https://www.faz.net/-gzg-7vj79

Eintracht Frankfurt : Ein Jubiläum in Vehs Wohnzimmer

Emotionen zum Abschied: Armin Veh bei seinem letzten Spiel als Eintracht-Trainer. Jetzt kommt er mit Stuttgart zurück nach Frankfurt. Bild: Jan Huebner

Thomas Schaaf hakt die Paderborn-Niederlage ab und warnt vor dem VfB Stuttgart. Dessen Trainer freut sich auf das Wiedersehen gegen Eintracht Frankfurt.

          3 Min.

          Das Treffen unter Freunden steht. Armin Veh wird sich ein paar Stunden nach dem Schlusspfiff mit alten Frankfurter Weggefährten in einem Restaurant treffen, das für ihn während seiner drei Eintracht-Jahre zu einer Stamm-Lokalität geworden ist. Der Plausch unter Männern ist das eine. Das andere ist der sportliche Wettstreit – und der hat es in sich. Die Eintracht mit Fußballlehrer Thomas Schaaf gegen den VfB mit dem einstigen Stuttgarter Meistermacher Veh.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Der Schwabe Veh fiebert dieser Partie „in meinem Wohnzimmer“ schon seit ein paar Tagen entgegen. Schaaf hält es da bedeutend nüchterner. „Von einem besonderen Spiel spüre ich nichts“, sagte Schaaf am Freitag, gut 24 Stunden vor dem Anpfiff der sportlichen Auseinandersetzung des Bundesliga-Achten gegen den Rangfünfzehnten. „Das liegt daran, dass ich diese Beziehung nicht habe.“ Während Veh dem erstmaligen Wiedersehen mit seinem langjährigen Arbeitgeber freudig entgegensieht, lenkt Schaaf den Fokus auf seine Mannschaft. „Wir müssen schauen, dass wir wieder richtig in der Spur sind“, sagte Schaaf und rief noch einmal die Ereignisse des vergangenen Sonntags in Erinnerung. In Paderborn, bei der empfindlichen 1:3-Niederlage, hatte es die Eintracht verpasst, ihre bislang gute Punktesituation noch weiter zu verbessern. Dem Tiefschlag beim Aufsteiger folgten einige Gesprächsrunden, „in denen wir intensiv über unsere Fehler gesprochen haben.

          Schaafs 750. Einsatz in der Liga

          Die Einsicht bei allen ist da. Wir wissen, dass wir es besser können“, sagte der Eintracht-Trainer. Halb im Spaß, halb im Ernst sagte Schaaf im Vorgriff auf das Heimspiel gegen den VfB, dass er im Prinzip elf neue Spieler bringen könne. Doch natürlich wird er dies nicht tun, im Gegenteil: Wenn sich bis zum Anpfiff an diesem Samstag um 15.30 Uhr nichts Gravierendes mehr ereignet, wird der Eintracht-Coach exakt der Mannschaft vertrauen, die in Paderborn in der Schlussoffensive empfindlich getroffen wurde. „Wir haben in der zurückliegenden guten und arbeitsreichen Woche auch am Selbstverständnis der Spieler gearbeitet“, sagte Schaaf. Mit der nicht gerade neuen Erkenntnis: „Wenn wir im Ballbesitz sind, können wir uns noch erheblich verbessern.“

          Besondere Spiele, besondere Zahlen: Für einen wie Schaaf ist das alles andere als wichtig. So hat der 53 Jahre alte Fußballtrainer bis vor kurzem auch nicht gewusst, dass die Partie gegen Stuttgart doch etwas Spezielles ist: der 750. Einsatz in der Fußball-Bundesliga. 487 Spiele als Trainer in Bremen und Frankfurt, dazu 262 Einsätze als erstklassiger Werderaner – macht zusammen 750. Und ist für Schaaf zugleich die Erkenntnis, „dass ich schon ganz schön lange dabei bin und eine ganze Menge erlebt habe“. Nun also schließt sich der Bogen von seinem ersten Einsatz als 17-jähriger Jungspund am 18. April 1979 bis hin zu diesem 25. Oktober 2014. Typisch Schaaf: „Punkte für dieses Jubiläum kriege ich aber nicht. Die müssten wir beantragen.“

          „VfB auf keinen Fall unterschätzen“

          Ein Sieg der Eintracht über den VfB: Zuletzt hatte es dies am 2. März dieses Jahres gegeben, als es in der Vorsaison 2:1 über Stuttgart hieß. Es war ein besonderer Erfolg, denn noch am Abend jenes Sonntags sickerte durch, dass Veh die Eintracht zum Saisonende verlassen wird. Sein Entschluss, es mit seinem neuen alten Klub auch deshalb zu versuchen, „weil ich dem gegnerischen Trainer nicht mehr so oft zum Sieg gratulieren möchte“, hat bislang keine Früchte getragen. Der schwach in die Saison gestartete VfB (siehe nebenstehenden Artikel) liegt sechs Punkte hinter der Eintracht – und damit weit hinter den von Veh vermuteten Möglichkeiten. „Keiner von uns“, bestätigte am Freitag sein Frankfurter Nachfolger Schaaf, „hätte Stuttgart in diesen Tabellenregionen erwartet.

          Aber gerade die letzte Partie gegen Leverkusen hat gezeigt, dass man den VfB auf keinen Fall unterschätzen darf.“ Schaaf tut dies nicht – wie er überhaupt niemanden vorab klein redet. Auch vor Aufsteiger SC Paderborn hatte der erfahrene Fußballlehrer in der Vorwoche gewarnt und letztlich auch deshalb Recht behalten, weil es seiner Mannschaft von Mitte der zweiten Halbzeit an vor allem an Tugenden wie Einsatz, Wille und Biss mangelte. „Wir stehen gegen Stuttgart vor einer ganz schweren Aufgabe“, sagte Schaaf, der fast schon beschwörend anfügte: „Wir müssen an uns und unsere Qualitäten glauben.“

          Veh glaubt an den Fortbestand der freundschaftlich aufgebauten Bande mit den Frankfurter Verantwortlichen. Und er hofft, dass er in der bestens besuchten Arena von den Eintracht-Fans freundlich begrüßt wird. Alles andere wäre auch befremdlich.

          Weitere Themen

          Wie man eine Bierflasche auftreten kann Video-Seite öffnen

          Geht doch : Wie man eine Bierflasche auftreten kann

          Es gibt viele Möglichkeiten, Bierflaschen aufzumachen. Mit dem Feuerzeug, am Bierkasten oder auch mit dem zwölfer Schraubschlüssel aus der Werkzeugkiste. Es geht aber auch spektakulärer, wie F.A.Z.-Redakteurin Marie Lisa Kehler zeigt.

          Topmeldungen

          So spannend wie lange nicht mehr: Zwischen SPD und Union ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen

          Allensbach-Umfrage : Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und Union

          Kurz vor der Bundestagswahl ist das Rennen zwischen SPD und Union um Platz Eins weiter offen. In der letzten Umfrage des Allensbach-Instituts im Auftrag der F.A.Z. verkürzt sich der Abstand zwischen den beiden Parteien.
          Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Köln, gibt am Freitag in Köln im Garten des Erzbischöflichen Hauses ein Statement ab.

          Papstentscheidung zu Woelki : Das Vertrauen ist definitiv verloren

          Man muss wohl ein unverbesserlicher Optimist sein, um zu hoffen, dass die Krise im Erzbistum Köln mit einer mehrmonatigen „geistlichen Auszeit“ Kardinal Woelkis zu lösen ist. Denn sie lässt nicht nur viele Betroffene ratlos zurück.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.