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Eintracht Frankfurt : Gut ist nicht gut genug

Hört, hört! Nachwuchsspieler Enis Bunjaki trifft für die Eintracht. Trotzdem läuft beim Hallenturnier für das Team längst nicht alles nach Plan. Bild: Jan Huebner

Eintracht-Trainer Schaaf verzichtet beim „Frankfurt-Cup“ auf die meisten Profis, die trotzdem Sympathiepunkte sammeln. Die Talente schlagen sich achtbar, werden von Turniersieger FSV aber vorgeführt. „Viele Anfragen“ für Kadlec.

          Der Spaß am Spiel war mit einem Mal verflogen. Bruno Hübner gehörte zu den Ersten in der Ballsporthalle, die von der traurigen Nachricht erfahren hatten. Den Unfalltod des Wolfsburger Profis Junior Malanda kommentierte der sichtlich bewegte Sportdirektor der Eintracht mit zwei Worten: „Einfach unfassbar.“ Bis dahin war der Fußballabend für ihn und seine Mannschaft ganz angenehm verlaufen. Das erste Spiel beim „Frankfurt-Cup“ hatten sie gegen den Grashopper Club Zürich 3:1 gewonnen und mit ihrem Team, das zur Hälfte aus Jugendspielern bestand, gegen Titelverteidiger Greuther Fürth (3:5) lange Widerstand gezeigt.

          Auch unter den Akteuren in der „Spieler-Lounge“ in den Katakomben der Arena war das Unglück des Kollegen im Laufe des Abends ein vorherrschendes Thema. Malanda hatte im Spätsommer in der Bundesliga für Schlagzeilen gesorgt, als er sowohl gegen den FC Bayern als auch die Eintracht zwei Chancen ausgelassen hatte, die ein Profi seiner Qualität üblicherweise nicht so leichtfertig vergibt. In der Partie gegen Frankfurt (2:2) brachte der Belgier in der Nachspielzeit aus kürzester Entfernung unbedrängt den Ball nicht im Netz unter, schoss vielmehr den eigentlich schon geschlagenen Keeper Kevin Trapp an. „Ich dachte eigentlich, das ist ein sicheres Tor, und plötzlich prallte mir der Ball gegen den Oberkörper, unglaublich“, erinnerte sich Trapp an die Szene vom 30. August. Am Samstag reagierte er wie alle seine Mitstreiter „tief betroffen und entsetzt über den tragischen Unfalltod von Junior Malanda“, wie der Klub twitterte.

          Schaaf ohne Risikolust

          Der von seinem Syndesmosebandriss genesene Trapp gehörte wie der Rest der Stammspieler im Kader von Trainer Thomas Schaaf zu den 5000 Zuschauern der fünfstündigen Veranstaltung. Anders als in den Vorjahren unter Armin Veh, der dem Trubel in Höchst keinen großen Stellenwert einräumte und lieber freimachte, ernannte Schaaf die traditionsreiche Zusammenkunft zu einem Pflichttermin. Er erschien mit dem kompletten Betreuerstab, wobei sein Assistent Wolfgang Rolff die Arbeit hinter der Bande übernahm; und auch alle Spieler, die nicht ins Geschehen eingriffen, hatten anzutreten und sich zum Autogrammeschreiben und Fotografieren mit den Fans zur Verfügung zu stellen. Sympathiepunkte sammelte der Eintracht-Tross so einige. Zu mehr reichte es nicht. Denn als weiterer Muntermacher zum Auftakt ins neue Sportjahr taugte der heimische „Hallen-Cup“ eine Woche nach dem Sieg in Mannheim nicht.

          Schaaf, der selbst als Aktiver ein großer Freund des Hallenfußballs war und im Trikot von Werder Bremen „von Dortmund bis Berlin überall bei den Masters-Turnieren dabei war“, wollte als Coach der Eintracht kein Risiko eingehen. Er habe „Rücksicht genommen auf die Vergangenheit“ und niemanden nominiert, der in der Hinrunde zuletzt über Beschwerden klagte. Zumal sich Sonny Kittel 2014 an gleicher Stelle kurz nach seiner abgeschlossenen Reha-Phase nach einer Knieoperation abermals mehrere Bänder riss. Stattdessen präsentierte sich die Eintracht mit einer Aufstellung, deren Namen selbst Eingeweihten nicht ohne weiteres eingefallen wären: Yannick Zummack, Adrian Matuschewski, Volkan Egri, Nico Rinderknecht und Ilias Azouaghi hießen die fünf Talente, die üblicherweise in der B-Jugend eingesetzt werden, diesmal aber die Rolle des Lückenbüßers spielen durften.

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