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Eintracht Frankfurt : Geduldsspiel mit der Eintracht

Ob das Wiedersehen Freude bereitet? Slobodan Medojevic und die Eintracht treffen nach dem Pokal nun auch in der Bundesliga auf Mönchengladbach. Bild: Wonge Bergmann

In Frankfurt tritt er auf der Stelle, in Serbien ist er gerade nicht gefragt: Slobodan Medojevic sagt trotzdem, dass er seinen Wechsel nicht bereut – und dass er warten kann.

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          Eigentlich wollte er jetzt in Belgrad sein. Doch daraus ist nichts geworden. Stattdessen dreht Slobodan Medojevic seine Runden in Frankfurt. Dabei hatte der serbische Fußballprofi extra zu Saisonbeginn dem VfL Wolfsburg den Rücken gekehrt, um sich bei einem anderen Bundesligaklub für Spiele in der Nationalmannschaft zu empfehlen. Ein Plan, der bislang nicht aufgegangen ist. Während nämlich Serbien am Freitagabend vor leeren Rängen gegen Dänemark spielte, saß Medojevic in Deutschland und verfolgte die Partie am Fernsehschirm. „Ich habe es trotzdem und zu keiner Sekunde bereut, von Wolfsburg nach Frankfurt gewechselt zu haben“, sagt der am 20. November 24 Jahre alt werdende Fußballprofi aus Novi Sad. Dass Nationaltrainer Dick Advocaat für das aktuelle Europameisterschafts-Qualifikationsspiel gegen die Dänen keine Verwendung für den defensiven Mittelfeldmann Medojevic fand, empfindet dieser nicht als Beinbruch. „Ich hoffe, dass ich in der nächsten Länderspielpause im März dabei bin“, sagt der bestens deutschsprechende Eintracht-Spieler.

          Es dürften zwei Gründe sein, die derzeit dagegensprechen, den Profi in Wartestellung mit internationalen Aufgaben für sein Heimatland zu beauftragen: Leistung und Verletzung. Am letzten Tag der sommerlichen Transferperiode hatte sich die Eintracht die Dienste Medojevics gesichert und seinem damaligen Arbeitgeber VfL Wolfsburg eine unbestätigte Ablösesumme in Höhe von 1,8 Millionen Euro gezahlt.

          „Was ich brauche, ist Ruhe“

          Im Gegenzug erhielt Medojevic einen Arbeitsvertrag über drei Jahre bis zum 30. Juni 2017. Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner sagte nach der Vertragsunterzeichnung: „Slobodan hat Qualitäten, von denen wir überzeugt sind, dass sie uns weiterhelfen können. Wir haben uns schon länger mit diesem Transfer beschäftigt und sind froh, dass es nun geklappt hat.“ Nicht geklappt hat es bislang damit, dass Medojevic der Eintracht nachhaltig hilft. Selbstkritisch räumte der Serbe am Freitag nach dem Training an der Frankfurter WM-Arena ein, „dass ich mich nicht frei entfalten kann“. Schuld daran sollen vor allem die Beschwerden an der Achillessehne sein, die ihn seit dem gewonnenen Auswärtsspiel gegen den HSV beeinträchtigen. „Vor den Bundesligaspielen muss ich Tabletten nehmen“, sagte er zu der mit den Ärzten abgesprochenen Therapie. „Was ich brauche, ist Ruhe.“

          Ruhe, die er in diesen Tagen verspürt. Schließlich ruht in der Bundesliga der Ball, eben weil die diversen Nationalmannschaften rund um den Globus im Einsatz sind. So auch die erste Auswahl Serbiens, in der Medojevic nur zu gerne dabei wäre. Doch irgendwie scheint seine Karriere ein wenig ins Stocken zu geraten. In der Heimat durchlief der defensiv orientierte Umschaltspieler alle Jugend-Nationalmannschaften. In der U21 war er sogar Kapitän und brachte es dort auf 18 Einsätze.

          Ein sichtbarer Qualitätssprung

          Doch der Sprung nach ganz oben ist ihm bislang nicht geglückt. „Ich muss geduldig sein“, sagt er. Auch dass es ihm nicht gelungen ist, bei der Eintracht dauerhaft erste Wahl zu sein, ist kein Beinbruch für ihn. „Ich habe Geduld mit der Eintracht“, sagt er über seine Rolle bei den Frankfurtern, die auch und vor allem durch die Personalpolitik von Trainer Thomas Schaaf bestimmt wird. Immerhin: In den zurückliegenden Begegnungen gehörte Medojevic, wenn er denn nicht gerade gesperrt war, zur Startelf und spielte gemeinsam mit dem Japaner Makoto Hasebe als internationales Gespann vor der Abwehr. Ordentlich zumeist, aber weiterhin mit Luft nach oben.

          Einen spür- und sichtbaren Qualitätssprung gab es unterdessen vor einer Woche. Bei der 0:4-Niederlage gegen den FC Bayern München kehrte die Eintracht taktisch in Ansätzen zu alten Mustern zurück und verdiente sich damit Respekt. „Wir sind früh auf die Gegner gegangen und haben die Bayern attackiert“, sagte Bastian Oczipka. Der konnte sich gemeinsam mit dem Rest der überschaubaren Profitruppe in den vergangenen Tagen über geänderte Spielformen im Training freuen. So wurde das Umschaltspiel forciert, und auch Ansätze von Kurzpässen erlebten eine Renaissance. Aus dem Umfeld der Mannschaft ist zu hören, dass es vor dem Bayern-Spiel einen konstruktiven Austausch mit dem Trainer über die taktische Marschroute gegeben habe.

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