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Eintracht Frankfurt : Lakic - der Mann für den Endspurt

Frankfurter Muskelspiele: Auch dank Srdjan Lakic wähnt sich die Eintracht stark genug, demnächst internationale Kraftproben bestehen zu können. Bild: AFP

Dem kroatischen Stürmer bereitet das 3:1 gegen Düsseldorf besondere Genugtuung: Er rechtfertigt Vehs Vertrauen mit einem Tor. Europa ist für die Eintracht zum Greifen nahe.

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          180 Minuten noch, dann herrscht Klarheit. Zwei weitere Male „voll da sein“, wie es Srdjan Lakic ausdrückte, „dann ist alles gut“. Soll heißen: Für die Eintracht ginge im Idealfall ein aufregendes Bundesligajahr mit einem zu Beginn kaum für möglich gehaltenen Erfolg zu Ende - der Qualifikation für das europäische Fußballgeschäft. Nach dem 3:1-Sieg über Mitaufsteiger Fortuna Düsseldorf sind die Chancen auf ein Happy End prächtig, schon bei einem weiteren Sieg wäre den Spielern von Trainer Armin Veh der Coup geglückt. Als Tabellenfünfter fahren die Frankfurter am kommenden Wochenende nach Bremen, danach kommt es in der WM-Arena zum finalen Auftritt, der zu einem großen Abschlussfest werden soll. Die Sehnsucht, nach sieben Jahren Abstinenz wieder international dabei sein zu dürfen, war am Samstagnachmittag im Stadion allgegenwärtig. „Schießt uns nach Europa“, stand auf einem meterlangen Plakat, das vor der Fankurve auf der Westtribüne ausgerollt worden war. Axel Hellmann, den stellvertretende Vorstandsvorsitzende, stimmte die Perspektive vor allem mit Blick auf die Klubhistorie optimistisch. Am 29. Mai 1999 sicherte ein packendes 5:1 gegen Kaiserslautern den Klassenverbleib, während das nicht minder mitreißende 6:3 gegen Reutlingen vier Jahre später den Bundesligaaufstieg in letzter Sekunde perfekt machte. „Wir wissen“, sagte Hellmann, „dass am letzten Spieltag, in denen es für die Eintracht zuhause um etwas geht, in Frankfurt eigene Momente entstehen können.“

          Lakic, der neben dem zweifachen Torschützen Alexander Meier (30., 88. Minute) zum Erfolg über die Fortuna einen Kopfballtreffer beisteuerte (50.), sagte, alles sei „ganz einfach: Wir müssen weiter Gas geben“. Für den Kroaten war der Verlauf der Partie eine besondere Genugtuung. In einem Gespräch mit dem „Kicker“ hatte er vergangene Woche seinen Einsatz von Beginn an gefordert: „Ich bin kein Joker“. Und nachdem ihn Veh trotz der Genesung des zuletzt in den Blickpunkt gerückten Marc Stendera in die Startformation beorderte, rechtfertigte der schlaksige Angreifer das Vertrauen mit einer engagierten Leistung. Ihm gelang dabei sein erstes persönliches Glückserlebnis im Trikot der Hessen seit seinem Einstand beim Spiel in Hamburg am ersten Februar-Wochenende. „Wie soll ich mich fühlen? Ich bin glücklich“, sagte er. „Es ist vorher nicht immer so gelaufen, wie man sich das wünscht. Aber ich hatte auch ein bisschen Pech und war verletzt. Heute hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass ich richtig fit bin. Das ist wichtig für mein Spiel.“ Er benötige mehr Gelegenheiten, sich unter Ernstfallbedingungen zu beweisen, schilderte er, um noch besser in Form zu kommen und gerade im Verständnis mit den Mittelfeldleuten Fortschritte zu erzielen.

          Angriff nicht eben das Paradestück

          Bei Lakic war kurz nach seinem Transfer vom VfL Wolfsburg eine Entzündung an der Wirbelsäule diagnostiziert worden, die ihn in seinem Bewegungsdrang erheblich einschränkte. Zeitweise bestand sein Alltag lediglich aus Rundendrehen auf dem Ergometer, Arztbesuchen und Massagen. Erst seit vier Wochen ist er wieder so weit belastbar, dass er sich bei den Trainingseinheiten so präsentieren kann, wie er sich das vorstellt: „Um in der Bundesliga mithalten zu können, muss man in der Lage sein, auch 120 Prozent geben zu können“, sagte Lakic, der momentan immer dann, wenn die meisten Kollegen nach den Ballstunden schon unter der Dusche stehen, die Gymnastikmatte rausholt, um seinen Rückenmuskulatur mit gezielten Dehnungsübungen zu stärken. Lakic sagte, dass er es ablehne, mit Spritzen kurzfristig die Beschwerden zu lindern, damit aber nicht der Wurzel allen Übels auf den Grund zu kommen: „Ich lebe von einem gesunden Körper.“ Veh betonte, dass er sich freue, „dass der Laki das Tor gemacht hat. Ich weiß, wie das ist für einen Stürmer. Stürmer brauchen Tore.“

          Wobei der Angriff nun eben nicht das Paradestück der Eintracht ist; nur vier Treffer trugen die zwei Männer aus der ersten Reihe (Lakic und Olivier Ocena) zur bisherigen Ausbeute von 49 Punkten bei. Auch deswegen suchen Veh und Sportdirektor Bruno Hübner für die kommende Runde nach Verstärkung für die Offensive. Sie hoffen, dabei ihren Wunschkandidaten alsbald ein weiteres Lockmittel bieten zu können: Selbst das Erreichen der Champions-League-Qualifikation ist wieder denkbar. Dafür müssen drei Zähler und fünf Toren Rückstand auf Schalke wettgemacht werden. Lakic sagte, im Schlussspurt könne „vieles passieren“, entscheidend sei aber, „dass jetzt alles in unseren Händen liegt“. Wobei er bei den letzten Gelegenheiten besser Kopf und Füße ins Spiel bringt.

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