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Eintracht Frankfurt : Immer mehr Millionen Umsatz

Geldmaschine Europa League: Die Eintracht setzt erstmals mehr als 200 Millionen Euro um. Bild: SvenSimon

Eintracht Frankfurt legt Rekordzahlen für die vergangene Saison vor und rechnet schon mit der nächsten Bestmarke. Die Europa League spielt eine Schlüsselrolle.

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          Oliver Frankenbach ist im dreiköpfigen Eintracht-Vorstand derjenige, den es am wenigsten ins Rampenlicht drängt. Er leistet vor allem im Hintergrund Grundlagenarbeit, die für Wohl und Wehe der Bundesligamannschaft maßgeblich ist. Intern nennen sie den 52-Jährigen gerne „ZDF“: Er ist für alle Zahlen, Daten und Fakten zuständig, die Einfluss auf die wirtschaftliche Verfassung der Frankfurter Fußball AG nehmen. Während sich Fredi Bobic um die sportlichen Dinge kümmert und Axel Hellmann für Marketing und Internationalisierung zuständig ist, trägt Frankenbach die Verantwortung für die finanziellen Geschicke des Klubs. Am Donnerstag stand er in dieser Funktion mal wieder im Fokus – und die Botschaft, die er bei einem seiner seltenen Auftritt vor Mikrofonen und Kameras verkündete, konnte sich sehen lassen: Die Saison 2018/2019 war ökonomisch die bislang erfolgreichste in der 120-jährigen Historie der Eintracht. Der Umsatz belief sich auf 201,4 Millionen Euro – so viel wie nie zuvor. In den zwölf Monaten zuvor betrug der Erlös 140,8 Millionen Euro, auch das war seinerzeit bereits ein Vereinsrekord. Zum Vergleich: Branchenprimus Bayern München verkündete am Mittwoch einen Umsatz von 750,4 Millionen Euro.

          Bei Frankenbach, der als Diplom-Kaufmann vor zwanzig Jahren von einer Steuerberatungsgesellschaft als Angestellter zur Eintracht wechselte und in der Hierarchie rasch aufstieg, sind die Erinnerungen an Zeiten, in denen es bei den Frankfurtern wesentlich weniger rosig aussah, noch präsent: „Manchmal muss ich mich selbst pieksen“, sagte er in der Loge des Waldstadions, „unsere Entwicklung ist sehr, sehr rasant.“ Wobei der Pokalsieg als „Initialzündung“ geholfen habe. In der Bundesliga erlebe die Eintracht aktuell das sprunghafteste Wachstum auf allen Geschäftsfeldern. „Wir haben uns von einem Abstiegskandidaten in einen Doppel-Teilnehmer an der Europa League verwandelt.“ An direkten Erlösen aus dem internationalen Geschäft flossen der Eintracht 44 Millionen Euro zu, von denen nach Abzug der Prämienzahlungen an die Profis, Steuern und Stadionnutzungsgebühren ein Plus von 20 Millionen Euro blieb. „Die Zahlen zeigen deutlich, dass es ab einer gewissen Runde kein Verlierer-Cup mehr ist“, sagte Frankenbach, der Anfang der Woche seinen Vertrag bis Mitte 2024 verlängerte und dem Verbund mit Bobic und Hellmann eine langfristige Perspektive verlieh.

