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Eintracht Frankfurt : Mit dem Rücken zur Wand

  • -Aktualisiert am

Trost für den Trainer: Bayers Kießling richtet Kovac auf. Bild: WITTERS

Die Hoffnung der Eintracht auf eine Rettung im Abstiegskampf schwindet: Das 0:3 in Leverkusen und die gleichzeitigen Erfolge der Konkurrenz lassen die Frankfurter verzweifeln.

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          Die Frankfurter Eintracht ist am Samstag auf der vorletzten Stufe ihres Weges nach unten angekommen. Nach dem 0:3 bei Bayer Leverkusen kann sie den fünften Abstieg aus der Fußball-Bundesliga nur dann noch vermeiden, wenn sich die Konkurrenz ihrer erbarmt und zusätzlich ein Fußballwunder geschieht: dass die Mannschaft mehrere Tore schießt. Genau zwei Mal gelang es ihr in den letzten neun Begegnungen, den Sinn und Zweck eines Fußballspiels zu erfüllen. Bei dieser Quote bleibt kein Spielraum für ein Fußballwunder.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Die Gefahr der Zweitklassigkeit wurde in Frankfurt extrem früh erkannt. Schon im vergangenen Herbst, als beim Aufsteiger Ingolstadt nach indiskutabler Leistung 0:2 verloren wurde und kurz danach die Mannschaft im DFB-Pokal beim Drittligaklub Erzgebirge Aue durch ein peinliches 0:1 ausschied. Aber weder Trainer Armin Veh schaffte es, die grundsätzliche Schwäche der Eintracht zu beheben, noch sein Nachfolger Niko Kovac. Außer Alexander Meier ist kein Frankfurter Fußballprofi in der Lage, Tore zu erzielen. Auch der 33 Jahre alte Torjäger traf nicht bei jeder Gelegenheit, aber er setzte zwischendurch immer wieder Glanzlichter. Seine Treffer sorgten dafür, dass die Talfahrt in der Tabelle sanft ausfiel, immer wieder mal durch einen Sieg unterbrochen - wie das 3:2 gegen Wolfsburg, zu dem er alle drei Tore beisteuerte. Seit sich der Mannschaftskapitän Ende Februar im Spiel gegen Schalke 04 verletzte, fehlt der Meier-Faktor im Frankfurter Spiel. Und damit der letzte Glaube an den möglichen Erfolg. Ein Zaubertor von Ben-Hatira - auf der Torauslinie stehend erzielt - und ein Kopfball von Russ nach einem Standard brachten vier Punkte und verzögerten den Absturz auf die Abstiegsränge.

          Bruchhagen steht nach 13 Jahren vor einem Scherbenhaufen

          Aber schon nach diesen Teilerfolgen übertraf die Furcht vor der Zukunft die Hoffnung auf einen Aufschwung. Wie unbedarft die Frankfurter bei ihren herausgespielten Torchancen agierten, verhieß nichts Gutes. Das Pech der Eintracht in dieser Saison ist zudem, dass außer Hannover 96 alle Mannschaften im Abstiegskampf intakte Interessengemeinschaften sind. Hoffenheim (21 Punkte), Stuttgart (18), Darmstadt (17), Werder (16), und Augsburg (14) punkteten in der Rückrunde viel zuverlässiger als die Eintracht (10). Nach dem 3:2 über Wolfsburg ist am Samstag mit Bremen auch der letzte Rettungsanker außer Griffweite geraten. „Wir stehen absolut mit dem Rücken zur Wand“, sagte der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen, der vier Wochen vor Ablauf seiner fast 13-jährigen Tätigkeit in Frankfurt vor den Scherben seiner Arbeit steht. Der 67 Jahre alte Funktionär machte aus der hochverschuldeten „Diva vom Main“ einen seriösen Bundesligaklub.

          Doch nach 2011 scheint es ihm ein zweites Mal nicht zu gelingen, einen Abstieg abzuwenden. Im Nachhinein erweist es sich als Fehler, nach dem Rücktritt von Thomas Schaaf wieder dessen Vorgänger verpflichtet zu haben. Unter Veh spielte die Eintracht seltsam verhalten, wenn auch nicht so schlecht wie ein Absteiger. Zudem vertat sich Veh in Zusammenarbeit mit Sportdirektor Hübner beim Versuch, personell nachzubessern. Keiner der fünf Neuzugänge half der Eintracht in der Rückrunde wirklich weiter. Seit Kovac übernahm, verhalten sich die Frankfurter Profis leidenschaftlich, wie man es im Abstiegskampf erwarten darf, doch die Ausbeute wurde nicht besser. Das Leverkusener Team und sein Trainer entwickelten am Samstag eine Menge Mitgefühl mit den Frankfurtern. Stürmer Stefan Kießling tröstete Eintracht-Mannschaftskapitän Marco Russ auf dem Spielfeld, Coach Roger Schmidt sprach seinem Kollegen Kovac ein Kompliment für die Vorstellung seiner Mannschaft aus: „Die Eintracht stellte uns vor große Probleme, die Spielgeschichte sprach nicht für uns. Wenn Kittel bei seiner Chance für Frankfurt getroffen hätte, wäre es sehr kompliziert geworden.“

          „Ohne Tore kannst du nicht gewinnen.“

          Und damit war Schmidt beim beherrschenden Frankfurter Thema: nicht treffen. Der 23 Jahre alte Hesse setzte den Ball nach einer Flanke aus zwölf Metern Entfernung volley ein paar Zentimeter neben das Tor (57.). Wofür er von Kovac ziemlich ungnädig zu hören bekam: „Da gibt es keine Ausreden, das muss ein Tor sein.“ Des Trainers harte Worte mögen angesichts der angespannten Gesamtsituation verständlich sein, aber viel falsch hatte Kittel nicht gemacht. Wahr ist jedoch auch: Alle Frankfurter hätten sich in diesem Moment Meier am Ball gewünscht.

          Der Leverkusener Kevin Kampl hatte es wenige Minuten später jedenfalls deutlich schwerer, als er zu seinem Volleyschuss aus 18 Metern ansetzte. Doch beim Slowenen flog der Ball in der 70. Minute zwischen vier Frankfurtern hindurch ins Tor. „Da ist ein bisschen Glück dabei, aber es gibt auch einen Qualitätsunterschied“, gab Kovac beim Vergleich der spielentscheidenden Szenen zu. „Wer das 1:0 schießt, würde mit hoher Wahrscheinlichkeit das Spiel gewinnen. Deshalb war Kampls Tor extrem wichtig“, meinte Schmidt (siehe Bericht auf der folgenden Seite). Die weiteren Tore durch Brandt (76.) und Bellarabi (90.) fielen angesichts der Konterqualität der Werkself fast zwangsläufig, weil die Frankfurter ihre defensive Grundordnung lockern mussten. „Wir geben nicht auf“, sagte Bruchhagen nach dem Abpfiff, sah dabei aber aus, als hätte er es schon getan. Dass die Eintracht 70 Minuten lang einem Champions-League-Anwärter ebenbürtig war, kann einen Experten wie ihn nicht täuschen. Schon oft sind in der Historie der Bundesliga konkurrenzfähige Mannschaften abgestiegen. Sie alle hatten eins gemeinsam - sie nutzten ihre Chancen nicht. Wie sagte Trainer Kovac am Ende eines enttäuschenden Arbeitstages: „Ohne Tore kannst du nicht gewinnen.“

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