https://www.faz.net/-gzg-9fmgb

Eintracht Frankfurt : Mit breiter Brust

Lange Auszeit: Am Ball wird man Eintracht-Profi Lucas Torro für mehrere Monate nicht mehr zu sehen bekommen. Bild: Imago

Trainer Hütter und sein Team haben sich eine Position der Stärke erarbeitet. Gegen Fortuna Düsseldorf soll der Höhenflug der Eintracht weitergehen – auch Abraham und Torró stehen dafür bereit.

          Die Voraussetzungen haben sich verändert. Erstmals in der aktuellen Bundesligasaison geht die Eintracht als klarer Favorit in eine Partie. In den sieben Begegnungen zuvor machte sie sich zumeist aus der Position des Außenseiters oder maximal als Gegner auf Augenhöhe heraus ans Werk. Wofür zum einen der Spielplan sorgte, der dafür verantwortlich war, dass es die Frankfurter unter anderem mit den vier Teams zu tun bekamen, die aktuell die Plätze eins bis vier belegen: Dortmund, Leipzig, Gladbach und Bremen (wobei dann auch nur ein Punkt heraussprang). Aber auch das frühe Aus in der ersten Pokalrunde bei den Amateuren des SSV Ulm hinterließ beim Titelverteidiger Spuren der Verunsicherung, die so schnell nicht dazu beitrugen, dass er sich den folgenden Konkurrenten mit breiter Brust entgegenstellte.

          Das hat sich inzwischen geändert. Die Frankfurter Festspielwoche unmittelbar vor der Länderspielpause mit drei Siegen binnen sieben Tagen trug entscheidend zu einem veränderten, da noch couragierteren Selbstverständnis sowie einer Außenwahrnehmung bei, in der dem Tabellensiebten nun viel Respekt für die Entwicklung zuteil wird. Gegen Fortuna Düsseldorf, den Vorletzten des Klassements, scheint die Gelegenheit günstig, den Abstand nach unten zu vergrößern und sich zudem eine Stellung zu erarbeiten, mit der sich unter Garantie nicht ausbleibende Rückschläge sportlich besser verkraften lassen.

          „In den Top Ten festbeißen“

          „Wir haben den Bock umgestoßen. Die Mannschaft ist hungrig und willig. Ich erwarte, dass wir den eingeschlagenen Weg weitergehen“, sagte Adi Hütter am Donnerstag. Er äußerte die Hoffnung, dass der Auftakt zur nächsten Belastungsprobe mit sechs Einsätzen binnen 24 Tagen schwungvoll gelingen möge: „Wenn wir die Serie erfolgreich beginnen, wäre das toll.“ Er fügte an, dass es „nichts Neues“ sei, „dass jeder Anfang schwer ist“. Im Sommer sei „die Problematik“ hinzugekommen, „dass wir nicht über einen längeren Zeitraum geschlossen trainieren konnten. Wenn dann die Ergebnisse nicht stimmen, kommt Kritik auf, die damals berechtigt war“, sagte Hütter.

          Dem Österreicher sind allzu frohlockend klingende Lobeshymnen momentan nicht recht geheuer, und so erinnerte er bewusst an die erst „ein paar Wochen“ zurückliegenden Fehlschläge, die seine Aufgabe, als Nachfolger von Niko Kovac die Eintracht weiterzuentwickeln, erschwerten. „Wir müssen versuchen, den Ball flach zu halten, hochkonzentriert zu bleiben und immer an unsere Leistungsgrenze gehen“, sagte Hütter, „es ist kein Selbstläufer.“ Sein Ziel bis zur nächsten Länderspiel-Unterbrechung Mitte November klang gleichwohl ambitioniert: „Wir können uns in der Bundesliga in den Top Ten festbeißen und in der Europa League das Weiterkommen perfekt machen.“

