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Eintracht Frankfurt : Fragiles Eintracht-Gebäude

  • -Aktualisiert am

Ausschau: Heribert Bruchhagen und Bruno Hübner sind auf der Suche. Bild: Eilmes, Wolfgang

Trainerkandidat Schmidt überlegt, ob er nicht etwas Besseres bekommen kann als in Frankfurt, etwa in Leverkusen. Hübner muss eine überzeugende Alternative bieten.

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          Sicherheitsfanatiker werden in diesen Tagen bei der Frankfurter Eintracht nicht glücklich. Zweieinhalb Wochen vor dem Saisonende der Fußball-Bundesliga zeichnen sich keine klaren Zukunftsperspektiven für den Klub ab. Das hängt vor allem mit der Trainersuche zusammen, die sich in die Länge zieht. Der erklärte Favorit der Frankfurter, Roger Schmidt von Red Bull Salzburg, ziert sich seit mehr als einer Woche, obwohl er eine schnelle Entscheidung angekündigt hatte.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Bei der Eintracht sind sich alle einig: Sportdirektor Hübner, Vorstandschef Bruchhagen und der Verwaltungsrat, der das Vertragsangebot an den Salzburger Trainer schon genehmigt hat: Schmidt soll kommen, weder eine Ablösesumme an Red Bull noch eine mehrjährige Vertragslaufzeit (unter Bruchhagen gab es bisher nur Trainerkontrakte über ein Jahr) stellen ein Problem dar. Aber Schmidt weiß nicht so genau, welcher Schritt der beste für seine Karriere sein könnte.

          Kaum Argumente für die Eintracht

          Am einfachsten für ihn wäre es, in Salzburg zu bleiben. Dort findet der Sauerländer, der sich als Zweitligatrainer in Paderborn einen Namen machte, ideale Arbeitsbedingungen vor, die er weidlich ausgenutzt hat. Seine Mannschaft pulverisierte einige Rekorde in der österreichischen Liga, wurde vorzeitig Meister und erreichte in der Europa League das Viertelfinale. Dabei bezauberte das Team durch modernen Hochgeschwindigkeitsfußball, dem in einem Testspiel im Winter sogar die Bayern bei einem 0:3 zum Opfer fielen. Im kommenden August bietet sich Schmidt die große Chance, mit Red Bull Salzburg in die Gruppenphase der Champions League einzuziehen. Dann hätte er das, was ihm am meisten zu fehlen scheint: öffentliche Aufmerksamkeit. Denn jeder Erfolg in Österreich ist mit der Einschränkung versehen, dass er in einer „Operetten-Liga“ errungen wird, in der es keine ernsthafte Konkurrenz gibt. Deshalb ließ er sich in seinen neuen, bis zum Ende der Saison 2016 laufenden Vertrag, den er im vergangenen Dezember unterschrieb, eine Ausstiegsklausel hineinschreiben.

          Bayer Leverkusen könnte für Schmidt eine Alternative sein. Die Rheinländer suchten den Kontakt zu ihm, allerdings sind sie eher noch in einer Sondierungsphase. Würde Leverkusen Schmidt unbedingt an den Rhein locken wollen, gäbe es kaum noch Argumente für ihn, an den Main zu ziehen – weder sportlich noch finanziell, noch bei weichen Faktoren wie Vereinsführung oder Umfeld. Und wer den Reiz der Großstadt nicht missen mag, kann auch in der Nachbarstadt Köln wohnen.

          Tragfähige Entscheidungen würden guttun

          Bei dieser Ausgangslage tut die Eintracht gut daran, nicht allzu sehr auf Roger Schmidt als neuen Trainer zu bauen und sich nach Alternativen umzusehen. Sportdirektor Hübner versichert, dass er dies tue. Aber er muss eine überzeugende Lösung finden, eine, der auch die Führungsspieler von vornherein großen Respekt zollen. Denn die umworbenen Trapp, Jung, Zambrano und Schwegler brauchen Argumente für ihr Bleiben – zum Beispiel einen Trainer, der ihnen signalisiert, dass die Eintracht weiter Ansprüche hat oder der sie, wie es Armin Veh geschafft hat, persönlich weiterbringt.

          Ergänzungsspieler wie Rosenthal, Schröck, Inui, Lanig und Oczipka, Kadlec und Anderson hat die Eintracht mehr als ausreichend unter Vertrag. Im Moment kann jedoch niemand sagen, wie viele der derzeitigen Spitzenkräfte noch am ersten Bundesligaspieltag der neuen Spielzeit für die Eintracht auflaufen werden. Joselu (Hoffenheim) und Barnetta (Schalke) sind nur ausgeliehen und könnten von ihren Klubs zurückbeordert werden. Rode (Bayern) ist schon weg, die bereits erwähnten Trapp, Jung, Zambrano und Schwegler haben einige Klubs auf sich aufmerksam gemacht. Die Eintracht erscheint in diesen Tagen als fragiles Gebäude, ein paar tragfähige Entscheidungen würden ihr guttun.

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