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Eintracht Frankfurt : Mit voller Batterie trommeln

Frankfurter Taktgeber: Eintracht-Trainer Niko Kovac zeigt seinen Spielern, wie es gehen soll. Bild: Jan Huebner

Eintracht-Trainer Niko Kovac geht mit seinem Team den harten Weg, um es auf eine Saison vorzubereiten. Aber Kovac verspürt Zuversicht.

          Die Reise geht weiter. Für Niko Kovac und sein Team setzt sich der Arbeitsausflug nach Italien an diesem Samstag in der Lombardei fort. Zum Abschluss des Trainingslagers kommt es zu einem Härtetest: Im Privatspiel gegen Atalanta Bergamo (Anstoß 20.30 Uhr) erwartet der Trainer eine „Standortbestimmung“ für seine Mannschaft, mit der er in den vergangenen Tagen in Südtirol zahlreiche Wettbewerbssituationen simulierte, der Ball dabei aber oft außen vor blieb und die Spieler vor allem noch einmal ihre körperliche Basis stärken sollten. Im Anschluss an die Begegnung mit dem Serie-A-Klub, mutmaßte der Coach, lasse sich ein erstes Urteil fällen, „wie weit wir wirklich sind“.

          Mit dem Zwischenfazit zum Ende der fünften Woche in der Vorbereitung auf die kommende Saison ist der 44-Jährige „sehr zufrieden“. Seine Startelf für das Pokal-Match gegen Magdeburg in zwei Wochen habe Kontur gewonnen, wobei er sich wünschte, dass zeitnah nach der Rückkehr nach Frankfurt die Planstelle in der Innenverteidigung mit einem Fachmann für Abwehrfragen besetzt wird. Der Idee, die Position mit Rechtsverteidiger Timothy Chandler oder dem defensiven Mittelfeldmann Johannes Flum vorübergehend zu besetzen, konnte er wenig abgewinnen: „Das ist eine Lösung, die ich nicht bevorzuge.“ Die Verhandlungen von Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner mit Kandidaten seien weit fortgeschritten, er mache „sich keine Sorgen“ und sei daher „in dieser Frage völlig entspannt“.

          In die Breite des Kaders investiert

          Gegen Bergamo möchte der Coach von der voraussichtlichen Aufstellung Hradecky – Varela, Abraham, Zorba, Oczipka – Mascarell, Huszti – Rebic, Meier, Gacinovic – Hrgota eine Leistung sehen, die engagierter ist als das, was der Rest der Kollegen am Mittwoch beim uninspirierten 1:0 gegen Al-Ahli bot. Ein „großer Teil des Puzzles“ habe er zusammengefügt, sagte Kovac. Das fertige Bild, wie die Mannschaft demnächst im Bundesliga-Alltag ausschaue, könne er zwar noch nicht vollständig erkennen, „aber es läuft nach Plan“. Ihm imponiere vor allem, wie die Truppe in der Kabine, in der sich doch zahlreiche neue Gesichter wiederfinden, zusammenwachse: „Ohne Charakter hätten wir es im Frühjahr nicht geschafft“, sagte er, „und auch jetzt gefällt mir, wie mit anderen Vorzeichen wieder ein guter Charakter im Team entsteht.“

          Dass der Integrationsprozess der Zugänge zügig verlaufe, wie er feststellte, überrasche ihn aufgrund seiner Karriereerfahrungen nicht: „Wenn du nicht der absolute Problemfall oder Querulant bist, ist es im Fußball relativ einfach, sich zurechtzufinden.“ Konkrete Ziele für die bevorstehende Runde formulierte Kovac keine. Der Eintracht traut er aber zu, eine ordentliche Rolle zu spielen – auch, weil sie unlängst im Abstiegskampf so lange zittern musste und aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt habe: „Wir sind gestählt.“ Als er Anfang März die von vielen Beobachtern als „Mission Impossible“ beschriebene Aufgabe annahm, habe er oft auf Notlösungen zurückgreifen müssen: „Wir haben Sachen geflickt, weil wir personell nicht richtig nachlegen konnten.“

          Nun sei in die Breite des Kaders investiert worden. „Heute sind wir überall doppelt besetzt“, die individuellen Fähigkeiten seien höher, urteilte er nach der Abgabe von neun Leuten und der Verpflichtung von bislang elf Profis. „Wir haben uns mehr Speed in den Beinen und im Kopf gewünscht. Das haben wir hinbekommen“, sprach er allen, die mit ihm hinter den Kulissen an der Abwicklung des Deals mitgewirkt haben, ein Lob aus.

          „Trommelt wie die Duracell-Hasen“

          Da jedoch auch die Konkurrenz nicht untätig geblieben ist und zum Teil ohnehin einen uneinholbaren (Niveau-)Vorsprung besitzt, dürften die Aufstiegschancen im Ranking bis auf weiteres trotz allem überschaubar bleiben. Dessen ist sich der Trainer bewusst. „Die Qualität, die manch andere vorweisen können, fehlt uns, deswegen müssen wir intensiv Fußball spielen.“ In Sachen „Taktik und Physis“, sagte Kovac, wolle er die Akteure so weit bringen, dass ihnen nicht bange zu sein brauche.

          Unter anderem während seiner Lehrzeit als Gast beim FC Bayern München und bei Borussia Dortmund habe er verstanden, dass Pep Guardiola, Jürgen Klopp und Thomas Tuchel mit ihren Teams auch deswegen so erfolgreich abschnitten, weil sie jeden Tag aufs Neue immer mehr und härter trainierten, als es bei vielen Mitbewerbern üblich sei. Bei der Eintracht dauerte ein Arbeitstag in Gais zumeist von 8 bis 22 Uhr, inklusive zahlreicher Behandlungen bei den Physiotherapeuten und Sitzungen, bei denen die Videoanalysten Stärken und Schwächen bildlich darstellten.

          Kovac verspricht sich von dem umfangreichen Programm langfristigen Nutzen: „Wir werden dauerhaft größere Umfänge trainieren können, erholen uns aber trotzdem schneller und lernen, wie auch unsere Konzentrationsfähigkeit in Stresssituationen nicht so schnell abnimmt.“ Seinen Spielern, die dem Anschein nach den Weg, den sie vorgezeichnet bekommen, mit Interesse und Leidenschaft mitzugehen bereit sind, machte er in Gais mit einer eingängigen Werbebotschaft deutlich, auf was es ihm ankommt: „Entweder ihr trommelt wie die Duracell-Hasen in den Fernsehspots und gebt den Takt vor – oder ihr hört auf, und der Gegner macht es.“ Von Anfang kommender Woche an werden die Batterien dann wieder in der Heimat aufgeladen.

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