https://www.faz.net/-gzg-80s4m

Eintracht Frankfurt : Ganz klare Kopfsache

  • -Aktualisiert am

Seit 21 Jahren kein gutes Pflaster: Auch unter Trainer Schaaf kann die Eintracht in Köln nicht gewinnen. Beim 2:4 offenbart sie abermals große Schwächen. Bild: Heiko Rhode

Sportdirektor Hübner will für die kommende Saison Lehren daraus ziehen, dass die Eintracht immer wieder zusammenfällt. Trainer Schaaf vertraut weiter seinem Personal – und muss wohl auf den verletzten Russ verzichten.

          3 Min.

          Für den Vorstandsvorsitzenden der Frankfurter Eintracht, Heribert Bruchhagen, war der 2:1-Heimsieg über den Hamburger SV richtungweisend gewesen: „Nach menschlichem Ermessen haben wir jetzt nichts mehr mit dem Abstieg zu tun, unser Blick richtet sich nach oben.“ Eine Woche später ist die Einsicht eingekehrt, dass die Frankfurter in dieser Saison vielleicht verzweifelt an die Decke oder in den Himmel gucken können, aber nicht in die obere Region der Tabelle, wenn sie an ihren Verein denken. Die 2:4-Auswärtsniederlage beim 1. FC Köln hat die Eintracht sogar wieder etwas unter Druck gesetzt. Denn der nächste Gegner heißt SC Paderborn. Und wenn dem Aufsteiger tatsächlich ein Auswärtssieg am Main gelänge, dann trennten den Tabellensechzehnten nur noch fünf Punkte von der Eintracht.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Das allerdings ist schon sehr schwarz gemalt und nicht sehr wahrscheinlich. Die Erfahrung lehrt: Immer, wenn es für die Eintracht eng wird, wenn der Abstiegsstrudel das Wasser im Main kräuseln könnte, dann holt sie ihre Punkte. Mit gleicher Konsequenz verliert die Mannschaft, wenn sie sich mit einem Sieg in die Reichweite der Europa-League-Qualifikation heranhangeln könnte: „Wir hatten vor dem Spiel in Köln eine super Ausgangssituation, aber die hatten wir in dieser Saison schon gefühlte zehn Mal. Ich glaube, nach dem Hinspiel in Paderborn hätten wir Dritter sein können“, erinnerte Torwart Kevin Trapp gegenüber dem Hessischen Rundfunk.

          „Einfache, dumme Fehler“

          Damals verloren die Hessen 1:3 nach 1:0-Führung. In der Rückrunde folgten ein 1:4 in Freiburg, ein 1:3 in Mainz und jetzt das 2:4 in Köln, wo sich Innenverteidiger Marco Russ eine Verletzung im linken Kniegelenk zugezogen hat. Am Montag wurde von Mannschaftsarzt Dr. Wulf Schwietzer eine Meniskusverletzung und eine Ruptur einer Baker-Zyste diagnostiziert. Russ wird sich an diesem Dienstag bei Dr. König in der Ortho-Klinik Rhein-Main vorstellen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Das Auffällige bei den torreichen Niederlagen: Jedes Mal war die Eintracht überlegen – und plötzlich fiel sie nach dem ersten Gegentreffer auseinander. „Ich denke auch, dass es ganz klare Kopfsache ist momentan. Gerade in den Auswärtsspielen zerbrechen wir komplett und kriegen in relativ wenigen Minuten sehr, sehr viele Gegentore“, sagte Außenverteidiger Bastian Oczipka nach dem Auslaufen der Mannschaft am Montag. Trapp pflichtete ihm bei: „Ein Gegentor zu bekommen, kann immer passieren. Aber wir kriegen dann so schnell hintereinander weitere Gegentore durch einfache, dumme Fehler, die nicht passieren dürfen.“

          Sie passieren aber, und das regelmäßig. Nach Phasen einer gewissen Ordnung zeigen sich immer wieder mal Auflösungserscheinungen. Sportdirektor Bruno Hübner meint: „Wir müssten vielleicht manchmal etwas ruhiger spielen.“ Auch Mittelfeldspieler Makoto Hasebe findet, „dass wir nicht immer nur lang nach vorne spielen dürfen“. Hübner sagt zudem, „dass wir uns gegen körperlich präsentere Mannschaften schwer tun, wir lassen uns zu schnell den Schneid abkaufen“.

