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Eintracht Frankfurt : Leichtgewicht mit langem Vertrag

  • -Aktualisiert am

Stangentanz: Mijat Gacinovic kommt bei seinem ersten Eintracht-Training ins Schwitzen. Bild: Jan Huebner

Eintracht-Trainer Armin Veh hält Mijat Gacinovic für ein „Riesentalent“. Die Frankfurter binden den schnellen Serben für vier Jahre an den Verein.

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          Es hatte sich schon in Frankfurt herumgesprochen, dass Mijat Gacinovic ein sehr schneller Fußballspieler ist. Alle Achtung vor dessen Tempo, das war der Tenor. Für den Zwanzigjährigen ist seine Stärke eine Selbstverständlichkeit. „Ich bin nicht so stark und kräftig“, sagte der Jungprofi am Mittwoch, nachdem er einen Vierjahresvertrag bei der Frankfurter Eintracht unterschrieben und zum ersten Mal mit der Mannschaft trainiert hatte: „Also muss ich schnell sein.“

          Bei einer Größe von 1,75 Meter wiegt der vielseitig einsetzbare Mittelfeldspieler nur 66 Kilo. Damit ist er in dem körperbetonten Geschäft mit den vielen robusten Typen ein Leichtgewicht. Doch der Eintracht fiel es nicht schwer, an die gewichtige Bedeutung Gacinovics für die Bundesligamannschaft zu glauben. „Er ist ein Riesentalent“, sagt Trainer Armin Veh: „Ein richtig guter Fußballer.“ Und so verpasste Sportdirektor Bruno Hübner der Neuverpflichtung mit Blick auf den wirtschaftlichen Aspekt einen Mehrwertstempel: „Es ist eine Investition in die Zukunft.“

          Gacinovic war bereits Kapitän bei Novi Sad

          Wann sich der trickreiche Gacinovic in der Bundesliga durchsetzen wird, wissen sie bei der Eintracht nicht. Veh und Hübner sind sich aber ziemlich sicher, dass er es schaffen kann und wird. „Mijat bringt viele Voraussetzungen mit. Er ist relativ weit“, sagte Hübner vier Tage vor dem Bundesligastart am Sonntag in Wolfsburg: „Aber die Bundesliga ist etwas anderes. Wir lassen ihm die Zeit, sich zu entwickeln.“ So jugendlich der Serbe mit bosnischen Wurzeln noch aussieht, beim serbischen Erstligaklub FK Vojvodina Novi Sad war er bereits Kapitän, und damit ein Führungsspieler. Seine Mannschaft schloss die zurückliegende Saison als Tabellenvierter ab.

          Gacinovic erzielte in 25 Spielen elf Tore. Seinen größten Erfolg errang er in diesem Jahr bei der U-20-Weltmeisterschaft in Neuseeland. Zum ersten Mal gewann Serbien mit dem 2:1 nach Verlängerung gegen Brasilien einen WM-Titel. Ein Foto zeigt Gacinovic, wie er mit aufgerissenem Mund seine Freude über den Triumph herausschreit. Er habe danach viele Angebote bekommen. „Aber die Eintracht ist die beste Wahl. Der Verein ist großartig. Hier kann ich den nächsten Schritt machen.“ Er freue sich, hier seinen „Traum“ verwirklichen und „vielleicht“ um einen Platz im Europapokal spielen zu können. Im Hinblick auf den bevorstehenden Wechsel informierte sich das Offensivtalent auch bei seinen neuen Teamkollegen Slobodan Medojevic und Haris Seferovic über die Hessen. „Sie haben mir viele gute Dinge gesagt. Es war dann keine schwierige Entscheidung.“ Gacinovic und Medojevic kennen sich aus der Heimat. Als der 24 Jahre alte Medojevic noch in Novi Sad unter Vertrag stand, kam Gacinovic in der U 16 zum Einsatz. Er war dann Balljunge bei einigen Spielen der ersten Vereinsmannschaft mit Medojevic.

          Gacinociv soll Inui Beine machen

          Gacinovic soll bei der Eintracht vor allem den linken Flügel mit seiner Wendig- und Quirligkeit beleben. Topkandidat für die Position war anfangs der Schalker Sidney Sam. Der Nationalspieler fiel dann aber durch den Medizincheck. Bei einer besseren Kassenlage der Eintracht hätte sich Veh auch die Verpflichtung von Sam und Gacinovic vorstellen können. „Wir haben nicht umgedacht, weil ich Mijat immer schon ein bisschen im Kopf gehabt habe“, sagt Veh.

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          Gacinociv, dessen stärkerer Fuß der rechte sei, soll jetzt so schnell wie möglich Takashi Inui auf der linken Seite Beine machen. Dem wankelmütigen Japaner, der beharrlich zwischen überzeugenden und bedenklichen Auftritten wechselt. Beim 3:0 über den Bremer SV im Pokal hatte Inui einen ganz schlechten Tag. Dieser Auftritt könnte Folgen haben. Beim Trainingsspiel am Mittwoch stand Luca Waldschmidt für Inui in der Stammformation. Für den Japaner müsste diese Variante wohl Ansporn genug sein. Auch wenn Gacinovic noch nicht den gewünschten Druck aufbauen kann. Er hat in den vergangenen sieben Tagen mehr oder weniger mit dem Training ausgesetzt. „Ich bin nicht in bester Form“, sagte er. „Ein bisschen Zeit brauche ich noch.“ So hatte Gacinovic am Mittwoch in seiner ersten Übungseinheit kaum auffällige Aktionen. Dennoch war Veh zufrieden: „Die Ansätze bei Mijat haben das bestätigt, was ich von ihm auf den Videos gesehen haben.“

          Bis die Formalitäten im Fall Gacinovics geklärt waren – es ging um die Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis –, brauchte die Eintracht viel Geduld. Die Verhandlungen über die Ablösesumme – es sollen etwa 1,5 Millionen Euro geworden sein – führte Hübner mit Apollon Limassol (Zypern). Obwohl – kurios – Gacinovic auf der Insel weder trainiert noch gespielt hat. Der Serbe sprach am Mittwoch von einem dazwischengeschalteten „Investmentfonds“. So verwirrend die Sache für Dritte erscheint: Für Hübner gab es von Anfang an nur einen Ansprechpartner – den Verein aus Zypern.

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