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Eintracht Frankfurt : Jung, talentiert - und geduldig

  • -Aktualisiert am

Balljongleur, der es im Team von Armin Veh nicht ganz leicht haben dürfte: Erik Wille Bild: Kretzer, Michael

Sonny Kittel, Aykut Özer, Julian Dudda, Erik Wille und Alexander Hien sind Nachwuchskräfte, die bei der Frankfurter Eintracht behutsam gefördert werden sollen.

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          Gut zwei Jahre ist es her, da hat die Frankfurter Eintracht den letzten Titel gewonnen. Es war die U17 des Klubs, die unter Trainer Alexander Schur deutscher Meister geworden ist. „Das ist die Zukunft unseres Klubs“, hatte Präsident Peter Fischer nach dem 1:0-Finalsieg nach Verlängerung gegen Bayer Leverkusen gesagt. Die Profiabteilung hatte das ganz ähnlich gesehen und versucht, die wichtigsten Spieler aus dem damaligen Talentschuppen langfristig zu binden. Seitdem gehören mit Sonny Kittel, Aykut Özer, Julian Dudda, Erik Wille und Alexander Hien fünf Spieler mit unterschiedlich ausgelegten Verträgen zum erweiterten Aufgebot der Profis.

          Nur Kittel hat aktuell Perspektiven, um in der erfolgreichen Bundesligamannschaft eingesetzt zu werden. Doch selbst der als größtes Talent der Eintracht gepriesene Juniorennationalspieler hatte zuletzt keinen Platz für die Bundesligaspiele gefunden. Und die anderen vier sind aus den unterschiedlichsten Gründen noch viel weiter entfernt von der professionellen Erstklassigkeit. Vom türkischen Torwart Özer hält Trainer Armin Veh sehr viel. „Ich bin überzeugt, dass er ein guter Torwart werden kann“, sagt Veh. Doch viel zu selten kann Özer die Meinung des Chefs im Training bestätigen. Der junge Mann hat Pech, seit einem Jahr reiht sich eine Verletzung an die nächste.

          Am besten keine Nationalmannschaft

          Aktuell muss er wegen eines Muskelfaserrisses kürzertreten. „Am besten schicken wir ihn nicht mehr zur türkischen Nationalmannschaft“, hat der Eintracht-Trainer gesagt. Der nicht ganz ernst gemeinte Vorschlag hat einen ernsten Hintergrund, denn schon zweimal ist Özer mit Verletzungen von Lehrgängen aus seiner Heimat zurückgekehrt. In dieser Saison fehlt es ihm nun an Spielpraxis, weil die in der U23 vorgesehenen Einsätze wegen der Blessuren nicht möglich sind. In der Regionalligamannschaft wird Özer von Danny Söder vertreten, beim Training der Profis von A-Jugend-Torwart Marvin Schwäbe.

          Abwehrspieler Dudda hat bereits mit 17 Jahren sein Bundesligadebüt gefeiert. Trainer Christoph Daum hatte ihn am 7. Mai 2011 beim Heimspiel gegen den 1.FC Köln eingesetzt. Dudda hat daran keine guten Erinnerungen, die Eintracht war nach diesem Spiel quasi aus der Bundesliga abgestiegen, er selbst schien bei seinem ersten Einsatz noch etwas überfordert. Seitdem ist es um den eleganten Verteidiger ruhig geworden. Mit Beginn dieser Spielzeit sollte er im Profikader einen neuen Anlauf unternehmen, eine Krankheit hat dies verhindert. Jetzt wird Dudda in der U23 aufgebaut. „Wir führen ihn langsam wieder heran“, sagt Trainer Alexander Schur. Beim letzten Spiel beim FC Homburg hat er zum ersten Mal wieder zwei Minuten auf dem Platz gestanden. Sobald Dudda alle Rückstände aufgeholt habe, werde er auch wieder bei den Profis trainieren, hat Cheftrainer Veh in Aussicht gestellt.

          Wille ist da schon ein ganzes Stück weiter. Er steht seit Saisonbeginn im Trainingskader, hat beide Trainingslager mitgemacht und wurde in etlichen Freundschaftsspielen der Bundesligamannschaft eingesetzt. Eine „gute Einstellung und große Vielseitigkeit“ attestiert Veh dem Mittelfeldspieler, sagt aber auch, „dass er es bei uns schwer haben wird.“ Die Konkurrenz in Abwehr und defensivem Mittelfeld sei groß, Wille habe aber „zweifellos das Zeug“, zumindest in der zweiten Liga zu spielen. Das könnte auch für den fünften im Bunde der B-Jugendmeister gelten. Auch Abwehrmann Hien wurde durch eine Verletzung beim Aufstieg auf der Karriereleiter zwischenzeitlich gestoppt. Anfang des Jahres war er an der Leiste operiert worden, in der Folge hatten ihn die Nachwirkungen dieses Eingriffs doch stark behindert. Nun kämpft er bei der U 23 um den Anschluss.

          „Diese Erfahrungen müssen sie sammeln“

          Die deutschen Meister von 2010 haben also ziemlich schnell auch die negativen Seiten des Profifußballs kennengelernt. „Diese Erfahrungen müssen sie sammeln“, sagt der Leiter des Frankfurter Nachwuchszentrums Armin Kraaz, einst selbst Profi, „das gehört dazu zum Fußball.“ Gemeinsam mit der Profiabteilung versuche man die jungen Spieler behutsam aufzubauen. Das gilt auch und besonders für die beiden jüngsten Talente Marc-Oliver Kempf und Marc Stendera. „Wenn alles glatt läuft, werden diese beiden Bundesligaspieler“, hat sich Trainer Veh früh festgelegt. Kempf geht weiter zur Schule, wird im kommenden Frühjahr sein Fachabitur ablegen. Bis dahin spielt er in der A-Jugend, trainiert aber so oft wie möglich an Nachmittagen bei den Profis.

          Anders der erst sechzehn Jahre alte Stendera, er hat seinen Hauptschulabschluss gemacht und wird sich ganz auf den Fußball konzentrieren. Nach einer Schulteroperation holt er gerade im Reha-Training körperliche Defizite auf. „Wir nutzen die Zeit nach der Operation, um ihn richtig fit zu machen“, sagt Veh, „ist er gesund, wird er voll bei uns mitmachen.“ Nachwuchschef Kraaz ist sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit. „Ich denke, wir haben gute individuelle Lösungen für unsere Talente gefunden“, sagt er.

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