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Eintracht Frankfurt : Nur eine kleine Hürde

19 Spiele, 20 Tore: Erik Sorga ist für den FC Flora Tallinn im estnischen Ligabetrieb eine verlässliche Größe. Bild: Imago

Die estnische Hauptstadt Tallinn ist für die Eintracht Neuland. Dort treffen die Spieler auf den unumstrittenen Spitzenklub FC Flora Tallinn. Doch die Erfolge des Eintracht-Gegners sind sehr übersichtlich.

          Auf nach Tallinn. Für die Eintracht wird die Dienstreise in die estnische Hauptstadt Neuland sein. Niemals zuvor haben Frankfurter Fußballprofis dort ein Pflichtspiel absolviert. Seit dem späten Donnerstagabend steht fest, dass sich die Mannschaft von Trainer Adi Hütter mit dem FC Flora Tallinn auseinandersetzen muss. Es ist die erste von maximal drei Hürden, um wieder dorthin zu kommen, von wo aus die Eintracht in der vergangenen Saison für Aufsehen gesorgt hat: in die Gruppenphase der Europa League.

          Der FC Tallinn also. Der FC Flora Tallin hat schon 19 Spiele im Liga-Alltag der laufenden Saison absolviert, steht damit voll im Saft – und grüßt mit fünf Punkten Vorsprung vor Pokalsieger FCI Levadia als Tabellenführer. Der Drittplazierte liegt sogar schon zehn Punkte in der zehn Klubs umfassenden Liga zurück. Die Esten hatte schon in der Vorwoche mit dem 2:0-Erfolg in der heimischen Arena gegen Radnicki Nis den Grundstock für das Erreichen der nächsten Runde gelegt. In Serbien genügte dann ein 2:2, um die beiden Duelle mit der Eintracht fix zu machen.

          Einblicke in das Innenleben

          „Ich war schon überrascht, dass sich Tallinn im ersten Spiel 2:0 durchgesetzt hatte“, sagte Hütter, der vorab wie so manch anderer auch mit den Serben als wahrscheinlichem Auftaktgegner der Eintracht gerechnet hatte. Am kommenden Donnerstag (19 Uhr) müssen sich die Frankfurter im ersten seriösen Spiel der neuen Saison in Estland beweisen. Der Fernseh-Sender Nitro überträgt nicht nur das Hinspiel, sondern auch das Rückspiel am 1. August (20.30 Uhr) live. Schon in der Vorsaison, als die Eintracht bis ins Halbfinale vordrang und dort unglücklich im Elfmeterschießen am späteren Cup-Sieger FC Chelsea scheiterte, war Nitro von Beginn an der Fernsehpartner, der nicht nur die Spiele in der Europa League übertrug.

          Er gewährte auch Einblicke in das Innenleben des Klubs, denn ein Fernsehteam begleitete die Mannschaft für hintergründige Reportagen auch zu Heim- und Auswärtsspielen. Noch ehe sich Tallinn und die Eintracht übrigens erstmals gegenüberstehen, wissen sie schon vorab, mit wem sie es als Sieger in der nächsten Qualifikationsrunde zu tun hätten: Die Europäische Fußballunion lost am nächsten Montag am Verbandssitz in Nyon die entsprechenden Begegnungen aus.

          Nach neuen sportlichen Herausforderungen

          Für deutsche Fußballfans dürfte der FC Flora Tallinn ein unbeschriebenes Blatt sein. Keine Stars, keine Skandale – nichts. Der Gesamtwert der Mannschaft wird laut transfermarkt.de auf bescheidene fünf Millionen Euro taxiert. Bester Spieler der Esten ist Erik Sorga, der verlässlich seiner Arbeit nachgeht. In 19 Punktspielen hat er schon 20 Mal getroffen. Ein 20 Jahre junger Stürmer mit einer starken Quote, die an Luka Jovic und Sébastien Haller erinnert. Doch mit diesen beiden Angreifern kann die Eintracht nicht mehr disponieren. Sie suchen in Spanien und England nach neuen sportlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen.

          In dem kleinen Land im Baltikum ist der FC Flora Tallinn sportlich der unumstrittene Spitzenklub. Seit der Gründung der estnischen Liga nach der Loslösung von der Sowjetunion 1992 ist der Verein ununterbrochen erstklassig – und hat dabei elf Meisterschaften und sieben Pokalsiege geholt. Das erfolgreichste Jahr war 2005, als sich der FC Flora ohne eine einzige Niederlage den Titel sicherte. International gehören die Esten allerdings zu der Gruppe der sogenannten Exoten. Seit 1994 war Flora mit Ausnahme von 2014 in jedem Jahr in diversen Qualifikationsrunden zum Uefa-Cup beziehungsweise zur Europa League und sogar zur Champions League vertreten. Doch die Erfolge sind dabei sehr übersichtlich. Bei insgesamt 27 Teilnahmen gab es sie nur zweimal: In dieser Spielzeit gerade gegen Radnicki Nis, und davor in der Saison 2006/07, als Lyn Oslo aus dem Wettbewerb geworfen wurde.

          Am Donnerstag, wenn die Eintracht im Lilleküla-Stadion von Tallinn spielt, wird mit einem ungleich besseren Besuch als zuletzt gegen Nis gerechnet. Beim 2:0 gegen die Serben waren lediglich 1250 Zuschauer im größten Stadion des Landes dabei, das insgesamt 10340 Anhängern Platz bietet und in dem auch die Nationalmannschaft ihre Heimspiele bestreitet. Die deutsche Elf von Bundestrainer Joachim Löw wird dort im kommenden Jahr zu Gast sein, in der Qualifikation zur EM 2020. Zunächst aber kommt erst einmal die Eintracht – und mit ihr eine traditionell große Gruppe reiselustiger Fans, für die der Verein 1500 Tickets angefragt hat.

          Die Frankfurter Anhänger freuen sich nicht nur auf die Reise nach Estland. Sie sind auch gespannt, wen Sportvorstand Fredi Bobic als stürmischen Zugang zur Eintracht transferiert. Der neueste Name, der kursiert: Ludovic Ajorque. Ein Landsmann des Franzosen Haller, der bei RC Straßburg seiner Arbeit nachgeht und in den Fokus der Frankfurter geraten sein soll, wie die Sportzeitung L’Équipe berichtet. Der 1,97 Meter große Stürmer Ajorque hat in 25 Spielen neun Tore in seiner Premierensaison in der Ligue 1 erzielt. Zu Haller gibt es eine weitere Parallele: Auch Ajorque ist 25 Jahre alt.

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