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Eintracht Frankfurt : Hasebe sieht mehr als andere

„Ich muss fit sein“: Makoto Hasebe geht während des Trainings in der Vorbereitung an seine Grenzen. Bild: Jan Huebner

Emsig und ehrgeizig: Makoto Hasebe hat sich als Sicherheitsbeauftragter im Konzept von Niko Kovac unverzichtbar gemacht. Jetzt will er vor allem seine Erfahrung einbringen.

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          Noch einmal haben sie Zeit bekommen, um durchzuatmen. Zu Beginn der Woche gab Niko Kovac der Mannschaft, die ein Wochenende mit vielen Programmpunkten absolviert hatte, frei. Erst an diesem Dienstag versammeln sie sich wieder, um dann mit der Vorarbeit für ihren ersten wichtigen Pflichttermin der Saison zu beginnen. Am Samstag bekommen es die Frankfurter mit dem TuS Erndtebrück zu tun – eine vergleichsweise niedrige Hürde, wenn es darum geht, in die zweite Runde des DFB-Pokals einzuziehen. Vor einem Jahr erwischten Kovac und sein Team ein schwereres Los, als sie die Reise zum 1. FC Magdeburg antreten mussten und dort dank der Paraden von Torhüter Lukas Hradecky als glücklicher Sieger vom Platz gingen.

          Es war ein träger Start in eine Runde, die aus der Sicht Kovacs fortan erfreulicherweise einen wesentlich temperamentvolleren Verlauf nahm. Nun wäre alles andere als ein ungefährdeter Erfolg im Gastspiel bei den viertklassigen Westfalen eine unangenehme Überraschung, die sich die Frankfurter gerne ersparen würden. Dass sie noch Schwierigkeiten haben gegen Gegner, die sich auf ihre Defensive konzentrieren und abwarten, was der Eintracht bei Ballbesitz einfällt, zeigte sich auch am Sonntag im Stadtduell gegen den FSV. Der Favorit setzte sich gegen den kleinen Nachbarn zwar 5:2 durch, ließ aber offensiv viele Gelegenheiten ungenutzt und wurde dazu im zweiten Abschnitt in der Abwehr vor Probleme gestellt, die verdeutlichten, dass manches von dem, was sich in den defensiven Planungen ausgedacht wurde, noch Stückwerk ist.

          Ältester Akteur im Aufgebot

          Schwierigkeiten entstanden, als es die Verteidiger vor Hradecky nicht schafften, die Flügelspieler am Flanken zu hindern. Auf der anderen Seite war es oft nur Max Besuschkow (und nach der Pause Mijat Gacinovic), der den Weg in den gegnerischen Strafraum suchte, während es ihren Mitspielern an Tempo und Ideen fehlte. An diesem Manko, das sich schon während der Rückrunde bemerkbar machte, wird sich wohl erst wieder etwas entscheidend ändern können, wenn die kreativen Köpfe Jonathan de Guzman (Leiste) und Marco Fabian (Knie) nach ihren Verletzungen ins Geschehen eingreifen.

          „Hinten war es schon gut“, lautete am Wochenende die Einschätzung von Makoto Hasebe nach der Begegnung mit Betis Sevilla, in der sich die Eintracht 3:0 durchsetzte. „Vorne können wir es noch besser machen“, sagte der Japaner aber auch. Er selbst ist froh, dass er zuletzt zweimal über neunzig Minuten auf dem Feld stand und es gesundheitlich „keine Probleme“ gab. Anfang März, beim 0:3 in München, bestritt Hasebe sein bislang letztes Punktspiel für die Hessen; beim Versuch, einen Ball abzuwehren, knallte er gegen den Pfosten. Zunächst war von einer Prellung die Rede, doch als die Beschwerden nicht besser wurden, gingen die Mediziner der japanischen Nationalmannschaft der Sache näher auf den Grund und diagnostizierten einen beschädigten Knorpel im Knie, der einen operativen Eingriff unumgänglich machte.

          Von den Folgen erholte er sich schneller als gedacht, und während der Aufenthalte in Nordamerika und in den Südtiroler Bergen gehörte er wie eh und je zu den emsigsten Profis im Eintracht-Kader. Er war mit sichtbarem Hochdruck darum bemüht, so schnell wie möglich wieder in eine gute körperliche Verfassung zu kommen, um sich in den Duellen mit den vielen jüngeren Konkurrenten nicht abschütteln zu lassen. „Ich muss fit sein“, sagte der 33-Jährige, „und meine Erfahrung einbringen.“ Aktuell, da Mannschaftskapitän Alex Meier wegen einer Borreliose nicht mitmachen kann, ist Hasebe der älteste Akteur im Aufgebot, das Kovac zur Verfügung steht.

          Durch öffnende Pässe beschleunigen

          Der Coach ist sich der Bedeutung des laufstarken Routiniers, der kürzlich das erste Mal Vater wurde, bewusst. „Er ist ein Vorbild für jeden jungen Fußballer und für jeden Menschen“, sagte Kovac: „Jeder Trainer wäre froh, Makoto in seiner Mannschaft zu haben.“ Mit seiner Spielweise „gibt er der Mannschaft Sicherheit“, sagte der Trainer. Die Rolle als moderner Libero, die sich Kovac für ihn in der Hinrunde ausdachte, komme dabei allen zugute. Kovac setzt seitdem bevorzugt auf eine Dreierkette, die im Verteidigungsfall zur Fünferkette mutiert; dann rücken die beiden Außenverteidiger zurück, und in der Mitte verengen drei Innenverteidiger den Angreifern den Weg zum Tor.

          Hasebe ist dabei der „freie Mann“, der nach der Balleroberung aus dieser Position heraus das Spiel durch öffnende Pässe beschleunigen soll. „Makoto antizipiert gut und erkennt viele Situationen schon, bevor sie entstehen“, lautet eine der lobenden Einschätzungen, mit denen Kovac seinen Wert für Wohl und Wehe der Eintracht auf den Punkt bringt. Wie wichtig Hasebe für die Eintracht ist, lässt sich auch dann erkennen, wenn er, wie gegen den FSV, nicht dabei ist. Diese Erkenntnis aus der Pokal-Generalprobe dürfte eine der unmittelbarsten Folgen für die Aufstellung am nächsten Samstag haben.

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