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Eintracht spielt unentschieden : Besser als nichts

Kleiner Sieger: Das Tor von Jonathan de Guzman hilft der Eintracht – und es stärkt seine Person. Bild: AFP

Die Eintracht sieht sich auch nach dem spät verspielten Erfolg in Wolfsburg auf Kurs Richtung Königsklasse. Trotz des Unentschieden konnten sie ihren Abstand auf die Verfolger aus Gladbach vergrößern. Hütter lobt vor allem den Torschützen.

          Sie haben es gewusst – und sie haben es auch bekommen. „Das war ein sehr schweres Spiel“, sagte Bruno Hübner. „Das Ergebnis geht in Ordnung.“ Natürlich hätte es der Sportdirektor der Eintracht besser gefunden, wenn der in der 78. Minute durch den eingewechselten Jonathan de Guzman herausgeschossene Führungstreffer bis zum Schlusspfiff Bestand gehabt hätte. Doch dass in der letzten Minute der regulären Spielzeit der Wolfsburger John Anthony Brooks nach einem Konter, bei dem es der Frankfurter Abwehr an Organisation fehlte, doch noch den 1:1-Endstand erzielte, entsprach den gezeigten Leistungen.

          „Wir können mit diesem einen Punkt leben“, sagte Hübner. Ein Punkt in Wolfsburg – in der Stadt, in der Eintracht-Mannschaften seit Jahren kaum einen Fuß auf den Boden bekommen haben? Das passte schon. Die Mannschaft von Trainer Adi Hütter, als Tabellenvierter zum Abschluss des 30. Bundesligaspieltags am Ostermontag gefordert gewesen, hat ihre gute Ausgangsposition im Kampf um die Qualifikation für die Champions League sogar noch ein Stück weit verbessert. Der Vorsprung vor dem ersten Verfolger Borussia Mönchengladbach ist auf zwei Punkte angewachsen; die TSG Hoffenheim liegt drei Punkte hinter dem Frankfurter Europa-League-Halbfinalisten.

          Auch Hütter zeigte sich mit dem Erreichten zufrieden. „Dieser Punkt ist für uns viel wert“, sagte der Eintracht-Coach nach dem Remis, das sich am ungeliebten Bundesliga-Spieltag Montag lediglich 26.100 Zuschauer anschauen wollten. Was das Publikum zu sehen bekam, vor allem im Hinblick auf die Vielzahl Wolfsburger Gelegenheiten, war ein Festival der Chancen. Der VfL traf Pfosten und Latte, und auch deshalb überwog in den Reihen der Frankfurter ein Gefühl der Erleichterung, die schwere Hürde halbwegs unbeschadet genommen zu haben. „In der zweiten Halbzeit war Wolfsburg schon sehr dominant“, analysierte Hütter. „Für den VfL ist der Punkt absolut verdient. Uns haben halt einfach ein paar Minuten gefehlt.“

          Der Mannschaft fehlte die Frische

          Auf der Suche nach Gründen dafür, dass die Eintracht nach zuletzt drei Auswärtssiegen in Folge nicht auch die vierte Partie bei den „Wölfen“ für sich entscheiden konnte, spannte Hütter schnell den Bogen zur Europa League. „Die Mannschaft war nicht mehr ganz so frisch wie früher.“ Soll heißen: Der Kraftakt gegen Benfica Lissabon, als der Eintracht am Gründonnerstag mit einer großen kämpferischen Leistung und dem 2:0 trotz der 2:4-Hinspielniederlage doch noch der Einzug in das Halbfinale gegen den FC Chelsea gelang, hatte den Profis zugesetzt.

          Filip Kostic, seit Monaten der beständigste und lauffreudigste Eintracht-Spieler, lief zwar auch in Wolfsburg ohne Unterlass die Linie rauf und runter. Doch dem Spiel des Serben fehlte der letzte Kick. Auch sein Gegenüber auf der anderen Seite, Danny da Costa, hat schon stärker gespielt und geflankt als in Wolfsburg. Alles durchaus vorhersehbare Begleiterscheinungen in einem Team, das jetzt schon 44 Pflichtspiele absolviert hat und kurz davor steht, im Mai die Früchte einer außergewöhnlichen Saison zu ernten.

          Dass Martin Hinteregger wegen seiner Oberschenkelprobleme auch in Wolfsburg nicht am Ball war, wurde erwartet. „Martin war nicht hundertprozentig fit. Das Risiko bei Muskelverletzungen ist immer sehr groß, und er hat bislang überhaupt keine Erfahrungen damit.“ Hütter reagierte auf den Ausfall seines österreichischen Landsmanns mit der abermaligen Nominierung von Simon Falette. Und besonders freute es den Trainer, dass sich für den gesperrten Gelson Fernandes erstmals seit dem vergangenen Oktober Lucas Torro auch wieder in der Liga zeigen konnte; gegen Lissabon war er schon in den Schlussminuten als Einwechselspieler dabei. „Der Sieg war in Wolfsburg zum Greifen nahe“, bilanzierte der 24-Jährige am Dienstag. „Jetzt müssen wir weiter kämpfen. Das ist alternativlos. Wir haben es in der eigenen Hand, nur wir bestimmen, wo es lang geht“, sagte Torro.

          Hütter lobt de Guzman als wertvollen Spieler

          „Es war sehr erfreulich, dass Lucas wieder dabei ist“, sagte Hütter. „Er hat schon längere Zeit ordentlich trainiert.“ Das haben andere auch. Beispielsweise Jonathan de Guzman. Der Niederländer, zuletzt nicht wie erwartet zum Einsatz gekommen, durfte sich als kleiner heimlicher Sieger fühlen. Als es galt, in einer unübersichtlichen Situation im Wolfsburger Strafraum zur rechten Zeit am rechten Platz zu sein, ließ der Niederländer seine Klasse aufblitzen. Kühl und gekonnt vollendete er zur überraschenden Frankfurter Führung und durfte sich später lobende Worte anhören. „Er ist immer noch ein wertvoller Spieler für uns“, sagte Hütter.

          Wertvoll – dieses Wort war in Wolfsburg oft zu hören. Denn bei den Frankfurter Protagonisten herrschte allenthalben Übereinstimmung, dass der Punktgewinn „am Ende eines intensiven Spiels“, wie Danny da Costa bemerkte, ausgesprochen hilfreich war. „Wir haben uns sehr gut reingebissen und dagegen gehalten“, sagte der Frankfurter Immer-Spieler. „Dieser Punkt wird uns helfen. Jeder Punkt, gerade in der Fremde, tut uns gut.“ Der Blick auf die Tabelle beweist es: Die Lage der Eintracht blieb konstant stabil.

          Bestand hatte auch die Serie von Bruno Labbadia. Der in Darmstadt aufgewachsene Fußballtrainer hat nun auch das elfte Bundesligaspiel in Folge mit einer von ihm betreuten Mannschaft gegen die Eintracht nicht verloren. Nach dem verdienten 1:1 seines VfL Wolfsburg gab er ein Sympathiebekenntnis pro Eintracht ab. „Was ihr bislang spielt, ist außergewöhnlich“, sagte der zum Saisonende freiwillig aus seinem Amt ausscheidende Labbadia: „Als Hesse drücke ich euch alle Daumen.“

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