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Eintracht Frankfurt : In Abu Dhabi gegenseitig Gutes tun

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Vergangene Zeiten: Sportdirektor Bruno Hübner und Trainer Armin Veh im Trainingslager in Abu Dhabi, Januar 2013. Bild: Heiko Rhode

Die Eintracht hat auch im Interesse der Deutschen Fußball Liga ihr Winterquartier am Persischen Golf aufgeschlagen und soll dort als Botschafter wirken. Gleichwohl warnt Vorstandschef Bruchhagen vor unrealistischen Szenarien.

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          Die Kulisse aus Reichtum und Spendierfreude ist verführerisch. Aber Heribert Bruchhagen ist in der Reisegruppe der Frankfurter Eintracht, die am Mittwoch in Abu Dhabi eintraf, um hier ihr Trainingslager aufzuschlagen, wohl der Letzte, der sich verführen ließe. Die Fußball-Bundesliga, und mit ihr die Eintracht, hat in dieser Jahreszeit jahrelang anderswo im Süden Quartier bezogen, aber da kam keiner auf falsche Gedanken. In Spanien, Portugal oder der Türkei geht es ausschließlich um gutes Wetter, gute Trainingsplätze und gute Testspielgegner. Die Vereinigten Arabischen Emirate bieten als aktuelles Traumziel deutscher Bundesligavereine all das auch, aber der märchenhafte Wohlstand hier verheißt auf den ersten Blick zudem neue Einnahmequellen. Was Bruchhagen nach den Erfahrungen hier vor einem Jahr und seinem westfälischen Naturell gemäß doch etwas traumtänzerisch findet. „Wenn ich ein Marketingfachmann wäre“, sagt er, „dann könnte ich wunderbare Szenarien entwerfen.“ Um mit einem beinahe mitleidigen Lächeln hinzuzufügen: „Aber das lasse ich lieber.“ Soll heißen, dass sich die Eintracht auch im zweiten Jahr nacheinander in Abu Dhabi nicht als Vermarkter in eigener Sache sieht – sondern allenfalls als Botschafter der Deutschen Fußball Liga (DFL). Als einer von vielen.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch der FC Schalke, Testspielgegner der Frankfurter am Samstag, der VfL Wolfsburg und der Hamburger SV bereiten sich gerade in der Region auf die Rückrunde der Saison vor, und alle sind nicht nur im eigenen Interesse hier, sondern auch im Interesse ihrer Spielklasse in der Heimat. Das Ziel ist es, den Verkauf der Fernseh-Übertragungsrechte für das Ausland anzukurbeln, denn auf diesem Gebiet hinkt die Bundesliga anderen großen Ligen, allen voran der englischen Premier League, hinterher. DFL-Boss Christian Seifert sei sehr daran gelegen, dass sich die Bundesliga in den Emiraten zeige. Das sei auch im Vorstand der DFL, dem er ja angehört, immer wieder besprochen worden, sagt Bruchhagen. Schließlich müsse man „Fernsehrechte auch leben“, also präsent und verfügbar sein. Es hieß sogar schon, die Rechte am Bundesliga-Duell gegen die Schalker sei an einen Sender verkauft worden, aber das dementierte Bruchhagen.

          Hauptsponsor finden sei unrealistisch

          Um Spiele wie dieses fernab der Heimat zu ermöglichen, sei bei der DFL sogar ein eigener Fonds gegründet worden, um den Vereinen nach diversen Verteilungsschlüsseln Unterstützung zugutekommen zu lassen. Dass Trainingslager wie das der Frankfurter also mehr oder weniger von der DFL mitfinanziert werden, wollte Bruchhagen so unverblümt nicht stehenlassen. Dass es aber am Ende genau darauf hinausläuft, wollte er aber auch nicht mit aller Macht aus der Welt schaffen. Eindeutiger sind da schon die Vermarktungsperspektiven der Eintracht am Persischen Golf. Es gibt sie offenbar nur sehr eingeschränkt. Zu glauben, der Verein könne hier dereinst einen neuen Hauptsponsor, womöglich sogar mal einen Namensgeber für das WM-Stadion finden, wenn er denn einen braucht, sei geradezu naiv. „Ein solches Szenario hat keinen realistischen Hintergrund“, sagt Bruchhagen, es sei „zu neunundneunzig Prozent unwahr“. Das ist noch mal eine Steigerung zur ohnehin schon vorsichtigen Haltung, wie sie im vergangenen Jahr auch Finanzvorstand Axel Hellmann ausgegeben hatte. Von „Fußspuren“ sprach Hellmann, die es zu hinterlassen gelte, von vorbildlichem Auftreten der Mannschaft und der Vertiefung von Kontakten. Am besten vernetzt ist in der Region noch der Eintracht-Partner BHF-Bank, der die eine oder andere Tür zu öffnen vermag. Mehr ist nicht zu erwarten. „Wir tun uns gegenseitig etwas Gutes“, sagt Bruchhagen, und damit meint er nicht nur Verein und Bank, sondern auch Verein und DFL. Das sei doch schon was, denn die Erwartungen sollten nicht in den Wolken schweben. Den „Traum vom asiatischen Markt“ hält Bruchhagen für „einen Schuss avantgardistisch“ – in seinen Augen also nicht gerade wirklichkeitsnah.

          Das Problem mit den Wintertransfers

          So oder so hat die Eintracht noch genug Geld, um sich im Abstiegskampf in der Bundesliga neu zu positionieren, das haben zuletzt die Verpflichtungen von Alexander Madlung und Tobias Weis gezeigt – auch wenn Sportdirektor Bruno Hübner bei diesen Transfers keine hohen Zahlen aufrufen musste, um sie zu realisieren. Es könnte also sein, dass die knapp dreißig Mann starke Gruppe von Spielern, die sich in Abu Dhabi bei Temperaturen um 25 Grad auf die Rückrunde vorbereitet, noch weiter vergrößert wird. Allerdings gelten jene Einschränkungen und Schwierigkeiten, wie sie allen Wintertransfers zu eigen sind, egal, welcher Verein sie tätigt: Um diese Jahreszeit sind Profis der Kategorie 1 A kaum noch auf dem Markt oder nicht zu finanzieren. Was Bruchhagen an einem netten Beispiel verdeutlicht. Er und Trainer Armin Veh wollen sich die Option eines weiteren Transfers ja nicht nehmen lassen, aber das vermeintlich verlockende Geschäft, das der Eintracht-Boss skizzierte, lässt auf die Tendenz schließen: Wenn der FC Bayern der Eintracht seinen Stürmer Mario Mandzukic anbiete, „dann werden wir was tun“. Warten wir mal ab.

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