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Eintracht Frankfurt : Eine Schippe drauf

Quo vadis, Eintracht? Trainer Veh und Kapitän Meier suchen Ideen, die dem Team schnellstmöglich im Abstiegskampf helfen. Bild: Heiko Rhode

Der Kapitän stärkt dem Trainer den Rücken und nimmt die Mannschaft in die Pflicht. Diese könne „nur über den Kampf“ zurück in die Spur finden. Dafür nehmen manche auch Extraeinheiten im Nieselregen auf sich.

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          Entspannt ist die Lage ganz und gar nicht. Doch der Stress wird noch zunehmen: Der Eintracht steht ihre letzte „Englische Woche“ dieser Bundesliga-Saison bevor. Den Auftakt für den Tabellen-Fünfzehnten bildet dabei das Heimspiel an diesem Sonntag zu ungewohnter Uhrzeit gegen FC Schalke04 (19.30 Uhr), danach geht es mittwochs in die Hauptstadt, um bei Hertha BSC anzutreten, ehe zum Abschluss Aufsteiger Ingolstadt am ersten März-Samstag in der Arena im Frankfurter Stadtwald zum Gastspiel aufläuft.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Armin Veh und seine Mannschaft sind in den Begegnungen mit den drei Gegnern, die zum Teil deutlich besser plaziert sind, beinahe schon zum Erfolg verdammt: Ihre Situation am unteren Ende des Bundesligaklassements verbesserte sich durch das torlose Unentschieden gegen den Hamburger SV allenfalls geringfügig. Bei ihrem Versuch, drei Mannschaften im Abstiegskampf hinter sich zu lassen, wuchs der Vorsprung vor Werder Bremen auf dem Relegationsrang auf zwei Zähler, während sich der Abstand zum Tabellenvierzehnten, den „Lilien“, auf zwei Punkte reduzierte.

          Zwischen Team und Trainer „stimmt alles“

          Für Alex Meier, ohne dessen 31 Treffer in den vergangenen beiden Spielzeiten die Eintracht noch wesentlich schlechter dastünde, besteht beim besten Willen kein Grund zur Zufriedenheit – aber auch (noch) nicht zu großer Hektik. Seit Sommer 2004 steht der Stürmer nun in Diensten der Hessen. In neun der zwölf Jahre seitdem, so erinnerte er sich, „mussten wir zittern“. Business as usual also? Nur einmal, vor fünf Jahren, waren Meier und die Eintracht der Bewährungsprobe nicht gewachsen und wurden, obwohl sie in der Rückrunde viele vermeintliche Rettungsanker geworfen hatten – inklusive Trainerwechsel und Sonder-Trainingslager im Westerwald –, vom Negativstrudel in den sportlichen Abgrund gerissen. Zwölf Gelegenheiten bleiben diesmal noch, um sich bis zum Rundenfinale Mitte Mai aus dem Schlamassel zu befreien. Meier, dem Kapitän, ist die wachsende Unruhe im Umfeld nicht verborgen geblieben. Wegen der ausbleibenden Erfolgserlebnisse war zuletzt gegen den HSV von einem Heimvorteil wenig spürbar: Viele Zuschauer haben die Geduld verloren und lassen Veh, den sie als Schuldigen für die Misere besonders in der Verantwortung sehen, sowie die von ihm nominierten Akteure ihren Frust spüren.

          Meier sagte dazu im Gespräch mit der „Frankfurter Neuen Presse“, dass niemand in Anbetracht der ungemütlichen Umstände erwarten könne, „dass wir spielerisch glänzen“. Dass der Coach in den Mittelpunkt der Kritik geriet, ist nach Ansicht des Routiniers wenig hilfreich – und sie müsste sich bei einer objektiveren Betrachtung der Fakten eigentlich relativieren. Veh sei weder schuld an unglücklichen Schiedsrichterentscheidungen, die ein besseres Abschneiden nach der Winterpause verhinderten, noch am Versagen der Eintracht-Profis vor dem gegnerischen Tor oder in der eigenen Abwehr. Dass die Notlage auch den Trainer mehr als gedacht beschäftigt, verdeutlichte zuletzt seine Fan-Schelte nach der Begegnung mit den Hanseaten. Am Dienstag äußerte sich der Fußball-Lehrer vergleichsweise kurz angebunden. Manchmal sei es besser im Leben, weniger zu sagen: „Besser, ich sag‘ nichts“, sagte er und zog sich in Richtung Umkleide zurück.

          Seferovic zeigt sich geläutert

          Zwischen Team und Trainer „stimmt alles“, sagte dagegen Meier, und auch innerhalb der Kabine herrsche unter den Kollegen trotz allem „große Harmonie“. Dass die Mannschaft in fünf Rückrundenspielen schon zweimal (gegen Wolfsburg und Hamburg) nach völlig missratenen ersten Halbzeiten nicht vorzeitig unter die Räder kam, sondern jeweils nach der Pause dagegenhielt, ist für ihn ein Hoffnungsschimmer, den die Schwarzmaler außer Acht ließen. Für Meier geht es „nur über den Kampf“ – und dazu sei das Team bereit. Um in der Ergebnis-Krise gegenzusteuern, so seine Überzeugung, sei gezielte Arbeit auf dem Übungsplatz ein geeignetes Rezept. Gesagt, getan. Auch am Dienstagmittag absolvierte der 33-Jährige, nachdem der überwiegende Rest der Mitstreiter schon vor dem Nieselregen Reißaus genommen hatte, noch mit Ersatzkeeper Yannick Zummack Überstunden. Dabei bekam er Unterstützung von einem Kollegen, der bislang nicht in dem Ruf stand, sich über Gebühr ertüchtigen zu wollen: Haris Seferovic.

          Der kürzlich von Veh noch schwer gescholtene, dann vorübergehend außen vor gelassene und nun wieder integrierte Schweizer wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gegen Schalke in der Startformation stehen. Dafür schoss er zusammen mit Meier noch aus allen Lagen Bälle aufs Tor. „Es ist viel passiert in den letzten Wochen, und ich habe meine Konsequenzen gezogen. Ich versuche mich generell in allen Sachen zu verbessern“, ließ der Nationalstürmer wissen. Auf seinem Facebook-Profil veröffentlichte er zudem Bilder, die ihn bei Übungen mit einem Personal-Trainer zeigen: „Hab’ mich entschieden, zusätzlich eine Schippe draufzulegen. Und ich fühle mich sehr gut (...) ich kämpfe um meine Chance und warte darauf“, so Seferovic weiter. Er sei bereit „und glaube an uns“. Das soll im Zweifelsfall ja sogar Berge versetzen können.

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