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Eintracht Frankfurt : Ein Sieg für die Seele

Die nächste Chance: Ben-Hatira hätte mehr als nur einmal Zieler überwinden können. Gereicht hat es trotzdem für ein gelungenes Heimdebüt von Trainer Kovac. Bild: Wonge Bergmann

Durch das 1:0 gegen Hannover tankt die Eintracht im Kampf um den Klassenverbleib ein wenig Selbstvertrauen, obwohl es in der Tabelle weiter abwärts geht.

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          Erstaunlich, wie die Mechanismen wirken. Da kommt ein neuer Trainer, krempelt viele Dinge um, tauscht fleißig das Personal aus – und darf sich bei seinem Heimdebüt von einem Profi beschenkt fühlen, der seit Wochen keine Rolle mehr gespielt hat. Von der Tribüne in die Startelf: Die Geschichte rund um Änis Ben-Hatira hat sich tatsächlich so zugetragen. Und vermutlich ist es auch wirklich nur ein Zufall, dass sowohl Eintracht-Trainer Niko Kovac als auch Ben-Hatira biographische Parallelen aufweisen. Beide sind im Berliner Stadtteil Wedding aufgewachsen, beide gelten als Malocher. Und beide haben sie am Samstag, als es zählte, für die Eintracht den selbstgestellten Auftrag erfüllt: Sieg gegen Hannover 96. Schütze des Abends war – Ben-Hatira.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Fast wie einst Lothar Emmerich bugsierte der 27 Jahre alte Linksaußen den Ball unmittelbar von der Torlinie aus in der 33. Minute zwischen die Pfosten. „Es war instinktiv“, berichtete der Mittelfeldmann später. „Ich habe einfach nur spekuliert, ob der Ball noch zu mir kommt und wusste aus dem Augenwinkel ungefähr, wo das Tor steht, und habe es dann versucht mit dem schwachen Rechten. Ist dann Gott sei Dank reingegangen.“ Ein Kunstschuss, der bei der Eintracht und dem Gros der 43.300 Zuschauer für Erleichterung sorgte – auch weil Schiedsrichter Wolfgang Stark übersehen hatte, dass Vorlagengeber Stefan Aigner zuvor im Abseits stand.

          Gleich mehrere Überraschungen

          Zwar rutschten die Frankfurter trotz des Heimerfolgs von Tabellenplatz 16 auf 17 ab. Doch die Abstände zu den vier, fünf Mitkonkurrenten um den Klassenverbleib sind marginal. „Dass es schwer wird, wissen wir. Aber auch Dortmund ist zu Hause machbar“, sagte Ben-Hatira über die sieben noch ausstehenden Prüfungen bis zum Saisonfinale Mitte Mai. „Mit dem 1:0 gegen Hannover haben wir uns alle belohnt. Es war nur eine Frage der Zeit, dass sich die guten Einheiten unter Kovac auszahlen würden“, sagte er, der in der Winterpause bei Hertha BSC nach einer Prügelei mit Mitchell Weiser vor dem Rauswurf stand und mit dem Wechsel zur Eintracht seiner Entlassung zuvorkam. „Ich schaue nicht zurück“, sagte er am Samstag, „das bringt nichts.“ Am Tag, als Kovac sich erstmals vor der freundlich gestimmten Kulisse an seinem neuen Frankfurter Arbeitsplatz präsentierte, gab es so manche Überraschung.

          Die erste: Ben-Hatira stand in der Startelf. Auch ein Infekt hatte ihn zuletzt zurückgeworfen. „Mich hatte es brutal erwischt“, erzählte er nach dem erst zweiten Rückrundensieg. „Ich war zehn Tage außer Gefecht. Doch der Doc und die Fitnesstrainer haben mich wieder hingekriegt.“ Ben-Hatira dankte es mit seinem Tor – und hätte sogar noch weitere Treffer erzielen müssen. Doch zweimal vergab er freistehend vor 96-Keeper Ron-Robert Zieler, als er es im Umgang mit dem Ball an der entscheidenden technischen Fertigkeit mangeln ließ. „Das ärgert mich“, sagte der Siegtorschütze. „Aber ich bin trotzdem erleichtert und froh. „Gerade für die Köpfe der Spieler ist es sehr wichtig, dass wir endlich mal wieder einen Sieg gelandet haben Schon jetzt freuen wir uns auf München. Da werden wir uns den Hintern aufreißen“, kündigte er mit markigen Worten an. Er selbst sei ein Spieler, der mit dem Druck klarkommt. „Ich mag den Druck.“

          Erster Heimsieg ohne Gegentor in dieser Saison

          Bis sich die Frankfurter Reisegesellschaft am 1. April auf den Weg zum Gastspiel beim FC Bayern aufmacht, dauert es noch. Wegen der Länderspielpause ruht in den kommenden zwei Wochen der Spielbetrieb in der Bundesliga. Zeit und Gelegenheit für Kovac, weiter am Zusammenhalt seiner Mannschaft zu arbeiten. „Der Sieg war wichtig für die Seele“, sagte der Eintracht-Coach. „Wir müssen weiter hart arbeiten.“ Geschehen wird dies wie in den vergangenen Tagen seit seinem Dienstantritt auf dem Übungsareal an der Frankfurter Arena. Der Plan, ein Kurztrainingslager in der Region abzuhalten, wurde mangels erstklassiger Alternativen verworfen. Kovac bleibt zu Hause, trainiert in der Regel zweimal täglich und wird seine Mannschaft von morgens bis abends um sich versammeln. „Wir beziehen ein Tageshotel. Abends können die Spieler dann zu ihren Familien gehen“, sagte Kovac über die Maßnahme, die von Dienstag an bis Ostersamstag greifen soll.

          Ein gutes Dutzend Akteure wird nicht dabei sein, denn die deutschen und ausländischen Nationalspieler der Eintracht sind wieder einmal rund um den Globus im Einsatz. Für Kovac und seinen Bruder und Assistenten Robert macht es nicht leichter, mit reduziertem Kader weiter an Form und Formation der Mannschaft zu feilen, zumal sich auch noch Stefan Reinartz am rechten Sprunggelenk verletzt hat und sich an diesem Montag einer MRT-Untersuchung unterzieht.

          Dass seine Heimpremiere den gewünschten Erfolg mit sich brachte, konnte sich Kovac zu einem gewissen Teil selbst zuschreiben: Er war es schließlich, der die Mannschaft gehörig ins Rotieren und gleich fünf neue Spieler gebracht hat. Mittendrin: Ben-Hatira. „Ein Spieler, der den Unterschied machen kann“, wie Kovac nach dem 1:0 gegen den designierten ersten Absteiger Hannover 96 bemerkte. „Er hat richtig Gas gegeben und sich selbst belohnt.“ Kovac fand es zudem „wichtig, dass wir zu null gespielt haben“. Das 1:0 war überhaupt der erste Heimsieg ohne Gegentor in dieser Saison. „Die Jungs haben gezeigt, dass man mit Leidenschaft Siege erzielen kann“, so Kovac, der die Gelegenheit nutzte, sich „im Namen der Mannschaft bei den Fans zu bedanken“. Ben-Hatira glaubt, dass von dem Erfolg eine Schubwirkung ausgehen kann. „Die letzten zehn Tage haben uns als Team zusammengeschweißt“, sagte der Angreifer. „Das ist es, worauf es ankommt.“

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