          Hervorragend aufgestellt

          Frankenbach verwies auf die „geänderte“, sprich: risikofreudige Transfer-Strategie des Trios, mit der ein weiteres „Geschäftsmodell zur Wachstumsfinanzierung installiert“ worden sei. So wurden Luka Jovic und Sebastien Haller für einstellige Millionenbeträge erworben und für zusammen rund 100 Millionen Euro veräußert. „Diesen Weg wollen wir weiter gehen“, sagte er. Auch das kontinuierliche Vorrücken in der Bundesliga von Platz 16 (Sommer 2016), über die Ränge elf (2017), acht (2018) auf sieben verbesserte die Einnahmesituation, weil dadurch zugleich ein Aufstieg in der sogenannten TV-Tabelle einherging, bei dem die Milliarden aus der Fernsehvermarktung verteilt werden; bei dieser Ausschüttung unter den 18 Erstliga-Teams überholte die Eintracht unlängst den SV Werder Bremen und steht nun auf dem achten Rang. Das brachte ihr 55 Millionen Euro ein, nachdem sie zuvor 51 Millionen Euro erhalten hatte. „Wir sind hervorragend aufgestellt“, sagte Frankenbach. Die Personalkosten für den Lizenzfußballer-Bereich wuchsen zuletzt auf 66,7 Millionen Euro; in der Runde 2015/2016 machten sie 36 Millionen Euro aus. Das Eigenkapital stieg durch einen 5,4 Millionen Euro hohen Jahresüberschuss auf 34,6 Millionen. Finanziell rückten die Frankfurter damit näher an die Bundesliga-Rivalen heran, die zum gehobene Establishment zählen und vor kurzem weit enteilt schienen: „Wir haben den Abstand verkürzt“, sagte Frankenbach im Vergleich mit dem FC Schalke 04 und Bayer Leverkusen.

          Durch den Sprung auf die europäische Bühne, die abermalige Qualifikation für die Gruppenphase des Europapokals sowie die Transfers von Jovic (Real Madrid) und Haller (West Ham United) sei der Verein in neue Dimensionen vorgestoßen. „Die aktuelle Wirtschaftskraft versetzt uns in die Lage, um die Plätze sechs bis elf zu spielen. Es lässt zu, dass wir die Chance haben, international zu spielen“, sagte Frankenbach. Dazu beitragen soll auch André Silva, der am Montag als letzter Neuzugang dazustieß. Der 23 Jahre alte Portugiese Silva wurde für bis Sommer 2021 vom AC Mailand ausgeliehen. Im Gegenzug wechselte Ante Rebic für zwei Jahre auf Leihbasis zu den Italienern. Nach Angaben des Finanzvorstands gibt es zunächst keine Kaufoption für die beiden Vereine. Dafür sei der Deal zu kurzfristig abgeschlossen worden. Nachträgliche Vereinbarungen könnten aber ausgehandelt werden, sagte Frankenbach, der für das begonnene Sportjahr von einer Fortsetzung des Booms ausgeht: Der Umsatz werde auf „etwa 250 Millionen Euro“ steigen, sagte er unter Verweis auf den Sommer 2020. Von da an will die Eintracht auch das Stadion in Eigenregie vermarkten, das zudem erweitert wird. In der abgelaufenen Saison lag die Auslastung bei 97 Prozent; die fehlenden drei Prozent waren nicht abgerufene Ticketkontingente der Gästefans. Vorgesehen ist ein Ausbau auf gut 60.000 Plätze bei Bundesliga-Begegnungen, während einen Steinwurf davon entfernt die neue Geschäftsstelle der Eintracht inklusive Proficamp entsteht. Auch wenn er auf diese beiden Prestigeprojekte nicht explizit verwies, gehören sie allemal zur Reihe von Gründen, die Frankenbach hier und heute einen optimistischen Blick auf morgen formulieren ließen: „Wir sind gut gerüstet für die Zukunft.“

          Europa League am 3. Oktober

          Das Europa-League-Auswärtsspiel der Frankfurter Eintracht bei Vitoria Guimaraes findet am 3. Oktober statt. Dies teilte der Bundesligaklub am Donnerstag mit. Bisher war die Partie des zweiten Vorrunden-Spieltags für den 2. Oktober an einem Mittwoch (16.55 Uhr) angesetzt, nun wird sie nach Eintracht-Angaben einen Tag später um 21 Uhr angepfiffen. Neben dem portugiesischen Team aus Guimarães trifft die Mannschaft von Trainer Adi Hütter in der Gruppe F auch auf den FC Arsenal aus der Premier League sowie Standard Lüttich aus Belgien.

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