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Eintracht Frankfurt : Lehrling fordert Meister

Das waren Zeiten: Veh und Kramny Seit’ an Seit’ vor zwei Jahren beim VfB – heute begegnen sich die Trainer als Konkurrenten wieder. Bild: Imago

Die Begegnung der stabilisierten Eintracht mit den erstarkten Stuttgartern verspricht im Kampf gegen den Abstieg besonderen Reiz. Viele Plätze im Stadion bleiben trotzdem leer.

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          Auch wenn es kein neues Bild sein wird, ungewohnt bleibt es trotzdem. Beim Versuch, an diesem Samstag im dichten Gedränge des unteren Bundesliga-Mittelfeldes ihre Ausgangslage weiter zu verbessern, wird die Eintracht auf einen Teil der üblichen Unterstützung von den Rängen verzichten müssen. Ausgerechnet dort, wo gewöhnlich die stimmgewaltigste Gruppe der eigenen Anhänger steht, bleiben Plätze frei: Für den Block 40, in dem sich sonst rund um die Ultras mehr als 2000 Menschen versammeln, verloren für die Heim-Partie gegen den VfB Stuttgart die Dauerkarten ihre Gültigkeit.

          Diese Auflage war Teil des Urteils, mit dem der Deutsche Fußball-Bund die Frankfurter für die Ausschreitungen ihrer rabiaten Fans bestrafte, die im Hessen-Derby unter anderem Fahnen und Schals der „Lilien“ verbrannt hatten und nach Abpfiff über Zäune geklettert waren. Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende, machte aufs Neue deutlich, wie sehr ihm das Verhalten dieser Leute, die für ihn „keine Freunde der Eintracht“ sind, verdrießt: „Es hat uns nicht gefallen, dass Fans glauben, bei Niederlagen auf den Platz rennen zu können“, sagte er. „Wer den Fußball liebt, tut das nicht.“ Und weiter: „Diese Fans wollen wir nicht. Sie sollen zu Hause bleiben.“ Bruchhagen betonte, dass die Eintracht mit Hilfe der Behörden alles daransetze, „Täter zu ermitteln“ und dann auch „aus dem Verein auszusperren“. Sein Vorstandskollege Axel Hellmann hatte schon angekündigt, dass geprüft werde, wie Schuldige zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können.

          Austausch von Nettigkeiten zwischen den Trainern

          Die Frankfurter, beim DFB in der Kartei der Wiederholungstäter geführt, begegnen dem Umstand, dass sie allerlei Zuschauer nicht an ihren Lieblingsplatz im Stadion lassen dürfen, organisatorisch mittlerweile mit einer gewissen Routine: Auch zu Zweitliga-Zeiten gegen St. Pauli (im Juli 2011) und nach dem Wiederaufstieg ein Jahr darauf gegen Leverkusen waren sie – als Reaktion auf das Fehlverhalten einzelner Chaoten – mit einem Teilausschluss belegt worden. Finanziell brachte das jeweils Einbußen mit sich, doch sportlich hielt sich der Nachteil in Grenzen; in keiner der Partien ging die Eintracht als Verlierer vom Platz. Mit einem ähnlichen Abschneiden wären Armin Veh und die Seinen auch diesmal nicht unzufrieden, denn damit würde es gelingen, die Schwaben, die mit ihnen im Kampf gegen den drohenden Abstieg stecken, auf Distanz zu halten. Beim VfB hat sich nach dem Stabwechsel von Alexander Zorniger zu Jürgen Kramny vieles zum Positiven gewendet: Das Team bekommt deutlich weniger Gegentore (im Schnitt nur noch 1,3), erzielt mehr Treffer (im Schnitt 1,7) und gewann im Mittelfeld durch eine bessere Zweikampfquote an Schlagkraft zurück.

          Der neue Trainer traf vor zwei Jahren, als Verantwortlicher der U23, in Stuttgart regelmäßig auf Veh und holte sich bei ihm Tipps für den weiteren Werdegang als Fußballlehrer. Heute sagt sein ehemaliger Ausbilder über den früheren Novizen: „Wir haben uns öfter unterhalten. Er ist mir sympathisch“, wurde Veh in der „Bild“ zitiert, „der macht das gut.“ Kramny wiederum ließ es vorab an Nettigkeiten ebenfalls nicht mangeln. Zu Wochenbeginn beglückwünschte er Veh zu dessen 55. Geburtstag und wünschte ihm alles Gute: „Er ist mit dem VfB Meister geworden, und wir hatten ein gutes Verhältnis.“

          Schleppende Resonanz im Vorverkauf

          Sobald am 20. Spieltag aber der Ball rolle, soll es vorbei sein mit den Höflichkeiten, denn dann wollen die Schwaben ihre Serie fortsetzen und das halbe Dutzend vollmachen. Fünfmal in Folge ist der VfB nun ungeschlagen – und feierte dabei zuletzt drei Siege. „Sie sind besser, als sie dastehen. Wenn sie abrufen, was sie zu leisten imstande sind, sind sie eine richtig gute Mannschaft“, sagte Veh und folgerte daraus: „Wir müssen dafür sorgen, dass sie es nicht abrufen können.“ Kramny sagte, dass er gegen die zuletzt dreimal unbesiegte Eintracht „ein offenes Spiel“ erwarte. „Sie haben auch einen positiven Lauf mit sieben Punkten aus drei Spielen.

          Das ist eine gefährliche Mannschaft.“ Besonderes Augenmerk müsse sein Team Alexander Meier schenken: „Der ist nur schwer zu neutralisieren, da er Dinge macht, die nicht planbar sind“, sagte Kramny. Veh ließ am Freitag offen, wie er gedenkt, den zweiten Sieg nach der Winterpause zu realisieren. Er wird improvisieren müssen, weil ihm mit den gelbgesperrten David Abraham und Makoto Hasebe zwei ansonsten stets berücksichtigte Abwehrspieler nicht zur Verfügung stehen. „Wir wissen, wie wir die beiden Spieler ersetzen, mitteilen werde ich es aber nicht“, sagte Veh. Die beiden Zugänge aus Berlin, Yanni Regäsel und Änis Ben-Hatira, würden auf jeden Fall im Kader stehen.

          Erwartet werden aufgrund der schleppenden Resonanz im Vorverkauf rund 40.000 Besucher, was seit langem mal wieder dazu führt, dass für ein sportlich bedeutendes Heimspiel gegen einen traditionsreichen Konkurrenten selbst kurzentschlossene Interessenten auch an den Tageskassen über fehlende Auswahl nicht klagen dürften. Der Teilausschluss verstärkt so einen Trend, der sich im Laufe der holprigen Hinserie schon angedeutet hatte: Das Produkt Eintracht Frankfurt hat an Zugkraft verloren. Diese Entwicklung zu stoppen ist mindestens genauso ambitioniert wie die Absicht, schnellstmöglich in gesicherte Tabellenregionen vorzustoßen. Ein Erfolg gegen den VfB wäre in beiden Fällen hilfreich.

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