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Eintracht Frankfurt : Schlag auf Schlag

Das waren Zeiten: Da Costa hängt Loftus-Cheek vom FC Chelsea ab. Bild: Imago

Setzt sich die Eintracht gegen Tallinn durch, geht die Qualifikations-Reise in Ungarn oder Liechtenstein weiter. Spekulationen um Boateng, Klubs aus der Premier League legen im Poker um Hinteregger nach.

          Zweieinhalb Monate ist es her, dass ihre Traumreise auf dramatische Weise ein jähes Ende fand. Die Niederlage im Elfmeterschießen (4:5) im Rückspiel beim FC Chelsea besiegelte am 9. Mai das Aus im Halbfinale der Europa League, wobei hinterher bei Profis wie Fans der Eintracht gleichermaßen Tränen der Enttäuschung flossen.

          In dieser Woche nimmt das Team, aufs Neue unterstützt von einer bemerkenswerten Anzahl an Supportern, in diesem internationalen Wettbewerb, der in der selbsternannten Europastadt Frankfurt eine wesentlich höhere Wertschätzung besitzt als an vielen anderen Fußball-Standorten, den nächsten Anlauf, um über die Grenzen hinaus Eindruck zu hinterlassen: Die erste Pflichtspiel-Dienstreise führt nach Estland. In der zweiten Qualifikationsrunde zum zweitwichtigsten Klub-Contest der Uefa treffen die Hessen am Donnerstag (19 Uhr, live bei Nitro) auf Flora Tallinn.

          Vorbereitung auf das Match

          Die Vorbereitung auf das Match, das für Adi Hütter und seine Auswahl eine frühzeitige Qualitätskontrolle bedeutet, läuft in der Heimat hinter verschlossenen Türen ab. Der Trainer möchte sich nicht in die Karten schauen lassen, wie er den an einigen Stellen unfertigen Kader auf eine Begegnung vorbereitet, die den weiteren Saisonverlauf maßgeblich beeinflussen dürfte. Die Einstimmung auf das Duell mit dem estnischen Rekordmeister, der seine Generalprobe gewann (3:0 gegen Maardu Linnameeskond), aber trotzdem gegen den Bundesligasiebten in der Außenseiterrolle antreten wird, findet am Waldstadion durchweg hinter verschlossenen Türen statt. Am Mittwoch bricht der Tross in Richtung Baltikum auf. Unmittelbar nach dem Auftritt an der Ostsee geht es dann direkt weiter ins zweite Trainingscamp, für das alle Mann von Freitag an in Windischgarsten in Oberösterreich Quartier beziehen. Sollte es der Eintracht gelingen, sich gegen Tallinn durchzusetzen, wovon jeder in ihren Reihen in Anbetracht des ungleich höheren Potentials überzeugt ist, geht es anschließend im eng getakteten Terminkalender Schlag auf Schlag weiter.

          Am Montag loste die Uefa die dritte Qualifikationsrunde der Europa League aus: Die Frankfurter bekämen es demnach, einen Sieg gegen Flora vorausgesetzt, mit dem Gewinner des Spiels zwischen dem FC Fehervar aus Ungarn und dem FC Vaduz (Liechtenstein) zu tun; in Fehervar steht Szabolcs Huszti unter Vertrag, der bis zu seinem Wechsel nach China Anfang 2017 Taktgeber im Eintracht-Mittelfeld war. Als Spieltermine sind der 8. und 15. August vorgesehen, während es zwischendurch auch noch zum Kräftemessen mit Waldhof Mannheim in der ersten Pokalrunde kommt (11. August). Alles in allem: ein anspruchsvolles Programm. Danny da Costa sieht den kommenden Herausforderungen mit einer Mischung aus betonter Gelassenheit und erarbeitetem Selbstvertrauen zuversichtlich entgegen. Die vergangene Runde begann vergleichsweise unerfreulich, und auf die Signalwirkung, die der verpatzte Auftakt mit sich brachte, verweist der 26-Jährige heute in der Einstimmung auf die nächsten Projekte durchaus bewusst: „Ist doch gut, dass wir mit Ulm den perfekten Warnschuss haben“, sagte der Abwehrmann in einem Gespräch mit der „Bild“. Vor zwölf Monaten ging es mit dem Aus gegen den Viertligagegner im Pokal (1:2) und mit dem Debakel im Supercup gegen den FC Bayern (0:5) los. „Durch die tolle vergangene Europa-League-Saison mit dem Halbfinale gehen alle davon aus, dass wir weiterkommen müssen“, sagte da Costa. Mit dieser Einstellung aufzulaufen, sei aber nicht der Weisheit letzter Schluss: „Ich glaube, wir sind davor sehr gewarnt.“

          Weit entfernt vom Idealbild

          Dass die Eintracht-Formation in der aktuellen Verfassung noch weit entfernt ist vom Idealbild, das Hütter und Fredi Bobic im Sinn haben, ließ der Sportvorstand zu Wochenbeginn durchblicken. Zu Meldungen um eine kolportierte Rückholaktion von Kevin-Prince Boateng aus Italien (US Sassuolo), der spanischen Medien-Spekulationen zufolge sogar seinen Bruder Jerome vom FC Bayern von einem gemeinschaftlichen Engagement am Main überzeugen wolle, wollte Bobic auf Anfrage dieser Zeitung nicht Stellung beziehen. Gegenüber dem Fernsehsender Sport1 kündigte er an, nachlegen zu wollen, ohne freilich Details zu nennen. Für Sébastien Haller und Luka Jovic nahm die Eintracht schätzungsweise 100 Millionen Euro an Ablösesummen ein. Der sich abzeichnende Abgang von Ante Rebic, den es nach eigenem Bekunden zu einem Klub mit dauerhaften Champions-League-Ambitionen zieht, könnte die Kasse weiter füllen. „Wir haben andere Handlungsmöglichkeiten, das ist richtig“, sagte Bobic zur finanziellen Situation. Der Portugiese Andre Silva, der als Angreifer beim AC Mailand nicht glücklich wurde und als Haller-Nachfolger im Gespräch war, entschied sich für den AS Monaco als künftigen (zahlungskräftigen) Arbeitgeber. „Wir haben die Geduld, haben die Ruhe, werden weiter die Gespräche suchen mit den abgebenden Vereinen“, sagte Bobic. Dazu gehört auch der FC Augsburg, der die Transferrechte am zuletzt ausgeliehenen und dank seiner zuverlässigen Einsätze im Eintracht-Trikot nun mehr denn je umworbenen Martin Hinteregger hält.

          Der Österreicher, dessen Marktwert mit 16 Millionen Euro beziffert wird, befindet sich momentan mit dem Verein, den er am liebsten so schnell wie möglich Richtung Frankfurt verlassen möchte, im Trainingslager in Tirol. Sein Wechsel hängt in der Schwebe. Nicht zuletzt, weil Mitbewerber aus der Premier League in den Poker mit Augsburgs Manager Stefan Reuter (dem am Montag von Ministerpräsident Markus Söder der Bayerische Verdienstorden verliehen wurde) eingestiegen sind: Die betuchte Konkurrenz von der Insel signalisierte, dass sie im Stande ist, mehr als das Doppelte des Frankfurter Angebots zu zahlen.

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