          Schaaf nimmt Stendera in Schutz

          Trainer Thomas Schaaf legt den Kern der Problematik frei: „Wenn wir nicht im Spiel sind, liegt das daran, das wir nicht die Voraussetzungen schaffen, in die Zweikämpfe zu kommen und sie dann zu bestreiten.“ Mit der Konsequenz, dass der ballführende Gegner auf die Vierer-Abwehrkette zulaufen, sie unter Druck setzen und manchmal ausspielen kann. „Das Ärgerliche ist, die Mannschaft kann es eigentlich. Und ihre Fehler werden katastrophal bestraft“, sagt Sportdirektor Hübner und fügt an: „Wir kennen die Problematik und werden für die kommende Saison die Lehren daraus ziehen.“ In dieser Saison wird es keine Radikalkur geben. Trainer Schaaf könnte seiner Mannschaft ja ein „erst mal hinten dicht“ verordnen. Aber er mag es nicht. „Es ist ein langer Prozess, die Schwächen abzubauen, der meist nicht zur Gänze gelingt. Auch wenn man sich darauf versteift, bleibt etwas Schlechtes, und dabei wird häufig vernichtet, was gut gemacht wurde. Dann bleibt ihnen gar nichts mehr.“ Schaaf fordert lieber seine Spieler dazu auf, das, was sie gut machen, über längere Zeiträume auszudehnen, so dass die Fehler nicht so zum Tragen kommen.

          Dabei hat er das Vertrauen in sein Stammpersonal nicht verloren, obwohl ihm die vielen Gegentore, und wie sie fallen, „ein Dorn im Auge sind“. Er sieht nicht den Zeitpunkt für große Wechsel gekommen. „Geben Sie mir einen Grund, warum ich einen Besseren nicht spielen lassen sollte. Ich habe zwar einen Schuss, aber so schlimm ist es noch nicht.“

          Schaaf nahm besonders Marc Stendera in Schutz, der auch in dieser Zeitung für seinen Auftritt in Köln kritisiert worden war. „Stendera soll nicht frisch gewesen sein? Das sehe ich völlig anders. Er war bester Mann unserer Mannschaft, er war präsent und hat sich gewehrt. Ihm gelang nicht alles, aber zeigen Sie mir einen, dem am Sonntag alles oder viel gelungen ist. Das wird schwer.“ Seine Fehler begehe er aus Unerfahrenheit heraus, aber er habe viel Initiative gezeigt. „Wenn Sie die Laufdaten von ihm sehen, sehen Sie, dass er die meisten Meter gemacht und am meisten geackert hat.“

          So spricht viel dafür, dass Schaaf wohl bis auf den verletzten Russ die gleiche Mannschaft gegen Paderborn aufs Feld schicken wird wie gegen Köln. Eine Mannschaft, die den Aufsteiger auseinander nehmen oder gegen ihn einbrechen kann. Oder sogar beides in 90 Minuten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Zahl der Internet-Attacken nimmt zu.

          Cyber-Kriminalität : Im Netz der kaltblütigen Erpresser

          Hacker dringen mit ihren Angriffen in immer sensiblere Bereiche vor. Sie nehmen Daten als Geisel und Tote in Kauf. Treffen kann es jeden.
          Ministerpräsident Netanjahu am Donnerstag mit israelischen Grenzpolizisten in Lod

          Profiteur der Gaza-Eskalation : Netanjahus politische Rückkehr

          Netanjahu war wegen des Korruptionsprozesses und mehrfach gescheiterter Koalitionsbildungen politisch in Bedrängnis. Dass der Gaza-Konflikt jetzt wieder eskaliert ist, kommt dem israelischen Ministerpräsidenten zugute.

          Aufflammender Antisemitismus : Wer jetzt schweigt

          Gerade bezeugen wir wieder, dass viele „Israel-Kritiker“ den Nahostkonflikt nicht verstehen. Sie wollen nicht sehen, was die Hamas anrichtet. Und auf der Straße zeigt der Antisemitismus sein Gesicht.
          Impflinge haben nach ihrer Impfung gegen Corona ein Pflaster auf dem Oberarm.

          Inzidenz und Impfrekord : Ist das der Anfang vom Ende der Pandemie?

          Die Inzidenz sinkt bundesweit unter 100, die Zahl der Impfungen erreicht einen Rekordwert. Das stimmt selbst den Gesundheitsminister optimistisch. Doch Fachleute blicken schon auf eine weitere Variante des Virus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.