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Eintracht Frankfurt : Ein Fall für den Elektriker

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Not macht erfinderisch: Bastian Oczipka (rechts), bisher Verteidiger, könnte im linken Mittelfeld gebraucht werden. Bild: Jan Huebner

Keine Energie, keine Ideen – Trainer Veh und die Eintracht suchen nach Wegen aus der Krise. „Wir müssen den Stecker wieder in die Steckdose kriegen.“ Ganz unvorbereitet hat den Trainer der Rückschlag allerdings nicht getroffen.

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          Den Spaß an der Arbeit haben die Eintracht-Profis trotz der Niederlagen gegen Gladbach (1:5) und Ingolstadt (0:2) nicht verloren. Am Mittwoch wurde im Training laut gelacht und gescherzt. „Warum sollten wir nicht lachen?“ Diese Frage warf Mittelfeldspieler Johannes Flum schon in der vergangenen Woche nach der Pleite in Ingolstadt auf. Er ist der Überzeugung, wer akribisch trainiere und konzentriert bei der Sache sei, darf auch gute Laune haben. Am Mittwoch brachten die Spieler die 90 Minuten dauernde Einheit mit Eifer und Disziplin hinter sich. Doch jetzt muss eine Reaktion der Mannschaft im Auswärtsspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen Hannover 96 kommen. Drei Punkte wären eine große Erleichterung für Trainer Armin Veh und die Klubverantwortlichen.

          Einzelgespräche mit Oczipka und Djakpa

          Als junger Trainer hätte Veh in der aktuellen Situation „jeden Einzelnen rund gemacht“. Mit der gewonnenen Erfahrung ist der Vierundfünfzigjährige heute der Auffassung, „draufhauen funktioniert nicht“, wie er am Mittwoch sagte. „Ich muss mich anpassen an die Generation der Spieler. Ich muss es so hinkriegen, dass die Mannschaft wieder an etwas glaubt.“ Unter seiner Anleitung werden gemeinsam Lösungen erarbeitet. In konstruktiver Atmosphäre. Für ihn birgt die schwierige Lage mit nur zwei Punkten aus den zurückliegenden fünf Spielen auch Chancen.

          Nämlich Dinge zu erkennen und zu entwickeln, aus denen in Zukunft etwas werden könnte. Die Not macht erfinderisch. Im Training am Mittwoch rückte Linksverteidiger Bastian Oczipka ins linke Mittelfeld vor. Seine Position nahm Constant Djakpa ein. Davor hatte Veh mit beiden Profis Einzelgespräche auf dem Platz geführt. Ganz neu war diese Umstellung nicht. Schon in der zweiten Halbzeit gegen Gladbach griff der Trainer zu dieser Variante. „Ich kann mir vorstellen, „dass Bastian in diese Rolle reinwachsen kann“, sagt er.

          „Mehr als eine normale Formschwankung“

          Bei der Bewältigung der Krise verlangt Veh Flexibilität von seinem Personal. Weitere Kandidaten für die linke Mittelfeldseite sind Luca Waldschmidt und Marc Stendera. Den 20 Jahre alten Serben Mijat Gacinovic sieht der Trainer noch nicht so weit. Das „Riesentalent“ will er mit der aktuellen Aufgabe nicht überfordern. „Mijat wird kommen, wenn ich glaube, dass er soweit ist. Ich werde versuchen, ihn physisch besser zu kriegen.“ Druck von außen hält Veh für verkehrt.

          Mit nur noch zwei Punkten Vorsprung vor dem Relegationsrang 16 ist die Eintracht nach neun Spieltagen in Bedrängnis geraten. Veh macht sich nichts vor. Die Probleme liegen tiefer. „Es ist ein bisschen mehr als eine normale Formschwankung. Es ist schon eine Sache, die etwas kritischer ist.“ Sie betrifft zwei Kernbereiche des Spiels. In der Verteidigung bieten die Frankfurter dem Gegner zu viele Möglichkeiten, zum Erfolg zu kommen. Und im Angriff stellen sie nichts mehr auf die Beine.

          Rückschlag trifft Veh nicht völlig unvorbereitet

          „Es war schlimm, dass wir uns quasi keine Chance herausgespielt haben“, sagte Veh über das Spiel gegen Gladbach. Die Mischung aus beidem ist fatal. Den Abwärtstrend, beginnend mit der zweiten Halbzeit gegen Hertha BSC, kann sich der Trainer nicht erklären. „Auf einmal war bei uns der Stecker draußen. Es war wie abgeschnitten – als ob wir keine Energie und keine Ideen mehr hatten.“ Zusammen mit seinen Spielern sucht er nun nach einer Lösung: „Wir müssen den Stecker wieder in die Steckdose kriegen.“ Veh will ein Eintracht-Team unter Strom. Am liebsten so, wie er es beim 6:2-Heimsieg über den 1. FC Köln erlebt hat.

          Für angespannte Mienen sorgte am Mittwoch David Abraham. Der Innenverteidiger verdrehte sich im Trainingsspiel das rechte Knie. Die Einheit musste er abbrechen, weil er beim Passen Schwierigkeiten hatte. Er gab allerdings auch vorsichtige Entwarnung: „Es ist nicht so schlimm.“ Zusammen mit Carlos Zambrano soll Abraham das Innenverteidiger-Duo in Hannover bilden. Nach der Rippenverletzung, die er sich vor einigen Wochen zugezogen hatte, benötigt Zambrano keinen Karbonpanzer mehr. Seine Beschwerden sind weg. Veh sieht ihn aber noch nicht in der Form, die er sich vorstelle. „Weil er mit diesen Problemen immer unterwegs ist mit der Nationalmannschaft.“

          Den Trainer trifft der Rückschlag mit der Eintracht nicht völlig unvorbereitet. „Ich bin kein Phantast und kenne doch die Bundesliga“, sagt er. „Ich weiß genau, dass die Möglichkeit da ist, unten reinzurutschen.“ Veh kämpft für einen erfolgreichen Neustart der Eintracht. „Ich bin nicht völlig aus den Fugen geraten, da es jetzt nicht so funktioniert.“

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