzbandrissen bis zum Comeback eine Zeit von sechs Monaten einkalkuliert werden. Der letzte Eintracht-Profi, der ein halbes Jahr benötigte, um sich wieder in der Bundesliga zurückzumelden, war Nelson Valdez.

          Wieder nichts: Haris Seferovic hadert mit sich und seinem Spiel.
          Wieder nichts: Haris Seferovic hadert mit sich und seinem Spiel. : Bild: dpa

          Der stürmische Mann aus Paraguay spielt in den Überlegungen von Eintracht-Trainer Schaaf eine herausgehobene Rolle als Stammspieler. Auch beim Wiedersehen mit alten Bremer Kameraden präsentierte sich Valdez gewohnt eifrig und laufstark. Geholfen freilich hat es nichts.

          Der Eintracht fehlte es beim 0:1 in Bremen wieder einmal an Durchschlagskraft. Der Doppelausfall von Alexander Meier und Stefan Aigner machte sich abermals negativ bemerkbar. „Wir haben in der Offensive einfach keine Wucht“, klagte Marco Russ. Der Innenverteidiger sorgte für den Überraschungseffekt des Tages, als er nicht nur auf dem Spielberichtsbogen, sondern sogar in der Startelf stand. Schneller als erwartet kam es damit zum Comeback des Führungsspieler, der sich im März in Köln eine Knieverletzung zugezogen hatte und operiert werden musste. Schaaf hatte sich für Russ und gegen Zambrano entschieden, „weil Carlos noch nicht wieder seinen Rhythmus hat“.

          Sonny Kittel wird lange brauchen, um nach einem weiteren Kapitel in seiner unglaublichen Leidensgeschichte wieder gesund zu werden und seinen ganz persönlichen Rhythmus für die erhoffte Rückkehr in die Bundesliga zu finden.

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