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Eintracht Frankfurt : „Ich bin immer da“

Unaufgeregt bis in die Haarspitzen: Oka Nikolov ist so zurückhaltend wie zuverlässig. Bild: Heiko Rhode

Oka Nikolov ist der dienstälteste Profi in der Bundesliga. Bei der Eintracht ist er Sympathieträger - und im Tor gilt der 38 Jahre alte Routinier als schier unverzichtbar.

          Mit jetzt 38 Jahren hat Oka Nikolov schon eine Menge erlebt bei Eintracht Frankfurt, aber diese Frage konnte auch er nicht beantworten. „Wo sind denn hier die Berge?“, fragte ein Mitspieler auf der Busfahrt am Montag ins Trainingslager nach Oberösterreich. Nikolov musste passen. Feldkirchen in der Nähe von Linz, da sind hohe Berge tatsächlich weit entfernt. Im gleichzeitig urigen und vornehmen „Hotel Schloss Mühldorf“ geht es auch für den scheinbar unverwüstlichen Routinier mit der Trikotnummer eins und der gefühlten Stammplatzgarantie um die Vorbereitung auf die neue Saison und da speziell auf das erste Heimspiel am 25. August gegen Bayer Leverkusen.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Rande des Trainingsplatzes, dort, wo ein paar Bäume wenigstens etwas Schutz vor der prallen Sonne bei knapp dreißig Grad gewähren, ist Nikolov ganz der Alte - so wie er fast immer war, seit er 1991 zur Eintracht kam: höflich, zurückhaltend, unaufgeregt bis in die Haarspitzen. Der Gegenentwurf zu den Lautsprechern des Gewerbes. In dieser Saison muss er sich vor allem mit dem Neuzugang Kevin Trapp vom 1. FC Kaiserslautern messen, aber auch an diesen Zweikampf geht er mit jener Gelassenheit heran, die ihn schon so viele Duelle um den Platz im Tor der Eintracht gewinnen ließ - zuletzt in der zweiten Liga zum Beispiel gegen Thomas Kessler, der den Verein längst wieder verlassen hat. Arbeiten und abwarten, was der Trainer sagt, anders ist es nie gewesen bei dem Odenwälder Urgestein. Er habe sich in all den Jahren in Frankfurt „noch nie mit jemandem gestritten oder geprügelt“, sagt er und muss nicht hinzufügen, dass das auch bei Trapp so sein wird.

          In Frankfurt eine Ikone

          Der junge Kollege, 22 Jahre alt, trainiert derzeit einerseits neben dem altvertrauten Nikolov, aber gleichzeitig neben einem veränderten. „Ich brauche länger, um mich zu erholen“, sagt der nach dem Training am Dienstagmorgen, dem ersten von zwei an diesem Tag. Er müsse noch genauer als früher auf seinen Körper hören, was in seinem Alter natürlich kein Wunder ist. Und die Frage, ob der denn seine Entscheidung über eine Fortsetzung der schon so langen Karriere immer noch von Jahr zu Jahr fälle, beantwortet er mit einem Schmunzeln. „Nein, von Monat zu Monat.“ Trainer Armin Veh hat sich jetzt, so früh in der Saisonvorbereitung, noch nicht entschieden, wer am ersten Spieltag im Tor der Eintracht steht, aber wenn es Nikolov wäre, würde es keinen wundern. Dafür spricht nicht nur die Erfahrung der vergangenen Jahre, sondern auch die aktuellste Statistik. Die Zahlen, die den Wert eines Fußballspielers spiegeln sollen, sind heute viel komplexer als zu Nikolovs Anfängen in Frankfurt, und sie haben neben den 31 Einsätzen in der Startelf in der Aufstiegssaison noch andere Informationsperlen parat. Zum Beispiel: 72,64 Prozent gehaltene Bälle, 124 angekommene Abwürfe, 12 Zu-Null-Spiele, 29 abgefangene Flanken und die selbe Zahl an Gegentoren, 1080 Ballkontakte und 2740 Spielminuten. Der gläserne Profi Nikolov braucht solches Zahlenwerk allerdings gar nicht, um als unverzichtbar zu gelten. Er ist es so oder so, sportlich und charakterlich. Und das mit dem einfachen Lebensmotto: „Ich versuche ich zu bleiben und mich nicht zu verändern.“ Der dienstälteste Profi der ganzen Bundesliga hat allerdings auch das noch nicht erlebt: eine Sommerpause von historischer Länge. Das letzte Spiel in der vergangenen Zweitligasaison fand am 6. Mai statt, und bis zur Partie gegen Leverkusen sind es immer noch mehr als drei Wochen. „Es ist schon extrem lang“, sagt Nikolov - obwohl er schon einige Pausen nach Europameisterschaften oder Weltmeisterschaften erlebt habe.

          Darüber kann er in Feldkirchen auch seinem Zimmernachbarn mit allerlei Vergleichen aus den vergangenen 21 Jahren erzählen, einem Spieler, der sein Sohn sein könnte: Sonny Kittel, gerade mal 19 Jahre alt, aber schon einer, der es seinem routinierten Mitbewohner angetan hat. „Er ist extrem ehrgeizig“, sagt Nikolov anerkennend über den aufstrebenden Techniker. „Ich weiß nicht, ob ich in dem Alter so ehrgeizig war.“ In jedem Fall hat der eigene Ehrgeiz gereicht, um in Frankfurt schon jetzt eine Ikone zu sein - zuletzt wieder zu sehen bei der Saison-Eröffnungsfeier der Eintracht an der Arena. Nikolov ist, was die Sympathiewerte betrifft, ebenfalls die Nummer eins in Frankfurt. Aber auch das nimmt er mit einem Schmunzeln. „Die Mannschaft wechselt so oft“, sagt er. „Aber ich bin immer da.“ Es könnte auch sein Motto für die kommende Saison sein.

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