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Eintracht Frankfurt : Geld für die Rebics von morgen

Stadionkonzept: Nachhaltigkeit gefordert bei Investitionen für die nächsten 15 Jahre. Bild: Bernd Kammerer

Die Eintracht verspricht sich von einem neuen Stadionkonzept bessere Wachstumschancen. Das Spielerbudget soll dabei auf 60 Millionen Euro steigen. Der Klub will sich als europäisches Spitzenteam etablieren.

          Länderspielpause. Zeit für die Frankfurter Eintracht, um nach einer rauschhaften Woche das Erlebte zu verarbeiten und einzuordnen. Während manche Fans nach zwei Bundesligasiegen und der „magischen Nacht“ in der Europa League sich einbilden, ihr Klub wäre schon ein europäisches Spitzenteam, gibt es von den Vereinsverantwortlichen keinerlei übermütige Aussagen. Der Stolz auf die erbrachten Leistungen gegen Hannover, Lazio Rom und die TSG Hoffenheim dringt durch, aber dass die Eintracht schon ein neues Niveau, oberhalb des Bundesliga-Mittelmaßes, erreicht habe, diesem Glauben geben sich weder Sportvorstand Fredi Bobic noch Sportdirektor Bruno Hübner und schon gar nicht Adi Hütter und sein Trainerteam hin. Sie sind froh, dass sich nach holprigen Saisonstart die Mannschaft stabilisiert hat und die Kurskorrekturen des Cheftrainers wirken: Seit Makoto Hasebe wieder Herz und Seele der Dreierabwehrkette ist, und Hütter vor einem variablen Fünfer-Mittelfeld mit zwei Spitzen angreifen lässt, stimmt die Statik. Und je sicherer sich die Profis fühlen, umso leidenschaftlicher, aggressiver und dadurch erfolgreicher gehen sie auch wieder ihrer Arbeit nach. Die Bereitschaft, alles zu geben, sieht Hütter als Basis für weitere Punktgewinne: „Zehn Prozent weniger und es wird sehr, sehr schwer für uns, etwas zu erreichen.“

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Wie die Abteilung Sport sieht Vorstandsmitglied Axel Hellmann für seinen Bereich, die Vermarktung, keine großen kurzfristigen Effekte durch den unverhofften Höhenflug in der Europa League. „Das 4:1 über Lazio hat international schon Wellen geschlagen, und das Resultat stärkt die Marke Eintracht als Ganzes. Aber auf die Schnelle wird das nicht zu großen finanziellen Sprüngen führen.“ Das liegt vor allem daran, dass die Eintracht sozusagen schon ausverkauft ist. Mehr als 13 Partner und 54 Sponsoren kann der Klub im Stadion gar nicht präsentieren. Auch Logen und Business-Seats sind nicht mehr erhältlich. Weitere Werbebanden und andere Reklameflächen einzurichten, sei laut Hellmann keine Option: „Dann blinkt und piepst es überall im Stadion, das wollen wir nicht. Das Stadionerlebnis der Zuschauer steht für uns im Mittelpunkt, so werden sie zu Eintracht-Fans.“

          Der finanzielle Rahmen der Eintracht sei trotz des Sondereffekts des Pokalsiegs und dem damit verbundenen Einzug in die Europa League bis ins Jahr 2020 ziemlich eng gefasst. Man bewege sich in der Bundesliga zwischen den Positionen zehn und 14 (ohne Europa League), was mit der schlechten Kostensituation zu tun hat. Der Vertrag mit dem Vermarkter Lagadère sowie der Kontrakt für die Stadionnutzung mit der Stadt Frankfurt wurden zu einem Zeitpunkt geschlossen, an dem die Eintracht durch wirtschaftliche Nöte in einer schlechten Verhandlungsposition war. Die Eintracht zahlt an Lagadère sechs Millionen Euro und an Miete um die zehn Millionen Euro jährlich, ohne jeden Einfluss auf die Bewirtschaftung und Gestaltung des Stadions.

          Nachhaltigkeit statt „Onehitwonder“

          2020 laufen die Verträge aus, und Hellmann hofft, dass die neuen viel günstiger werden. „Wenn wir die Kosten halbieren, würden sechs bis acht Millionen Euro netto frei werden, das sind in Beine umgerechnet zwei gute Spieler der Klasse von Ante Rebic. Damit hätten wir ein Spielerbudget von etwa 60 Millionen Euro und würden in der Bundesliga auf den Plätzen acht bis zehn liegen und nicht mehr zwischen zehn und 14“, sagt Hellmann.

          Ihr Stadionkonzept für die nächsten 15 Jahre, beginnend mit 2020, hat die Eintracht in den vergangenen zwei Jahren detailliert entwickelt. 30 Millionen Euro ist sie bereit, in die Digitalisierung der Arena zu investieren. Auch eine Miete würde die Eintracht weiter zahlen. Dafür möchte sie allerdings in Zukunft das Stadion betreiben. „Die Zahlung einer Miete an die Stadt stellt kein Problem für uns dar, es geht uns um den Zugang der Erlösquellen aus der Bewirtschaftung oder dem Namensrecht“, so Hellmann.

          Künftiger Stadionausbau

          Auch wie sich die Eintracht einen künftigen Stadionausbau vorstellt, hat sie hinterlegt. Durch die Vergabe der Europameisterschaft 2024 an Deutschland bekommt dieses Thema einen Aktualitätsschub. Die Eintracht erachtet eine Erweiterung auf 54.000 Sitzplätze (die Kapazität für die Europameisterschaft) als sinnvoll. Für den Bundesligabetrieb sollten dann etwa 4000 Sitzplätze in etwa 10.000 Stehplätze umgewandelt werden, so dass die Kapazität auf 60.000 bis 61.000 steigen würde. „Wir wollen kein Onehitwonder zur Europameisterschaft, sondern Nachhaltigkeit, die auch die Belange des Klubs, der das Stadion weiter nutzt, einbezieht – unter der Prämisse, so wenig Steuermittel wie möglich einzusetzen“, sagt Hellmann.

          Die Stadt Frankfurt hält sich noch bedeckt, wie sie sich die Zukunft der Arena vorstellt. Das Verhältnis zwischen dem Magistrat und dem Verein ist allerdings so gut wie schon lange nicht mehr – was natürlich auch mit dem sportlichen Erfolg der Eintracht zusammenhängt. Ein Zeichen der Nähe: Am Korso nach dem Pokalsieg waren auch Oberbürgermeister Feldmann und Sportdezernent Frank beteiligt. Es ist keine gewagte Prognose: Je überzeugender die Eintracht in den kommenden Monaten agiert, desto größer wird der Druck auf die Stadt, auf die Vorstellungen des Klubs einzugehen. Schon deshalb wären ein paar weitere „magische Nächte“ wirkungsvoll.

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