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Eintracht Frankfurt : Kovac bringt Gacinovic ins Spiel

  • -Aktualisiert am

Neue Frankfurter Hoffnung: Mijat Gacinovic (rechts) vor einem halben Jahr im Zweikampf mit dem Mainzer Jairo Samperio Bild: Heiko Rhode

Der 21 Jahre alte Serbe könnte im entscheidenden Spiel gegen Mainz eine Eintracht-Schwäche beheben. Markige Trainerworte zum Sonntag: „Aufgeben ist nicht in meiner DNA.“

          3 Min.

          Der Unterschied zur Titanic? Die Frankfurter Eintracht weiß, dass sie auf einen Eisberg zusteuert. Dafür ist die Stimmung, die Kapitän Niko Kovac verbreitet, gar nicht so schlecht. Es dringen zwar keine Melodien einer Tanzkapelle aus den Katakomben der Frankfurter WM-Arena, aber eben auch nicht die Klänge eines Trauermarsches. Dabei weiß Kovac nur zu genau: Wenn am Sonntag gegen Mainz keine Kurskorrektur gelingt, dann folgen Kollision und Untergang. „Aufgeben ist nicht in meiner DNA, das kenne ich. Deshalb werde ich bis zum Ende vorne weg rennen.“

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Einerseits aus der Überzeugung, dass die Mannschaft das Zeug hat, dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga zu entgehen: „Was die Mannschaft geleistet hat, seitdem, mein Bruder Robert und ich da sind, ist absolut in Ordnung. Sie hat große Fortschritte gemacht, es fehlt nur an den Toren.“ Andererseits bleibt Kovac gar nichts anderes übrig, als standhaft auf der Kommandobrücke in Optimismus zu machen: „Wenn ich aufgebe, dann werden sicherlich die Jungs auch aufgeben“, so der Eintracht-Trainer. Noch sei es nicht so weit: „Sie können sicher sein, dass keiner bereit ist, die weiße Flagge zu hissen.“ Die Einstellung seiner Profis im Training sei über jeden Zweifel erhaben. Und das könne er über jeden Einzelnen sagen: „Wenn es nicht so wäre, würde ich ihn suspendieren, denn dann könnte er uns nicht mehr weiterhelfen.“

          Kovac hat für Aufstellung die Qual der Wahl

          Kovac hält Minimum vier Punkte aus den nächsten beiden Spielen gegen die Nachbarn aus Mainz und Darmstadt für nötig. Aber falls die Konkurrenz so beharrlich punktet wie am vergangenen Wochenende, könnten sogar sechs nicht reichen. Auf die anderen angewiesen zu sein ist keine angenehme Situation, aber nicht das größte Problem der Eintracht: Das heißt Toreschießen. Und das Thema ist so ausführlich gewendet worden, dass Kovac nicht mehr darüber reden mag. Außer über die Tatsache, dass sie gebraucht werden. Aber ob Meier noch mal spielen kann, ob eher von Castaignos oder von Seferovic ein Treffer zu erwarten ist oder von einem ganz anderen, ob genug Abschlüsse geübt worden sind oder schon zu viele, was zu Verkrampfungen führt – über all das mag der Eintracht-Trainer nicht mehr nachdenken.

          Bei der Aufgabe, drei Punkte zu holen, hat Kovac personell die Qual der Wahl. Die angeschlagenen Russ, Stendera und Zambrano sind am Sonntag einsatzfähig. Aber ob sie auch im Vollbesitz ihrer Kräfte sind? Und wenn, wie lange? Der Trainer kündigte an, wohl kaum alle drei Stammspieler von Beginn an einzusetzen. „Was ist, wenn nach einer halben Stunde alle drei wieder rausmüssen? Dann haben wir ein Riesenproblem“, so Kovac. Innenverteidiger Russ scheint der sicherste Kandidat zu sein. Nach seiner Mandelentzündung hat der Mannschaftskapitän in Vertretung Alex Meiers keine Beschwerden mehr. Stendera zwickt es dagegen noch ein bisschen im Oberschenkel, Zambrano wurde im Training sicherheitshalber noch von Zweikämpfen ferngehalten.

          Gacinovic hat den Trainer überzeugt

          Taktisch werde sich gegenüber den letzten Partien nicht viel ändern, aber personell überlege er schon die ein oder andere Umstellung, sagte Kovac am Freitag. Auf der Position des rechten Verteidigers ist die Veränderung unabänderlich, Chandler zog sich in Leverkusen am vergangenen Samstag eine Oberschenkelverletzung zu. Ignjovski und Regäsel heißen die Alternativen zum amerikanischen Nationalspieler. Kovac machte keine Andeutung, wem er den Vorzug geben wird. Dafür lobte er Chandler, der seine Sache in den vergangenen Wochen wirklich gut gemacht habe.

          Das gilt auch für Mijat Gacinovic, allerdings nur im Training. Der schmächtige, 21 Jahre alte Serbe, den Kovacs Vorgänger Veh mal ein zartes Geschöpf genannt hatte, hat wegen zahlreicher kleinerer Verletzungen und krankheitsbedingt erst 204 Einsatzminuten (verteilt auf fünf Spiele) hinter sich gebracht. Aber Kovac hat er auch so überzeugt: „Mijat hat etwas, was nicht viele Fußballspieler haben: Spielwitz, Elan und Drive. Und er hat eine Leichtigkeit, die vielen fehlt. Er macht einen sehr, sehr guten Eindruck.“ Gacinovic ist vor allem ein Spieler, der im Dribbling, im Duell eins zu eins seine Stärken hat, was man nicht von vielen seiner Eintracht-Kollegen behaupten kann. Diese Tugend, Gegner auszudribbeln, vermisst Kovac im Spiel seiner Mannschaft. „Nur mit Pässen einen Gegner auszuspielen ist sehr schwierig. Nach einem gewonnenen Dribbling gibt es aber eine neue Spielsituation, auf die sich der Gegner erst mal einstellen muss.“ In den Trainingsspielen setzte Kovac den Linksaußen vornehmlich im zentralen offensiven Mittelfeld ein. Eine Rolle, die er ihm auch in der Bundesliga (für Stendera) zutraut. Der Eintracht-Trainer gab dem Serben noch keine Einsatzgarantie. Aber ohne Not erinnerte er daran: „Mijat hat auch im Hinspiel gegen Mainz in der Startelf begonnen und überzeugt.“

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