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Eintracht Frankfurt : Machtwort gegen eine Strategie der Schulden

So gut wie seit zwanzig Jahren nicht mehr: Trotz der jüngsten Ergebniskrise ist die Eintracht um Aigner, Rode, Schwegler, Meier und Jung immer noch Vierter. Bild: Wonge Bergmann

Heribert Bruchhagen setzt als Vorstandschef der Eintracht weiter auf wirtschaftliche Solidität.

          Die Frage war rhetorisch. „Wollen wir wie der Hamburger SV eine Fan-Anleihe begeben und uns damit verschulden?“ Die Frankfurter Eintracht wird nicht auf den Spuren des hochverschuldeten HSV wandeln. „Das machen wir nicht“, sagte Heribert Bruchhagen. „Und wir streben auch keinen neuen Vertragsabschluss mit unserem Vermarkter an, um dadurch eine Signing fee zu erhalten.“ Alles, was den Betrieb der Eintracht Frankfurt Fußball AG in den Bereich des sogenannten negativen Eigenkapitals bringen könnte, ist für Bruchhagen nicht diskutabel.

          Am Donnerstag, einen Tag nach der Sitzung des Aufsichtsrates am Frankfurter Flughafen, hat sich Bruchhagen abermals zu seinen bekannten strategischen Grundsätzen bekannt. „Ich habe als Vorstandschef mit Richtlinienkompetenz das Recht, den Schritt ins negative Eigenkapital nicht mitzumachen“, bekräftigte er.. Altbekannte Töne also - und doch hat Bruchhagen die Zusammenkunft mit den Räten mit einer guten Nachricht verlassen. „Wir haben die Tür für weitere Maßnahmen geöffnet bekommen.“

          Planungssicherheit über das Saisonende hinaus

          Fünf Millionen Euro beträgt derzeit das Eigenkapital des Tabellenvierten der Fußball-Bundesliga. Als Bruchhagen vor knapp zehn Jahren als Vorstandschef anfing, lasteten Verbindlichkeiten von elf Millionen Euro auf dem wirtschaftlich daniederliegenden Klub. Doch die Wende glückte. „2010“, berichtete Bruchhagen, „lag das positive Eigenkapital bei 19 Millionen Euro. In den letzten zwei Jahren haben wir nach dem Abstieg 14 Millionen Euro mehr ausgegeben, als wir eingenommen haben.“ Zahlen, die dem als bodenständig bekannten Kaufmann Bruchhagen aber eben auch deshalb keine Kopfschmerzen bereiten, weil die Eintracht unter seiner Führung weiter keine Schulden hat. „Ein andere Politik wird es mit mir auch zukünftig nicht geben.“

          Planungssicherheit über das Saisonende hinaus. Es ist der Wunsch vieler, sich in geordneten Bahnen zu bewegen. Lieber heute als morgen würde Bruchhagen gemeinsam mit Sportdirektor Bruno Hübner den auslaufenden Vertrag von Trainer Armin Veh verlängern. Und auch die seit Monaten schwelende Personalie Sebastian Jung sollte alsbald geklärt sein. Bruchhagen geht davon aus, beides zeitnah unter Dach und Fach zu bringen. Er weiß: Sollte sich der 52 Jahre alte Veh dazu entschließen, ein drittes Jahr bei der Eintracht zu bleiben, würde dies sehr wahrscheinlich zu einem positiven Domino-Effekt führen.

          Die Eintracht in der Champions League?

          Mögliche Neuzugänge machen ihren angedachten Wechsel nach Frankfurt auch und vor allem von der Person des Trainers abhängig. Nach nicht so erfolgreich verlaufenen Stationen in Wolfsburg und Hamburg hat sich Veh bei der Eintracht in Frankfurt einen sehr guten Namen gemacht. „Er ist einer unserer erfolgreichsten Trainer der letzten zwanzig Jahre“, sagte Bruchhagen. „Es kann nur unser Ziel sein, ihn zu halten.“ Dass der Lizenzspieleretat in der kommenden Spielzeit von knapp 26 auf gut 30 Millionen Euro angehoben wird, gilt spätestens seit der jüngsten Aufsichtsratssitzung als ausgemacht. Seit dem Abstieg, als für die damalige Zweitligamannschaft plus Trainerstab 20,8 Millionen Euro zur Verfügung standen, wäre dies gleichbedeutend mit einer Steigerung von fünfzig Prozent. Und doch wäre die Eintracht damit nur ein Mitläufer in der Bundesliga. Im Ranking der Fernsehgelder ist dank des bisherigen guten Abschneidens eine Erhöhung von zumindest einer Million Euro realistisch. Und von einem neuen Hauptsponsor sind gleichfalls Mehreinnahmen von einer Million Euro zu erwarten. Doch auf Planspiele in Sachen Europapokal wollte sich Bruchhagen nicht einlassen. Schafft die Eintracht den Einzug in die Gruppenphase der Europa League? Und wie weit könnte man kommen?

          In Summe bedeutet dies Mehreinnahmen von fünf bis zehn Millionen Euro. In den Lizenzierungsunterlagen, die bis zum 15. März bei der Deutschen Fußball Liga abgegeben werden müssen, spielen derartige Überlegungen keine Rolle. „Wir geben immer nur das Erreichen der ersten Runde im DFB-Pokal an“, sagte Bruchhagen. „Die vier neuen Spieler sind die Perspektive, die ich dem Trainer aufzeigen kann“, sagte der Vorstandschef. „Armin weiß, dass Eintracht Frankfurt ein toller Verein ist. Wir sind ein solide geführter, strukturierter Bundesligaverein, der nicht verschuldet ist. Und wenn wir im nächsten Jahr Dreizehnter werden sollten, spielt keiner bei uns verrückt.“

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