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Nutzung der Commerzbank-Arena : Eintracht Frankfurt ist künftig Herr im Haus

  • -Aktualisiert am

„Eine Win-Win-Win-Situation“: Eintracht Frankfurt wird uneingeschränkter Nutzer des Stadions und des Trainingsgeländes. Bild: Stefanie Silber

15 Jahre lang darf Eintracht Frankfurt das Waldstadion uneingeschränkt nutzen. Die Unterzeichnung der Vereinbarung mit der Stadt ist ein Meilenstein für den Verein. Er widmet sich nun vor allem dem Ausbau und der Digitalisierung des Stadions.

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          „Ein Meilenstein für den Profifußball in Frankfurt, eine Win-Win-Win-Situation.“ Die Kommentierung der Frankfurter Eintracht lässt darauf schließen, dass der Fußball-Bundesligaklub seine Vorstellungen zur künftigen Nutzung der WM-Arena nach zähen Verhandlungen mit der Stadt weitgehend durchsetzen konnte. Am Donnerstag unterzeichneten die Eintracht Frankfurt Fußball AG und die Stadt Frankfurt eine Absichtserklärung, in der die Eckpunkte des vom 1. Juli 2020 an gültigen Nutzungsvertrages festlegt werden. Die Vereinbarung, die in den nächsten Wochen in ein umfangreiches Vertragswerk gefasst werden soll, ist bis zum 30. Juni 2035 angelegt.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Die Eintracht hat ihr Ziel erreicht, nicht mehr nur Mieter der Arena zu sein, sondern uneingeschränkte Nutzungsrechte des Stadions und des umliegenden Trainingsgeländes übertragen zu bekommen. Dazu gehören die Vermarktung der Namensrechte der Arena und die Vergabe des Caterings. Auch die Innengestaltung des Stadions liegt nun mit in der Hand des Klubs. Eintracht-Vorstand Axel Hellmann kündigte an, dass die Arena nun stärker als Heimspielstätte seinen Klubs wahrgenommen werde. Die Eintracht bekommt zudem das Recht eingeräumt, das Stadion an Dritte unterzuvermieten und durch Konzerte, Businessveranstaltungen oder andere Sportveranstaltungen Einnahmen zu erlösen. Der Stadt bleibt eine Eigennutzungsquote von 20 Prozent vorbehalten.

          Weniger Miete, mehr Einnahmen

          Mit der Zustimmung in all diesen Punkten ging die Stadt auf die langjährigen Forderungen der Eintracht ein. „Wir haben aktuell hohe Nutzungskosten und keinen Zugang zu den Erlösquellen im Stadion. Um langfristig wettbewerbsfähig zu sein, wird sich das ändern müssen“, hatte Hellmann in dieser Zeitung postuliert. Zudem war die Stadionmiete mit rund zehn Millionen Euro jährlich mit die höchste in der Liga. Hellmann sprach von einem klaren Wettbewerbsnachteil. Das ändert sich nun. Die Eintracht generiert nicht nur Einnahmen aus der Stadionvermarktung, sondern wird auch weniger Miete zahlen. Genaue Summen wurden in der Absichtserklärung jedoch noch nicht festgelegt.

          Auch für den anstehenden Stadionausbau für die Fußball-Europameisterschaft 2024 hat die Eintracht die Stadt von ihren Plänen überzeugen können. Die Vereinbarung, die am Donnerstag veröffentlicht wurde, deckt sich weitestgehend mit den Entwürfen, die der Fußballklub schon vor Jahren der Stadt vorgetragen hatte. Sie sehen einen Umbau vor, der nicht nur den Erfordernissen des EM-Turniers Rechnung trägt, sondern den Wünschen des Bundesligaklubs. Kernpunkt: Durch die Umwandlung von Sitzplätzen in Stehränge im Oberrang der Nordwestkurve wird die Gesamtkapazität des Stadions von jetzt 51.500 auf 60.000 Plätze im Bundesligabetrieb erweitert. Spätestens zu Beginn der Bundesligasaison 2023/24 soll der Aus- und Umbau abgeschlossen sei. Die Baukosten trägt die Stadt, die Eintracht übernimmt die Investitionen in den Ausbau und die Erneuerung der digitalen Infrastruktur des Stadions. Dazu zählt unter anderem ein neuer Videowürfel. Auch die Kosten für die Modernisierung der Arena, die die Vertragspartner jeweils zu übernehmen haben, sind in der Absichtserklärung noch nicht fixiert. Die Eintracht ging in ihren Überlegungen, die sie der Stadt vorlegte, von jeweils rund 30 Millionen Euro für Beton und Digitalisierung aus.

          Eintracht-Vorstand Hellmann kommentierte die Einigung mit der Stadt erfreut: „Vom kommenden Sommer treten wir bezüglich des geschäftlichen Aufgabenbereichs in eine neue Entwicklungsstufe ein. Wir werden unseren Beitrag dazu leisten, die Erfolgsgeschichte der Arena fortzuschreiben und das Stadion in den nächsten Jahren auch zu einem digitalen Leuchtturm der Region weiterzuentwickeln, um die Wettbewerbsfähigkeit der Eintracht aus eigener Kraft weiter zu stärken.“ Die Eintracht hat ihr Ziel erreicht: Sie ist demnächst nicht mehr Gast im Stadion, sondern Gastgeber. Mit allen Chancen, Risiken und Verpflichtungen.

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