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Eintracht Frankfurt : Höchste Zeit für Sebastian Rode

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Mittendrin: Sebastian Rode im Kreis seiner neuen Kollegen bei der Eintracht. Bild: Jan Huebner

Die Fans bereiten dem Rückkehrer einen freundlichen Empfang. Für den Fußball-Kämpfer steht nach den verlorenen Jahren in Dortmund bei der Eintracht viel auf dem Spiel.

          Sebastian Rode schaute auf und reagierte mit einem zaghaften Winken auf die vereinzelten „Seppl, Seppl!“-Rufe. Was für ein Empfang bei seinem Neuanfang an alter Wirkungsstätte am Donnerstag! Als der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler, der bisher die einzige Winter-Neuverpflichtung der Frankfurter ist, an der WM-Arena die Treppen zum Trainingsplatz herunterlief, blickte er in eine kunterbunt gemischte Menschenmenge von Eintracht-Fans. Rund 1500 hatten sich trotz des kalten und tristen Wetters eingefunden, um die Mannschaft am ersten Arbeitstag nach dem Weihnachtsurlaub zahlreich und herzlich zu begrüßen. Einige von ihnen standen an vorderster Front Spalier, als Rode und seine Kollegen in einer Reihe vorbeizogen. Der gebürtige Hesse – er stammt aus Alsbach-Hähnlein an der Bergstraße – klatschte die ihm zugestreckten Hände ab oder nickte freundlich mit dem Kopf. „Für mich ist die Eintracht eine Herzensangelegenheit, sie hatte Priorität“, hatte die Dortmunder Leihgabe davor in einer Presserunde seine Heimatverbundenheit zum Ausdruck gebracht.

          Schon im August wusste Rode, dass er sportlich beim aktuellen Bundesliga-Tabellenführer unter dem neuen Trainer Lucien Favre keine Zukunft mehr haben würde. Man habe ihm mitgeteilt, berichtete der ehemalige U-21-Nationalspieler, dass mit ihm „wenig gerechnet“ werde, dass es „selbst in den englischen Wochen schwer“ für ihn werde, zu Einsätzen zu kommen. So war es auch: Rode musste sich in der Hinrunde mit zwei Einsätzen in der zweiten Vereinsmannschaft in der viertklassigen Regionalliga West begnügen. Warum es nicht mehr wurden, um wenigstens ein bisschen Spielpraxis zu sammeln? „Irgendwo auf einem Dorfacker zu spielen, das muss nicht unbedingt sein“, sagte Rode. Das war bei ihm kein Anflug von Arroganz. Er ist bodenständig und bescheiden geblieben, diesen Eindruck vermittelte er bei seiner Präsentation.

          Beschwerdefrei und voller Motivation

          Im Spätsommer scheiterte sein Blitzwechsel zur Eintracht wohl noch aus wirtschaftlichen Gründen. Nun wird es höchste Zeit für Rode, in Frankfurt wieder an seine besseren Zeiten anzuknüpfen. Die kommenden Monate seien für ihn „eine sehr wichtige Phase“, betonte er. „Ich will und muss es jedem zeigen, dass ich zu alter Form finde, dass ich auf den Platz gehöre und dass es richtig von der Eintracht war, mich zu holen.“ Hinter ihm liegt eine „harte Zeit“, die zurückliegenden zwei Jahre in Dortmund seien „beschissen“ gewesen. Rode, der vorbildliche Kämpfer auf dem Platz, kämpfte abseits des Rasens immer wieder mit Verletzungen und körperlichen Beeinträchtigungen. Vor allem seine Schambeinentzündung erwies sich als hartnäckig. Ihm kamen auch Zweifel ob seiner Tauglichkeit für den Profifußball auf höchstem Niveau, daraus macht er keinen Hehl. „Ich hatte schon den einen oder anderen Gedanken, wenn die Schmerzen wieder nicht weggegangen sind, obwohl ich immer wieder etwas Neues probiert hatte.“ Eine Operation im Frühjahr 2017, die „hervorragend verlaufen“ sei, brachte dann die Wende. Rode ist seitdem beschwerdefrei, „ich kann überall reinspringen und reingrätschen. Mir geht es gut. Ich habe wieder volles Vertrauen in meinen Körper.“ Im Brustton der Überzeugung sagte Rode jetzt auch: „Ich habe nie den Glauben an mich verloren.“

          Seine Rückkehr nach Frankfurt, wo er bereits von 2010 bis 2014 unter Vertrag stand, soll zu einem Geschäft auf Gegenseitigkeit werden. Rode wünscht sich eine „Win-win-Situation“. Die Eintracht möge national und international weiter erfolgreich sein und er mit vielen Einsätzen seinen Beitrag dazu leisten, so lautet seine Idealvorstellung. Sein neuer Cheftrainer Adi Hütter, laut Rode ein „sehr sympathischer Typ“, sieht in ihm das Potential zum Führungsspieler. „Auf Klick“ werde das jedoch nicht funktionieren, meint dieser ehrlich. Gleichwohl will Rode versuchen, mit seiner Erfahrung „vorweg zu gehen. Ich bringe einen großen Erfahrungsschatz mit.“

          Wiedereingliederung und Trainingscamp

          Bei den Bayern in München hatte er nach seinem Weggang aus Frankfurt „eine wunderbare Zeit. Ich habe viele Sachen mitnehmen können und mich fußballerisch weiterentwickelt“. Für ihn ist Pep Guardiola „immer noch einer der besten Trainer der Welt. Was er einer Mannschaft vermitteln kann, ist unglaublich“, erzählt Rode. Bei seiner Wiedereingliederung in den Erstliga-Spielbetrieb wähnt er sich im Vorteil, weil er die Eintracht und ihr Umfeld gut kennen würde. „Und ich komme in eine intakte und homogene Truppe.“ Eine mit „sehr großer Power. In der Eintracht steckt enormes Potential“, sagte Rode. Seine Rolle auf dem Platz sei die des „Sechsers oder Achters“. Die 17, das ist seine neue Trikotnummer. Diese trug zuletzt Kevin-Prince Boateng. „Ich hoffe, sie bringt mir Glück“, sagte Rode.

          Seine neuen Mitspieler richtig kennenlernen wird er in den Vereinigten Staaten, die Eintracht fliegt an diesem Freitag ins Trainingslager nach Tampa/Florida. Torhüter Kevin Trapp, Kapitän David Abraham, die Mexikaner Marco Fabián und Carlos Salcedo sowie Jonathan de Guzmán und Allan Souza reisen jeweils von ihren Urlaubszielen direkt nach Florida an. An der ersten Trainingseinheit in Frankfurt beteiligten sich auch die zuletzt verletzten Makoto Hasebe und Timothy Chandler. Mittendrin im Geschehen der altbekannte Neue. „Ich werde Vollgas geben“, versprach Rode. Aber die Wahrheit liege auf dem Platz, fügte er mit einer Portion Realismus hinzu: „Ich muss zeigen, wie fit ich bin.“

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