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Eintracht Frankfurt : Matchwinner Hradecky

  • -Aktualisiert am

Und wieder gehalten: Eintracht-Keeper Hradecky stoppt die starken Magdeburger fast im Alleingang. Bild: Jan Huebner

Mit spielerischem Nichts rettet sich die Eintracht in Magdeburg ins Elfmeterschießen und erreicht dank ihres überragenden Torwarts die nächste Pokalrunde.

          3 Min.

          Die Frankfurter Eintracht hat sich in Magdeburg alles andere als mit Ruhm bekleckert. Sportlich wurde das Desaster im Elfmeterschießen gerade noch abgewendet. Nach Treffern von Meier, Huszti und Blum sowie Fehlschüssen von Hasebe und Mascarell verwandelte der neue Rechtsverteidiger Varela den entscheidenden Elfmeter zum 4:3 über den Drittligaklub.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Zuvor hatte der Magdeburger Hammann in der zweiten Halbzeit die frühe Frankfurter Führung durch Hrgota (7. Minute) ausgeglichen. Im Nachspiel, das diese Begegnung haben wird, wird die Eintracht um eine schmerzliche Niederlage jedoch nicht herumkommen. Als Wiederholungstäter erwartet den Bundesligaklub empfindliche Strafen für das Zünden von Pyrotechnik in ihrem Fanblock. Zudem bewarfen Gewalttäter den Magdeburger Familienblock mit Feuerwerkskörpern.

          Das provozierte Magdeburger Hardcorefans dermaßen, dass sie über das Spielfeld hinweg den Eintracht-Block stürmen wollten. Ordner und die Bereitschaftspolizei verhinderten dies. Schiedsrichter Schmidt blieb aber nichts anderes übrig, als die Begegnung für elf Minuten zu unterbrechen. Danach beruhigte sich wieder die Lage im Stadion.

          Das Anfang der Spiels erschien noch einfach

          „Wir sind weitergekommen, aber wir waren die schlechtere Mannschaft.“ Eintracht-Trainer Niko Kovac bemäntelte nichts am Spielverlauf, wollte mit seiner Kritik allerdings auch nicht allzu sehr ins Detail gehen. Er hätte dann auch ziemlich vernichtende individuelle Kritik anstellen müssen. Der 44 Jahre alte Kroate beließ es bei diesen Formulierungen: „Da macht man das 1:0 und komischer Weise fällt dann alles zusammen. Wir wollten viel dominanter auftreten, Magdeburg hat uns den Schneid abgekauft. Ich will das aber nicht überbewerten. Im Test gegen Vigo zeigten wir eine gute Leistung. Ich hoffe, wir können das in den nächsten paar Tagen bis Schalke aufarbeiten.“

          Ganz am Anfang schien es sich die Eintracht in Magdeburg leicht machen zu wollen. Sechs Minuten lang kontrollierte sie Ball und Gegner, und mit dem ersten zielstrebigen Angriff ging sie in Führung. Der neue Mittelstürmer Hrgota lauerte an der Abseitslinie, Mascarell erfasste 40 Meter entfernt die Situation und wagte den langen Pass. Der Ball senkte sich zentimetergenau vor dem Kollegen, der ihn aus der Luft annahm, noch zwei Haken schlug, um sich freie Schussbahn zu verschaffen und ihn dann umstandslos ins Tor schoss. Ein wunderbarer Treffer, genau in der Art, wie ihn die Bayern in der vergangenen Saison mehrmals erzielten, als wahlweise Lewandowski oder Müller Boatengs weite und hohe Zuspiele nutzten.

          Hector wirkte unsicher und überfordert

          Das Tor gab der Eintracht weder Selbstvertrauen noch Sicherheit. Im Gegenteil. Die Magdeburger wirkten wie befreit, sie hatten nun wirklich nichts mehr zu verlieren. Richtig nahe kam zunächst zwar nur Brandt dem Ausgleichstreffer, als er mit einem Fernschuss den Frankfurter Torwart Hradecky zu einer Parade zwang.

          Aber souverän war es trotzdem nicht, was die Eintracht in der Abwehr so anstellte. Sogar Innenverteidiger Abraham verlor nach einer halben Stunde ein wenig die Übersicht, die seine Kollegen nie hatten. Der wegen seines soliden 20-Minuten-Auftritts im Test gegen Vigo so gelobte Hector wirkte bei jeder Abwehraktion unsicher und im Aufbauspiel überfordert. Oczipka irrte auf links umher, und Varela schaffte es auf rechts nur mit Mühe und Not, die Magdeburger im Zaum zu halten.

          Der Druck auf das eigene Tor entstand vor allem durch die spielerische Schwäche der Eintracht. Bis auf Mascarell brachte kaum ein Spieler den Ball an den eigenen Mann. Was aber auch schwierig war, weil es keine Anspielmöglichkeiten gab. Kein Plan, keine Ordnung, kein Freilaufen, kein Durchsetzungsvermögen: Die Eintracht verkörperte in Magdeburg das spielerische Nichts.

          „Das war nicht erstligareif“

          Und von Minute zu Minute wurde es schlimmer. Mit Hasebe für den dilettierenden Castaignos wählte Kovac in der zweiten Halbzeit eine defensivere Mittelfeldvariante, aber zu mehr Ordnung führte die Maßnahme nicht. Nach der Spielunterbrechung zu Beginn der zweiten Hälfte wurde Magdeburg immer stärker und erspielte sich nun große Torchancen. Doch Torwart Hradecky rettete immer wieder – bis ihn ein abgefälschter Freistoß von Hammann doch noch überwand. Als der Magdeburger Torjäger Beck in der 89. Minute allein vor Hradecky auftauchte, schien die Niederlage der Frankfurter dann besiegelt, aber wieder reagierte Hradecky prächtig.

          In der Verlängerung machte es Innenverteidiger Hector der Eintracht noch etwas schwerer. Der von Chelsea verpflichtete Engländer mit jamaikanischen Wurzeln sah nach einem Foul die Gelb-Rote Karte. Mit Chandler in der Abwehrmitte und mit Glück im gesamten Strafraum gelang es der Eintracht gerade noch, sich ins Elfmeterschießen zu retten, in dem ein glückliches Ende auf sie wartete. Das Happy-End vermochte das Gesamturteil des Matchwinners Hradecky jedoch nicht zu beschönigen: „Das war nicht erstligareif. Wenn wir so in der nächsten Woche gegen Schalke spielen, verlieren wir 0:4.“

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