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Eintracht Frankfurt : Kopfball ins Glück

Fingerzeig im Finale furiose: Goncalo Paciencia gelingt sein erstes Bundesliga-Tor, das der Eintracht drei wichtige Punkte gegen Hoffenheim beschert. Bild: Patrick Scheiber

Die Eintracht setzt ihre Erfolgsserie beim 3:2 gegen Hoffenheim eindrucksvoll fort: Paciência strahlt als Matchwinner, und das Team erhält weiteren Rückenwind für das Duell mit Inter.

          Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Mijat Gacinovic fiel es nicht schwer, über sich selbst zu scherzen: „Jetzt haben wir noch einen guten Stürmer mehr“, merkte der Serbe anerkennend an, „und alle treffen. Nur ich nicht“ – sprach’s und grinste fröhlich. Dem 24-Jährigen blieb auch gegen die TSG Hoffenheim ein persönliches Erfolgserlebnis verwehrt. Was er auch unternahm, um sein erstes Bundesliga-Tor in dieser Saison zu erzielen, es führte wiederum nicht ans Ziel. Entweder kam ihm ein Verteidiger im letzten Moment dazwischen, parierte Keeper Oliver Baumann seine Versuche oder ihm sprang der Ball zu weit vom Fuß, um den Schuss präzise abzuschließen. Auch deswegen blieb es lange spannend, ehe Sébastien Haller (89. Minute) und Gonçalo Paciência (90. + 6.) dem Nervenkitzel ein Ende bereiteten. Ihre Treffer kurz vor Ultimo ermöglichten ein Frankfurter Finish, mit dem das Werk vollendet wurde, das Ante Rebic durch seinen Führungstreffer (20.) eingeleitet hatte.

          Dank des 3:2-Erfolgs ist die Eintracht in diesem Jahr weiter ungeschlagen; nach Donezk (2:2, 4:1), Dortmund (1:1) Leipzig (0:0) behauptete sich der Pokalsieger gegen den nächsten Champions-League-Teilnehmer; 40 Punkte nach 24 Saisonspielen stellen zudem die beste Bilanz seit 26 Jahren dar. „Es war ein Sieg des Willens. Wir haben bis zum Schluss gekämpft und uns belohnt“, bilanzierte Gacinovic. „Ein extrem aufregendes Spiel, in dem das Glück mit Leidenschaft erzwungen wurde“, schlussfolgerte Präsident Peter Fischer, als er aus der Kabine zurückkam und von vielen „strahlenden Gesichtern“ berichtete. „Es ist wirklich brutal, was in diesem Stadion abgeht“, stellte Winter-Zugang Martin Hinteregger fest. „Das Stadion ist explodiert und auch aus uns kam alles raus. Wir wollen diese Euphorie weiter erleben. Wenn wir so weiterspielen, können wir das schaffen.“

          „Hinten raus hat sich unsere Mentalität durchgesetzt“

          Auch Adi Hütter musste nach dem packenden Duell mit den widerspenstigen Kraichgauern etwas länger als sonst durchatmen, um wieder mit Normalpuls die Lage der Dinge einordnen zu können. „Ich glaube, ich stand auf dem Spielfeld, so genau weiß ich das nicht mehr“, meinte der 49-Jährige nach der mitreißenden Overtime: „Mit der letzten Aktion das Tor zu machen! Was Schöneres kann man sich als Trainer und Fan nicht wünschen.“ Julian Nagelsmann, sein Hoffenheimer Pendant, wähnt die Eintracht auch dank ihres Behauptungswillens auf einem äußerst erfolgversprechenden Weg: „Wer solche Spiele gewinnt, landet am Ende oben.“ Für Hütter war neben der individuellen Qualität der Eintracht-Profis ihre Einstellung einmal mehr ausschlaggebend: „Hinten raus hat sich unsere Mentalität durchgesetzt.“

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          Er freue sich, sagte der Österreicher, dass mit Paciência, der lange als Pechvogel um den Anschluss im Team rang, auf Vorlage Hallers der spektakuläre Abschluss mit einem Kopfball „wie aus dem Lehrbuch“ gelang: „Gonçalo hat sich zurückgekämpft. Ich habe ihm bei der Einwechslung gesagt, er soll ein Tor schießen. Dass er dann das Siegtor erzielte, ist natürlich schön. Da brechen emotional alle Dämme. Ein absolut wichtiger Sieg für uns in dieser Phase.“ Auch Haller hob den Beitrag des von seiner Knieoperation genesenen Portugiesen heraus: „Er hatte so viel harte Arbeit zu leisten. Dass er heute glücklich ist, hat er sich verdient. Er ist nicht nur ein guter Fußballer, er ist ein guter Charakter.“

          Die Fans als Waffe

          Hütter gab zu bedenken, dass nicht alles Gold war an diesem Samstagnachmittag, bei dem das Team früh und spät glänzte. Hoffenheim ging durch Joelinton (43.) und Ishak Belfodil (60.) zwischenzeitlich in Führung. „Da hatten wir den Faden verloren, waren nicht diszipliniert genug und unsere Laufwege haben nur nach vorne gestimmt“, sagte der Trainer, der die Hinausstellung des Hoffenheimers Kasim Adams (66.) als „Knackpunkt“ wertete. In Überzahl stellte Hütter auf Viererkette um und beorderte Filip Kostic auf der linken Außenbahn weit nach vorne.

          Mit seiner Schnelligkeit sorgte der Serbe fortan für einen Wirbel, der Lücken in die dezimierte Hoffenheimer Deckung riss. 15 gewonnene Zweikämpfe, acht Flanken, vier Torschüsse, 38 Sprints und 75 Ballkontakte verzeichnete die Statistik für den 26-Jährigen – allesamt Frankfurter Bestwerte. „Ich hatte schon dreimal gedacht, Filip kann nicht mehr. Gerade nach der Pause, als er in der Rückwärtsbewegung nicht so mitging. Doch dann hat er wieder alles aus seinem Körper rausgeholt“, pries Hütter später. 124 Kilometer spulte die Mannschaft zusammengerechnet ab und damit drei mehr als der Gegner.

          Als „lobenswert“ bezeichnete Hütter das unermüdliche Engagement, zu dem auch Gacinovic einen wichtigen Teil beitrug. Keiner lief mehr als das Leichtgewicht, der es auf 12,9 Kilometer brachte. „Seine Beweglichkeit“ sei ein großer Trumpf, hob Hütter hervor, manchmal sei der Nationalspieler allerdings „schneller im Kopf, als es die Füße erlauben“. Dann würde er, der mit seinem 70-Meter-Sprint im Pokalfinale von Berlin 2018 für immer und ewig einen Platz in den Herzen des Eintracht-Anhangs behalten wird, „Aktionen zu überhastet abschließen, bei denen mehr Ruhe ihm und dem Team guttun würde“, sagte Hütter. „Was Mijat aber investiert, beeindruckt mich.“ Er traf bislang lediglich in der Europa League, gegen Limassol und Rom. In diesem Wettbewerb kommt es nun am Donnerstag vor ausverkauftem Haus zum Achtelfinal-Hinspiel gegen Inter Mailand. Gacinovic sieht dem Duell mit dem 18maligen italienischen Meister optimistisch entgegen: „Mit unseren Fans haben wir gegen jede Mannschaft auf der Welt eine Chance.“

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