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Eintracht Frankfurt : Knall und Fall

Keine schönen Szenen: Spieler der Eintracht und von Leverkusen vor Fans mit Pyrotechnik. Bild: SvenSimon

Die 1:3-Niederlage in Leverkusen hat für die Eintracht ein Nachspiel. Klub kündigt im Kampf gegen Pyrotechnik härtere Gangart an.

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          Axel Hellmann stand die Betroffenheit ins Gesicht geschrieben. Der 41-Jährige sitzt seit sieben Monaten im Vorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG, und zu seinem Aufgabengebiet gehört unter anderem auch die Abstimmung mit der mächtigen, über achttausend Mitglieder zählenden Fan-Abteilung des Klubs. Eine zeitaufwendige Angelegenheit, die nicht immer vergnügungssteuerpflichtig ist. In Leverkusen, wo der Start in die zweite Saisonhälfte beim 1:3 nicht nach Wunsch verlief, benahmen sich allerlei Anhänger aufs Neue daneben. „Wir wurden hier wie gute Gäste empfangen. Aber einige haben sich nicht so verhalten, wie man das als guter Gast tun sollte“, stellte der Jurist fest, der den Verein demnächst vor der Sportjustiz des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wegen der Ausschreitungen zu verteidigen hat. Was ihm, trotz rhetorischen Geschicks, angesichts der Szenen schwer fallen dürfte.

          „Solche Aktionen sind absolut kontraproduktiv“, räumte Hellmann ein, „so etwas tut uns nicht gut.“ Nach dem Fehlschlag bei Bayer drehte sich beim Aufsteiger fast alles um die von Randalierern provozierte Spielunterbrechung und die sich daraus ergebenden Konsequenzen. „Jetzt gibt es nur noch ein Mittel: Ausgrenzung aus dem Stadion“, kündigte der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen künftig eine härtere Gangart im Umgang mit den Problemfans an, die sich in der Vergangenheit weder von einem Benimmknigge, genannte „Liste der Selbstverständlichkeiten“, diversen Gesprächsrunden oder Spenden zugunsten schwer kranker Menschen, wenn es im Gegenzug im Stadion friedlich geblieben wäre, in ihrer Lust auf Randale haben bremsen lassen.

          Diesmal kein Risiskospiel

          Die Partie am Samstag war nach einer Viertelstunde beim Stand von 0:0 für mehrere Minuten unterbrochen worden, nachdem einige Zuschauer im Eintracht-Block Bengalos gezündet und Silvesterraketen abgefeuert hatten. „Ich habe gedacht, dass wir nach unseren guten Spielen ruhigeren Zeiten entgegensehen. Das ist ein erheblicher Rückschlag“, sagte Bruchhagen. Er fügte an, dass der Kampf gegen Pyrotechnik und die Auseinandersetzung mit „einer kleinen Minderheit, die nicht wegen des Interesses am Fußball in die Stadien kommt“, von ihm fortgesetzt werde: „Wir resignieren nicht.“

          Die Begegnung in Leverkusen, wo vor zwei Jahren Eintracht-Fans nach Hinweisen auf geplante Störmanöver sich stichprobenartig in Zelten von Sicherheitspersonal bis auf die Unterwäsche nach versteckten Fackeln und Böllern untersuchen lassen mussten, sei diesmal nicht als Risikospiel deklariert gewesen, so Hellmann. Das werde sich bei nächster Gelegenheit garantiert ändern. Unter den entsprechenden Begleitumständen hätten dann alle Eintracht-Gefolgsleute „zu leiden, auch die friedlichen“. Da die Schiedsrichter von Seiten des DFB dazu angehalten worden seien, bei wiederholten Ausschreitungen Spiele auch komplet abzubrechen, mahnte Hellmann die Wirrköpfe im eigenen Lager, ihr fatales Tun ein für allemal zu überdenken.: „Wenn es auswärts in dieser Saison jetzt so weiter geht, können wir die Saison in die Tonne kloppen.“ Er nannte die Aktion schädlich für das Erreichen eigener Ziele, „die Stimmung war danach weg, unser Block war tot, es wirkte, als ob es eine Spaltung unter den Fans gab“. Er betonte trotz allem, den Dialog mit den Zuschauern, die zu Hause zumeist in der „Nordwestkurve“ stehen, fortsetzen zu wollen und den Einsatz vom Verein bezahlter und geschulter Sicherheitskräfte zu forcieren: „Wir lassen in unseren Bemühungen nicht nach.“

          Die Zwangspause sei „total bescheuert“ gewesen

          Betroffen von den Vorgängen, die im Schutz großer Fahnen und dunkler Rauchschwaden koordiniert wirkten, zeigten sich auch Spieler, die wie Torwart Kevin Trapp ihr Unverständnis beim vorübergehenden Abgang vom Feld demonstrativ zeigten. „Wir hatten uns ein gutes Image für den Verein aufgebaut. Schade, dass so etwas nun passiert ist“, kritisierte Kapitän Pirmin Schwegler, der später davon berichtete, dass es im Kollegenkreis durchaus Stimmen gegeben habe, die sich dafür eingesetzt hätten, diesmal nach dem Schlusspfiff nicht vor die Kurve der Eintracht-Fans zu marschieren - alleine, sie waren nicht mehrheitsfähig.

          Die Zwangspause sei „total bescheuert“ gewesen, monierte auch Trainer Armin Veh. „Aber spielentscheidend war sie nicht. Das war der Doppelschlag.“ Nach dem Feuerwerk brachten Sebastian Boenisch (31.) und Stefan Kießling (32.) Bayer in Führung, ehe André Schürrle nach dem Seitenwechsel das entscheidende dritte Tor folgen ließ. (58.). Veh nahm die Niederlage, bei der Alexander Meier in der 78. Minute immerhin noch sein zwölftes Saisontor glückte, besonnen zur Kenntnis: „Wir haben keinen Grund, enttäuscht zu sein, denn wir haben gegen eine Spitzenmannschaft verloren.“ Seine Leute hätten gefällig, aber eben nicht gefährlich genug agiert. Gerade die Chancenverwertung war ihr Manko. Karim Matmour, der eine Stunde lang den Vorzug vor Olivier Occean erhielt, brachte keinen vernünftigen Torschuss zustande. Carlos Zambrano zog sich derweil bei einem Foul von Gonzalo Castro nicht den befürchteten Knöchelbruch zu, sondern nur ein schwere Prellung, wie sich bei einer Untersuchung im Krankenhaus am Sonntag herausstellte. Sein Einsatz am kommenden Wochenende gegen Hoffenheim ist zumindest nicht ausgeschlossen. Dies war die einzige halbwegs positive Nachricht aus Frankfurter Sicht, die es im Rückblick auf den verpatzten Rückrundenauftakt zu vermerken gab.

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