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Eintracht Frankfurt : Hauptsache, die Offensive stimmt

  • -Aktualisiert am

Klare Ansprache: Trainer Thomas Schaaf lässt seine Offensive im Training vorwärts verteidigen und erklärt, wie es geht. Bild: Jan Huebner

Mit der Verteidigungsbereitschaft der Eintracht steht es nicht zum Besten. Aber der Blick in die Absteiger-Statistik zeigt: Tore zu schießen ist wichtiger als Tore zu verhindern.

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          Es sieht nicht gerade gut aus, dass die Frankfurter Eintracht ausgerechnet am nächsten Samstag im Heimspiel gegen Schalke 04 ihre notorische Verteidigungsschwäche ablegt. Abwehrchef Carlos Zambrano ist wegen seiner fünften Gelben Karte gesperrt und sein Standardpartner in der Innenverteidigung, Bamba Anderson, kann vielleicht auch nicht mitspielen. Der Brasilianer fehlte am Mittwoch im Training wegen einer Erkältung. Dazu trabten die beiden Profis, die zuletzt am häufigsten auf den Positionen im defensiven Mittelfeld spielten, Makoto Hasebe und Marc Stendera, nur um den Platz, während ihre Kollegen mit mehr oder weniger großem Tempo den Bällen nachjagten. Den Japaner plagen Rückenbeschwerden, den Jugend-Europameister Wadenschmerzen. Beide hoffen jedoch, an diesem Donnerstag wieder richtig mitwirken zu können.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Am Mittwoch stand eine Übung im Mittelpunkt des Trainingsgeschehens, die die Verteidigungsbereitschaft in vorderster Linie stärken sollte. Gegen eine Fünfer-Abwehrkette (Schalkes übliche Formation) mussten die Angreifer versuchen, deren Spieleröffnung zu verhindern oder wenigstens zu verzögern. Eine direkte Folge aus der Analyse des Augsburger Spiels? „Wir trainieren Dinge, die auffällig sind, die wir verbessern müssen“, lautete die Antwort von Eintracht-Trainer Thomas Schaaf. Die Erkenntnis der vergangenen Wochen: „Wir machen es dem Gegner zu einfach.“

          41 Gegentore sind nicht zu akzeptieren

          Damit meinte er aber nicht unbedingt die Löchrigkeit im Mittelfeld, die in Augsburg besonders auffiel. Mehrmals musste Torwart Trapp retten, nachdem die Augsburger fast ungehindert durch die Eintracht-Hälfte spazieren konnten. „Wie sind denn die Tore gefallen? Da war nichts mit Kontern, nichts mit zu vielen Spieler vorne, sondern es waren zwei Standardsituationen, in denen alle hinten waren, wo wir zugeguckt haben, wo wir Zweikämpfe verloren haben.“ Schaaf kann sich auch noch drei Tage nach dem 2:2 in Rage reden, wenn er die Leistung seines Teams analysiert.

          Die Thematik begleitet ihn schon lange. 41 Gegentore in 20 Begegnungen sind nicht zu akzeptieren, und so langsam fällt es auf den Trainer zurück, dass keine Besserung eintritt. Schaaf argumentiert immer noch mit dem Zeitfaktor. Es sei normal, dass die Abläufe noch nicht aufeinander eingespielt seien. „Es handelt sich nicht um Maschinen, die auf dem Fußballplatz sind“, sagt Schaaf. „Deshalb kann man nicht einfach zwei austauschen, die nicht funktionieren. Es sind Menschen, die alle ihre Vorstellungen haben. Wir machen die Dinge zum Teil sehr, sehr gut, zum Teil begehen wir noch grobe Fehler. Das können wir nicht von heute auf morgen abstellen.“

          Angriff ist die beste Verteidigung

          Gemeinhin gilt der Satz, dass es im Fußball taktisch nichts Leichters gebe, als einen Abwehrriegel aufzubauen. Und nichts Schwereres, als eine Mannschaft, die mauert, auszuhebeln. Jedenfalls sagen das die Trainer, die gegen eine stark defensiv ausgerichtete Mannschaft Schwierigkeiten hatten oder gar an ihr scheiterten. Schaaf lässt das nicht gelten. „Wer sagt so etwas? Das müssen Ahnungslose sein. Ich frage mich, wie viele Spiele diese Trainer gewonnen haben und wie oft sie abgestiegen sind.“

          Der Eintracht-Trainer denkt trotz der vielen Gegentore noch nicht an eine taktische Totaloperation. Und ein Blick in die Statistiken gibt ihm recht. In den vergangenen Jahren stiegen nicht die Mannschaften mit den meisten Gegentoren ab, sondern die, die zu wenige schossen. Die einzige Ausnahme bildet der 1. FC Köln, der in der Saison 2011/12 als Siebzehnter mit 75 Gegentreffern in die Zweite Liga abrutschte. In dieser Spielzeit wurde der 1. FC Kaiserslautern mit nur 54 Gegentreffern Letzter.

          Das krasseste Beispiel für einen defensivstarken Absteiger bildet die Frankfurter Eintracht selbst. 2010/11 stürzten die Hessen mit nur 49 Gegentoren in die Zweitklassigkeit. Zum Vergleich: Kaiserslautern wurde mit 51 Gegentoren Siebter, Borussia Mönchengladbach mit 65 Gegentoren 16. Die Gladbacher retteten sich dann in den Relegationsspielen. Das gelang im vorigen Frühsommer auch dem HSV, der mit 75 Gegentreffern die löchrigste Abwehr der vergangenen Jahre stellte (neben den schon erwähnten Kölnern). Es gibt also Hoffnung für die Eintracht, auch wenn sie ihre Defensivprobleme nicht in den Griff bekommen sollte. Sie muss nur darauf achten, dass die Offensive nicht leidet.

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