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Eintracht Frankfurt : Keine falsche Bescheidenheit

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Von Müdigkeit (noch) keine Spur: Sebastian Jung (links) und Marco Russ fühlen sich stark genug, für den zweiten Eintracht-Streich in der Europa League. Bild: AFP

Die Frankfurter gehen mit besten Absichten auf Europareise: In Nikosia sind drei Punkte das Ziel. Der frühere Kapitän macht Mut: „Qualitativ ist die Eintracht klar besser“, sagt Amanatidis.

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          Aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn. Ioannis Amanatidis hat das Kapitel Frankfurt mit seinem Umzug ans Mittelmeer nicht abgeschlossen. Noch immer ist der ehemalige Fußballprofi, der wegen gesundheitlicher Probleme seine Karriere schon im Alter von 29 Jahren aufgeben musste, der Eintracht verbunden. Den Werdegang des Klubs, dem der Grieche vor zwei Jahren mit einigen Störgeräuschen und erst nach Zahlung einer Abfindung in Millionenhöhe vorzeitig den Rücken kehrte, verfolgt er auch von Zypern aus, seiner neuen Wahlheimat. An diesem Mittwochmittag trifft die Eintracht auf der Insel ein, wo sie an diesem Donnerstag bei Apoel Nikosia antritt. Es ist die zweite Partie in der Gruppenphase der Europa League, und die Hessen gehen gegen die Südeuropäer als Favorit ins Spiel (Anstoß 21.05 Uhr, live bei Kabel 1). „Qualitativ ist die Eintracht klar besser, und wenn sie ihre Leistung bringen können, werden sie als Sieger vom Platz gehen“, legte sich Amanatidis in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk fest.

          Die ehemaligen Kollegen, so prognostizierte der frühere Mannschaftskapitän, müssten sich auf einen „tiefstehenden“ Konkurrenten einstellen, der dennoch versuchen werde, spielerisch Akzente zu setzen. „Wenn die Eintracht es schafft, ein frühes Tor zu schießen und den Gegner herauszulocken, wird es ein gutes Spiel“, meinte Amanatidis. Den Frankfurtern bescheinigte er in dem Wettbewerb, den sie in den vergangenen sieben Jahren nur vom Zusehen kannten, eine attraktive Perspektive: „Mit einem Sieg sollten sie mit einem Bein in der nächsten Runde stehen“; zum Auftakt hatte die Eintracht durch ein 3:0 gegen Bordeaux die Führung der GruppeF übernommen, während Nikosia in Tel Aviv zu einem torlosen Remis kam. „Wir haben die gesamte vergangene Saison daraufhingearbeitet und freuen uns tierisch darauf. Man wird – wie im ersten Spiel – bei jedem die Begeisterung spüren“, kündigte Verteidiger Bastian Oczipka an.

          Andere Sichtweise dank erfreulicher Weise

          Das Ziel ist also klar formuliert: Nachdem es in der Bundesliga beim VfB Stuttgart (1:1) und gegen den HSV (2:2) zuletzt zwei Unentschieden gab, sei es wieder Zeit für einen Erfolg. „Wir wollen die Punkte mit nach Hause nehmen“, ergänzte Marco Russ. Er fügte an: „Wir gehen in jedes Spiel, um es zu gewinnen.“ Von einsetzender Müdigkeit könne nach den vergangenen Englischen Wochen (noch) keine Rede sein. „Das kann man sich auch einreden. Ich sehe es positiv, dass wir jeden dritten, vierten Tag ein Spiel haben. Das wünscht sich doch jeder Fußballer“, sagte Russ. Sein Kollege Alexander Meier kann derweil weiter nur zuschauen. Wird Armin Veh in diesen Tagen auf den Torjäger außer Dienst angesprochen, fallen seine Antworten ungewöhnlich knapp aus. „Er trainiert nicht mit uns“, sagte Veh, „er macht Aufbautraining.“ Im Rückspiel der Play-Off-Runde der Europa League gegen Qarabag Agdam stand Meier am 29. August letztmals auf dem Feld. Und schoss dabei ein Tor. So wie zuvor in Berlin, in Braunschweig und zweimal beim Hinspiel gegen die Aserbaidschaner. Der August war Meiers Monat. „Alex ist der einzige, den wir eigentlich nicht ersetzen können“, meinte Veh kürzlich.

          Diese Sichtweise hat sich inzwischen ein wenig geändert; auch aufgrund erfreulicher Ergebnisse. Sechsmal fehlte Meier während des Septembers, viermal in der Bundesliga, dazu im Europapokal gegen Bordeaux und im DFB-Pokal gegen Bochum. Die Frankfurter verloren ohne ihren Kapitän nur einmal, am 1. September gegen Dortmund. Und nun sieht es ganz danach aus, dass es noch eine Weile ohne ihn weiter gehen muss; auch die Liga-Partie in Freiburg an diesem Sonntag kommt zu früh. Dabei hatte sich die erste Diagnose harmlos angehört. Von einer leichteren Muskelverletzung war die Rede, einer Zerrung oder einem Faserriss. Schon drei Tage später gegen den BVB schien der Einsatz „möglich“, wie Veh sagte. War er dann aber nicht. Die Verletzung zieht sich seitdem hin. Am 11. September kehrte Meier kurz in den Kreis der Mannschaft zurück – und klagte beim Schusstraining prompt wieder über Schmerzen im Oberschenkel. Seitdem läuft der Genesungsprozess noch schleppender. Meier selbst hält sich zurück mit Erklärungen. „Ich werde kein Risiko eingehen und alles in Ruhe auskurieren.“ Mit dem neuen Assistenztrainer Oscar Corrochano wird er zu Hause trainieren, während die Mannschaft in Zypern gefordert ist. Als Ziel für sein Comeback wurde jetzt das Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg am 19. Oktober ausgegeben.

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