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Eintracht Frankfurt : Keine Lust auf Plattitüden

Fingerzeig: Armin Veh kämpft um Sebastian Jung. Bild: Jan Huebner

Die Eintracht geht die nächste bayerische Prüfung gelassen an: Der Außenseiter will sich aufmüpfig präsentieren, auch wenn gegen München womöglich Kapitän Schwegler verletzt fehlt.

          Es ist der denkbar größte Kontrast, den die Fußball-Bundesliga in diesem Frühjahr zu bieten hat: Eine Woche nach dem Sieg beim Schlusslicht, der Spielvereinigung Greuther Fürth, wartet auf die Eintracht eine bayerische Prüfung von ungleich größerer Dimension. An diesem Samstag (Anstoß: 15.30 Uhr) kommt es in der WM-Arena im Stadtwald zum Kräftemessen mit dem Serien-Champion aus München, der, ein Erfolg in Frankfurt vorausgesetzt, den Gewinn seines 23. Meistertitels perfekt machen kann.

          Was Armin Veh und die Seinen gerne verhindern würden - wenngleich sie wissen, dass ihre Außenseiterchance gegen den unangefochtenen Tabellenführer allenfalls minimal ist, wie der Trainer am Dienstag einräumte. „Fürth macht im Jahr 30 Millionen Euro Umsatz, der FC Bayern rund 300“, sagte Veh, „was das zu bedeuten hat, kann sich jeder selbst ausdenken.“ Der Zweiundfünfzigjährige verspürte am Dienstag nach dem Vormittagstraining „keine Lust auf Plattitüden“, mit denen er sich die schwere Aufgabe hätte leichter reden können.

          83 Mal bekam es die Eintracht bis heute unter erstklassigen Voraussetzungen mit den Münchnern zu tun - lediglich in 21 Partien ging sie dabei als Sieger vom Feld. Zuletzt im März 2010, als Juvhel Tsoumou und Martin Fenin mit ihren Treffern entscheidend zu einem überraschenden 2:1 beitrugen. Ein ähnliches Kunststück zu erreichen, so Veh, sei sein Ziel und das der Mannschaft, aber es sei noch schwerer geworden, sich gegen den Branchenprimus achtbar aus der Affäre zu ziehen. „10 Spiele hat es in der Rückrunde gegeben, die Bayern haben alle gewonnen. Normal ist das nicht, wie stark sie sind.“

          Der Frankfurter Chefcoach machte vor allem das Wirken seines Münchner Kollegen für die Dominanz des kommenden Gegners verantwortlich. „Jetzt arbeiten alle auch nach hinten mit und sie spielen viel schneller als unter van Gaal nach vorne, das hat ihnen der Jupp beigebracht.“ Der Beitrag von Heynckes, so Veh, komme ihm in der Gesamtbetrachtung viel zu kurz, „wie die Münchner Fußball spielen, das ist seine Riesenleistung“. Als Rang-Fünfter kann die Eintracht als Aufsteiger sieben Spieltage vor Rundenende nach wie vor auf eine Teilnahme am internationalen Geschäft spekulieren - unabhängig vom Ausgang der Begegnung mit den Münchnern. Drei Punkte Vorsprung vor dem siebtplatzierten SC Freiburg sind kein komfortables Polster, auf dem es sich ausruhen ließe, doch durch den knappen 3:2-Erfolg in Fürth fühlt sich das Team für den Schlussspurt gewappnet. „Das war brutal wichtig. Ein dreckiger Sieg war genau das, was wir gebraucht haben“, meinte Stefano Celozzi, „wir sind heiß auf die Bayern und wollen natürlich punkten.“

          Klaus Allofs als bekennender Jung-Sympathisant

          Ob Pirmin Schwegler an diesem Wochenende seine Mitstreiter als Kapitän aufs Feld wird führen können, entscheidet sich voraussichtlich erst kurzfristig. Der Fünfundzwanzigjährige muss wegen einer Entscheidung am Steißbein kürzer treten. Am Dienstag konnte er nicht an der Übungseinheit teilnehmen, sondern lag stattdessen bei den Physiotherapeuten des Klubs auf der Massagebank. Außerdem soll er Spritzen gegen die Schmerzen erhalten, kündigte Veh an, der einen möglichen Ausfall des Leistungsträgers als „entscheidend für die Wahl unserer Strategie“ bezeichnete. Im Hinspiel hatten die Frankfurter für ihren mutigen und offensiven Auftritt viel Applaus erhalten, mussten sich aber 0:2 geschlagen geben. Keine Option, sagte Veh, sei es, dem offensichtlich nicht mehr im Vollbesitz seiner Kräfte agierenden Bastian Ocizpka eine Schaffenspause einzuräumen. Der Außenverteidiger absolvierte als einziger aus dem Kader bislang alle Bundesliga-Spiele, musste den Anstrengungen aber zuletzt Tribut zollen. Der Vierundzwanzigjährige, der seit dem vergangenen Sommer den Rollenwechsel vom Leverkusener Reservisten zum Frankfurter Tor-Vorbereiter (neun Vorlagen) mit Bravour absolvierte, muss für sein jüngsten, verbesserungsfähigen Vorstellungen keine öffentliche Kritik seines Chefs fürchten. Ganz im Gegenteil. „Auch schwächere Phasen gehören für einen jungen Spieler dazu“, sagte Veh, „das bringt Bastian in seiner Entwicklung weiter, wenn er da durch gegangen ist. Gerade im Hinblick auf die kommende Saison.“

          Die Vorbereitung, soviel steht schon fest - auch wenn nicht geklärt ist, ob der Verein eine Champions-League- oder Europa-League-Qualifikation zu absolvieren hat - nehmen die Frankfurter am 26. Juni auf; geplant sind danach zwei Trainingslager jeweils in Österreich. Ob dann auch Sebastian Jung noch mit dabei ist, soll sich laut Veh „endgültig bis nächste Woche“ entscheiden. Entgegen früherer Ankündigungen soll nun doch noch das Bayern-Spiel abgewartet werden. Die Eintracht will den bis 2014 laufenden Vertrag des Zweiundzwanzigjährigen vorzeitig verlängern; Jung könnte Frankfurt dank einer Ausstiegsklausel im Sommer für 2,5 Millionen Euro Ablöse den Rücken kehren. Vor allem der wirtschaftsstarke VfL Wolfsburg, bei dem Manager Klaus Allofs als bekennender Jung-Sympathisant gilt, buhlt offenbar mit einer lukrativen Gehaltsofferte um den U21-Nationalspieler.

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