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Eintracht Frankfurt : Mit langem Anlauf

Frischer Schwung: Danny da Costa meldet sich mit guten Leistungen beim Training und im jüngsten Spiel zurück. Bild: Jan Huebner

Eine Verletzung hat Danny da Costas Start bei der Eintracht erschwert. Doch der Verteidiger kann auch aus Rückschlägen Motivation gewinnen. Trainer Niko Kovac zählt darauf.

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          Fehler gehören zum Spiel dazu. Auch ein zum Perfektionismus neigender Zeitgenosse wie Niko Kovac kann an dieser Gesetzmäßigkeit des Fußballs nichts ändern. In seiner Arbeit als Trainer bleibt ihm nur der Arbeitsansatz, die Anfälligkeit für Ungenauigkeiten und Trugschlüsse so weit zu verringern, dass sie auf den Ausgang der Partien nicht immer solch entscheidenden Einfluss haben wie am vergangenen Samstag.

          Marc Heinrich
          (mah.), Sport

          Einem Missverständnis in der eigenen Abwehr war kurz vor Schluss das Gegentor geschuldet, das zum 1:1 in Hoffenheim führte – und die Eintracht zwei Punkte kostete. Marius Wolf, der sich von der schnellen Freistoßausführung der TSG überrumpeln ließ, und Carlos Salcedo, der als Innenverteidiger von Serge Gnabry ausgetanzt wurde, konnten auf der rechten Abwehrseite das Ungemach nicht verhindern. Kovac war über den Ausgang der Partie am zwölften Spieltag unglücklich, nahm das Ergebnis aber nicht zum Anlass, darüber in Wehklagen zu verfallen, sondern wertete es als weiteres Indiz, dass der Entwicklungsprozess seiner im Sommer an vielen Stellen veränderten Mannschaft eben in vollem Gange sei – und es auch auf ihn ankomme, aus den Mängeln die nötigen Schlüsse zu ziehen, damit es künftig besser klappt. „Zum Schluss darf nichts mehr passieren. Ganz ehrlich, da darf der Ball gar nicht mehr im Spielfeld sein. Da liege ich auf dem Boden, oder der Ball ist in der Luft oder außerhalb des Spielfeldes. Da wird nicht mehr Fußball gespielt. Das ist internationale Qualität“, sagte Kovac. „Wir haben es nicht gut verteidigt. Punkt. Ausrufezeichen.“

          Team mit drittbester Defensive

          Insbesondere in der Reihe vor Torwart Lukas Hradecky war der Coach schon zu einigen ungeplanten Umstellungen gezwungen, die dafür sorgten, dass sich mit demselben Personal Abläufe nicht automatisieren konnten. Er setzte aufgrund von Sperren und Verletzungen bereits neun Akteure ein, die ihre Aufträge dafür aber im Großen und Ganzen erstaunlich solide erledigten; mit bis heute erst zwölf Gegentreffern ist die Eintracht nach dem FC Bayern München (8) und dem FC Schalke (10) das Team mit der drittbesten Defensive. Nun, da sich die Hinrunde dem Ende entgegenneigt, verbessert sich die personelle Lage, so dass sich dem Coach auch bei der Besetzung der Stellen, mit denen die Angriffswucht der Gegner vermindert werden sollen, Alternativen bieten.

          Als vorerst Letzter ist Danny da Costa zurückgekehrt. Der 24-Jährige hat die Zeit der individuellen Reha-Einheiten hinter sich gebracht und gehört mittlerweile wieder zur großen Trainingsgruppe, die Kovac auch am Dienstagnachmittag an der Arena am Stadtwald beschäftigte. Da Costa absolvierte erst zwei Kurzeinsätze in dieser Runde. Beim Auftakt in Freiburg (0:0) wurde er in der 82. Minute eingewechselt, beim Heimdebüt gegen Wolfsburg (0:1) war er in der Schlussviertelstunde dabei. Nun, nach zweimonatiger Zwangspause, unternimmt er den nächsten Versuch, sich in der Startformation einen Platz zu erspielen. Kein ganz leichtes Unterfangen. Am 12. September hatte sich da Costa im Training einen Sehnenanriss im rechten Oberschenkel zugezogen. Medizinisch behandeln ließ sich der Sohn kongolesisch-angolanischer Eltern anschließend in Leverkusen, wo er zuvor unter Vertrag stand, eher er sich im Sommer zum Wechsel an den Main entschloss. Bei der Partie an diesem Samstag gegen die Werkself erstmals wieder im Kader zu stehen, ist für den gebürtigen Neusser ein Anreiz – aber kein Thema, von dem er sich auf seinem langen Weg zurück zusätzlich unter Druck setzen lässt.

          Ordentlicher Eindruck bei Wettkampf-Comeback

          Vor zehn Tagen beim Privatspiel gegen den SV Sandhausen (5:3) hinterließ er bei seinem Wettkampf-Comeback einen ordentlichen Eindruck, bereitete dabei ein Tor vor. „Die Hauptsache ist, dass man wieder einen Ball am Fuß hat und mit der Mannschaft spielen kann. Ich denke, man hat mir auch angemerkt, dass es Spaß gemacht hat, wieder zu kicken“, sagte er. Auch Kovacs Beurteilung klang wohlwollend: „Danny ist einer, der immer fleißig arbeitet und nicht viel erzählt. Wir haben gesehen, dass wir uns auf ihn verlassen können.“ Mit Rückschlägen fertig zu werden, musste der ehemalige U-21-Nationalspieler notgedrungen und früh in seiner Karriere lernen. Im Oktober vor drei Jahren, damals im Trikot des FC Ingolstadt, erlitt da Costa eine schockierende Verletzung, die von einer auf die andere Sekunde vieles veränderte. In der Begegnung mit Fortuna Düsseldorf zog er sich bei einem Zusammenstoß einen offenen Unterschenkelbruch zu. Noch in den Katakomben des Stadions musste ihm eine Infusion gelegt werden, um seinen Kreislauf zu stabilisieren, der Transport ins Krankenhaus zur sofortigen Operation stellte die Sanitäter vor Herausforderungen. „Ein paar Ärzte und Neurologen haben gesagt, dass Fußballspielen in der Form wie bisher künftig eher schwierig werden könnte. Es ist natürlich nicht einfach, gerade in einem jungen Alter so etwas von einem Arzt gesagt zu bekommen“, erzählte er nach seiner Genesung in einem Gespräch mit der „Augsburger Allgemeinen“, „ich habe daraus dann Motivation gezogen und wollte beweisen, zurückkommen zu können.“

          Als er nach seiner Ausleihe an die Bayern, mit denen er in die erste Liga aufstieg, zu seinem Stammverein Leverkusen beordert wurde, holten ihn die Folgen des Zwischenfalls ein. Im Anschluss an den Eingriff, mit dem eine Metallstange entfernt wurde, die das gebrochene Schienbein gefestigt hatte, musste er in der Vorbereitung kürzertreten, so dass er bei Bayer sowohl bei Roger Schmidt als auch Tayfun Korkut fortan nicht wie erhofft zum Zug kam. Das Angebot der Eintracht, bei der Sportvorstand Fredi Bobic „Dannys Erfahrung und Expertise“ betonte, kam ihm da genau recht. Da Costa bezeichnete die Bewährungsprobe im Sommer als „neue Chance“. Mit verlängerter Anlaufzeit will er sie nun nutzen.

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