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Eintracht Frankfurt : Mister Zuverlässig

Bis hierhin und nicht weiter! Martin Hinteregger nimmt Waldemar Anton von Hannover 96 den Ball ab. Bild: GES/Marvin Ibo Güngör

„Zwei Teams, die die Offensive lieben“: Im Spiel zwischen der Eintracht und Hoffenheim kommt auf die Verteidiger viel Arbeit zu. Martin Hinteregger nimmt eine Schlüsselrolle ein.

          Vier Wochen ist Martin Hinteregger nun dabei, und in der Kürze der Zeit, ist es ihm gelungen, Eindruck zu hinterlassen. Mit dem 26 Jahre alten nahm die Eintracht kein Enfant terrible in ihren Kader auf, sondern gewann einen Teamplayer hinzu, dessen Wille erkennbar ist, die Chance, die sich ihm durch den Wechsel nach Frankfurt bot, zu nutzen. Sechs Partien absolvierte der Österreicher seit seinem Transfer am letzten Tag der Winterpause, der möglich wurde, nachdem er beim FC Augsburg wegen Kritik an Trainer Manuel Baum die Freigabe erhielt. Für die Hessen lief Hinteregger in der Bundesliga gegen Dortmund (1:1), Leipzig (0:0), Gladbach (1:1) und Hannover (3:0) auf und brachte sich auf Anhieb in der Verteidigung als stabilisierendes Element ein. Auch international gehörte er in den Duellen gegen Donezk (2:2, 4:1) zu den Stützen seiner Mannschaft, für die er im Hinspiel mit dem Führungstreffer in der Ukraine den Weg zum Erfolg ebnete. Viel besser, das bestätigt Hinteregger, habe es kaum laufen können: „Es passt!“

          Am vergangenen Sonntag, gegen die 96er, wies die Statistik bei Hinteregger die meisten Ballkontakte aus: 68. Sportdirektor Bruno Hübner bezeichnete es als „Wahnsinn“, wie schnell die Integration des Zugangs gelungen sei. Hinteregger habe – obwohl Linksfuß – sowohl die Rolle als rechtes Glied der Abwehrkette zuverlässig ausgefüllt wie auch die Position in der Mitte. So ließ sich der Ausfall von Kapitän David Abraham (Wadenblessur) kompensieren. Insbesondere von der engen Abstimmung mit Makoto Hasebe habe er beim Einstand profitiert. „Ich habe viele Gespräche mit ihm geführt, das hat mir geholfen, gute Leistungen zu bringen“, sagte Hinteregger. Er ist bis auf weiteres lediglich ausgeliehen. An Augsburg ist er noch bis Mitte 2021 vertraglich gebunden. Eine Kaufoption erhielt die Eintracht bei der Übereinkunft mit dem bayerischen Klub, für die sie dem Vernehmen nach 800.000 Euro zahlen musste, nicht; eine Ablöse im oberen einstelligen Millionenbereich liegt nahe. „Augsburg wird ihn uns nicht schenken“, brachte es Hütter auf den Punkt. In Österreich wurde Hinteregger (unter der Regie Hütters) mit RB Salzburg vor vier Jahren Meister und Pokalsieger. Ein vergleichbarer Triumph ist aktuell mit der Eintracht nicht machbar, doch die Perspektiven schauen dank zuletzt acht Partien in Serie ohne Niederlage trotzdem verlockend aus.

          „Man muss immer flexibel bleiben.“

          „Ich lasse mich gerne von der Euphorie infizieren“, sagte Hütter zur gestiegenen Erwartungshaltung des Anhangs. An diesem Samstag, beim Aufeinandertreffen mit der TSG Hoffenheim, besteht die Gelegenheit, nachzulegen. 37 Punkte haben die Frankfurter als Tabellensechster bislang erreicht; 18 davon vor eigenem Publikum und 19 in der Fremde. Mit einem Sieg, es wäre der sechste im Waldstadion, bliebe ein direkter Konkurrent beim Kampf um den Wiedereinzug ins Europapokalgeschäft auf Distanz. Ob ihm Gelson Fernandes (Muskelfaserriss) wieder zur Verfügung stehen wird, verriet Hütter nicht. „Er ist wieder fit, hat diese Woche fast alles mitgemacht und fühlt sich schon recht gut.“ Der Schweizer hatte die Spiele gegen Donezk und Hannover wegen einer Oberschenkelverletzung verpasst. „Man muss immer flexibel bleiben“, hielt sich Hütter in der Aufstellungsfrage bedeckt. Sollte Abraham zurückkehren, könnte er zusammen mit Hinteregger und Hasebe auf einer Linie beginnen. Würde der Japaner wieder das Sechser-Duo mit Sebastian Rode bilden, dürfte Evan Ndicka den Part dahinter übernehmen.

          Im Hinblick auf das kommende Europa-League-Duell mit Inter Mailand kündigte Hütter an, „dass ich eine Rotation vornehmen werde“. Außerdem deutete er an, dass das Comeback von Lucas Torro, der im November an der Hüfte operiert wurde, bevorsteht. „Es gibt viele Möglichkeiten, viele Varianten. Ich habe sie schon im Kopf“, sagte er vor dem Abschlusstraining. Er warnte im gleichen Atemzug aber vor einer „Top-Mannschaft“, die von einem Trainer angeleitet werde, dessen Arbeit er schätzt: „Julian Nagelsmann ist ein guter Typ und so spielt seine Mannschaft.“ Den Kollegen zeichne aus, dass ihm „unglaubliche viele Lösungsansätze“ einfielen und er wisse, „wie man dem Gegner weh tun kann“. Der Klub aus dem Kraichgau sitzt der Eintracht als Achter (mit 34 Punkten) im Nacken. „Ich weiß nicht, wen man als Favoriten bezeichnen kann, wenn man vor dem 24. Spieltag drei Zähler auseinander liegt“, meinte Hütter. In seinen Augen treffen „zwei Teams aufeinander, die die Offensive lieben“. Entsprechend groß sei die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine für die Zuschauer eine Auseinandersetzung entwickele, „die nicht langweilig wird“.

          Nagelsmann tritt trotz Verletzungssorgen (der TSG fehlen fünf Stammkräfte) mit der Absicht an, einen Vereinsrekord auszubauen. Seit neun Auswärtsspielen ist Hoffenheim ohne Niederlage. Um die Schwere der Aufgabe machte er sich auch aufgrund der Erfahrungen im Hinspiel (1:2) keine falschen Vorstellungen. Die Eintracht ist für ihn eine „Mannschaft mit Herz. Sie verteidigt sehr aggressiv die eigene Hälfte mit vielen intensiven Läufen, tiefen Bällen, klaren Strukturen. Das ist nicht nur ein Rumgebolze, das machen sie sehr gut.“ Der Frankfurter Aufschwung überrasche ihn nicht, sagte der 31-Jährige: „Adi Hütter ist ein guter Trainer. Er hat ein stabiles Konstrukt von Niko Kovac übernommen, und er hat neue Elemente reingebracht.“ Die angriffslustige Offensive sei um eine Reihe auf Sicherheit bedachter Fachmänner ergänzt worden, die wüssten, wie es geht, den Angreifern das Eindringen in den Strafraum zu verleiden, betonte Nagelsmann. Auch Hinteregger durfte sich von dem Lob angesprochen fühlen.

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