          David Abraham vor Comeback

          Mit ausschlaggebend für die Trendwende ist nach Ansicht des 48-Jährigen, dass der personelle Umbruch währen der Vorbereitung, der den „holprigen Start“ mit verursachte, nicht das Binnenklima unliebsam beeinflusste. Ganz im Gegenteil: „Wir verstehen uns Tag für Tag besser. Die Spieler den Trainer und der Trainer die Spieler“, sagte Hütter, der den positiven Effekt der überzeugend zustande gekommenen Resultate gegen Hannover, Rom (beide 4:1) sowie Hoffenheim (2:1) hervorhob: „Der Glaube an die eigene Stärke ist da.“

          David Abraham steht nach abgeklungenen Adduktorenbeschwerden vor einem Comeback. Der Argentinier könnte den Vorzug vor Marco Russ erhalten, der als Aushilfe überzeugte. „Als Kapitän und Führungsspieler“ sei der Innenverteidiger „natürlich“ ein Kandidat für die Anfangsformation, sagte Hütter über Abraham. Er betonte, dass er Russ für seinen Beitrag in den vergangenen Spielen „ein Kompliment ausgesprochen“ habe. Nichtsdestotrotz müsse er auch darauf achten, mit passendem Rotationsprinzip auch dafür zu sorgen, dass seine Leute genügend schöpferische Pausen erhielten, um für den anstehenden Stresstest gewappnet zu sein. Zuletzt habe er viel beanspruchten Spielern wie Danny da Costa oder Makoto Hasebe die Möglichkeit eingeräumt, „sich zu erholen und ihre Wehwehchen auszukurieren“, berichtete der Coach.

          Torwart Kevin Trapp, der wegen Oberschenkelproblemen bei der Nationalmannschaft nicht zum Zuge kam, steht gegen Düsseldorf ebenso wieder uneingeschränkt zur Verfügung wie Lucas Torró. Der Spanier war nach dem überraschenden Tod seines Bruders vor zwei Wochen in die Heimat gereist und hatte deshalb zuletzt in Hoffenheim gefehlt. „Ich habe das Gefühl, dass er froh ist, wieder hier zu sein. Mental macht er einen ordentlichen Eindruck. Es ist wichtig, nicht dort zu sein, wo Trauer ist. Wir geben ihm viel Zuneigung“, sagte Hütter. Torró sei zu „hundert Prozent fit“ für das Kräftemessen mit der Fortuna, die zuletzt vor 38 Jahren in Frankfurt gewinnen konnte. Auch das ein Aspekt, der Zuversicht schürte. Mit einem Sieg würde die Eintracht, die dann dreizehn Punkte vorzuweisen hätte – zumindest über Nacht –, zu Meister FC Bayern aufschließen.

          Weitere Themen

          Klartext und Fragezeichen

          Eintracht Frankfurt : Klartext und Fragezeichen

          Die Eintracht geht nach dem Glücksspiel in Mannheim mit sich selbst hart ins Gericht. Die Suche nach einem Stürmer läuft weiter: Tosun, Ruiz und Ajorque sind im Gespräch.

          Topmeldungen

          Finanzminister Olaf Scholz hat sich gegen das von Wirtschaftsminister Peter Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Abschaffung des Solis ausgesprochen.

          Finanzminister : Scholz gegen komplette Soli-Abschaffung

          Finanzminister Olaf Scholz kritisiert das von Wirtschaftsminister Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Soli-Abschaffung als „Steuersenkung für Millionäre“. Der SPD-Politiker möchte vorerst nur 90 Prozent der Steuerzahler entlasten.
          Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, warnt die Parteien davor, eine Koalition mit der AfD einzugehen.

          Zentralrat der Juden : „AfD schürt Klima auch gegen Juden“

          Zentralratspräsident Josef Schuster warnt: Die AfD sei enger mit dem Rechtsextremismus verwoben, als sie es nach außen darstellt. Im Vorfeld der Wahlen in Sachsen und Brandenburg hält Schuster einen dringlichen Appell an alle Parteien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.