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Eintracht Frankfurt : Funkstille zwischen Kovac und den Bayern

Keine Zeit für Ablenkungen: Ab dem 19. Mai ist Niko Kovac für die Bayern erreichbar. Bis dahin gilt alle Konzentration dem sportlichen Wohlergehen der Frankfurter Eintracht. Bild: Reuters

Der scheidende Eintracht-Trainer will sich erst nach dem Pokalfinale um die Personalplanungen seiner neuen Münchner Mannschaft kümmern. Spekulationen über das Trainerteam gibt es trotzdem.

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          Alle Kraft der Eintracht. Was eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist, bedarf im Fall Niko Kovac einer besonderen Erwähnung. Denn der scheidende Frankfurter Fußballlehrer, der nach dem Saisonende sein Glück beim Branchenprimus sucht, steht vor herausfordernden hessisch-bayerischen Wochen. Schon an diesem Samstag, im Bundesliga-Alltag, steht die von Kovac angeleitete Eintracht in München dem FC Bayern gegenüber. Drei Wochen später, dann im Berliner Olympiastadion, folgt das Wiedersehen mit seinem neuen Klub im Finale des DFB-Pokals.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Drei Runden vor Ultimo in der Bundesliga, in der es die weiterhin auf europäischen Pfaden wandelnde Eintracht noch mit dem Hamburger SV, dem FC Schalke 04 und ebenden meisterlichen Bayern zu tun bekommt, ist Kovac vor der Abreise in den Süden eine gefährliche Frage gestellt worden. Was der zukünftige Bayern-Trainer zu tun gedenke, wenn ihn heute oder morgen der Münchener Sportdirektor Hasan Salihamidzic anrufen würde, um beispielsweise die Personalplanungen voranzutreiben. „Ich werde erst nach dem 19. Mai mitreden, vorher nicht. Beide Vereine haben aktuell noch Ziele.“ So Kovacs Antwort – Stand jetzt.

          Kampf um die Europa League

          Natürlich hat sich der 46 Jahre alte Kroate am Mittwoch das Halbfinal-Hinspiel des FC Bayern in der Champions League angeschaut. Seiner zukünftigen Mannschaft, die sich am Samstag personell mit vielen anderen Gesichtern präsentieren wird, traut er zu, noch die Kurve zu kriegen. „Ganz Fußball-Deutschland drückt den Bayern die Daumen“, behauptete er. Aktuell sind es zumindest knapp 6000 mitreisende Eintracht-Fans, die der auf Tabellenplatz sieben notierten Frankfurter Mannschaft im Saison-Endspurt die Daumen drücken und ganz nah sein möchten.

          Ob Kovac es schafft, die stark von hinten drängenden Mönchengladbacher bis zum Ende auf Distanz zu halten, damit zumindest Rang sieben den Traum von Europa Wirklichkeit werden lassen kann? „In der Hinserie haben wir 26 Punkte geholt. In der Rückserie sind es bislang 20. Vier müssen wir noch holen“, um die aktuelle Plazierung zu sichern, rechnete Kovac vor. „Wenn es mehr werden, dann ist alles klar.“ Soll heißen: Kovac würde sich von der Eintracht mit der Qualifikation für die Europa League verabschieden. So weit aber ist es noch nicht.

          Fehlendes Personal - Taktische Änderung

          Was die eh schon schwere Aufgabe in München nochmals schwieriger macht: Nicht nur die Bayern beklagen verletzte und nicht zur Verfügung stehende Spieler. Auch die Eintracht muss am Samstag in der traditionell ausverkauften Fußballarena in Fröttmaning auf Stammkräfte verzichten. Kevin-Prince Boateng „fällt aus“, bestätigte Kovac, „und auch Ante Rebic steht noch nicht bereit“. Und Makoto Hasebe auch nicht. Der Japaner, der nach seiner Unbeherrschtheit gegen Hertha BSC Rot sah und zumindest für die nächsten drei Punktspiele gesperrt ist, muss gleichfalls ersetzt werden. David Abraham könnte Hasebes Part an zentraler Stelle in der Abwehr übernehmen – und Kovac sich dazu entscheiden, auf eine Vierer- statt wie sonst üblich auf eine Dreierkette zu setzen.

          Niko Kovac – hin- und hergerissen zwischen den Trainerstühlen in Frankfurt und München? Alles kein Problem, versicherte der Eintracht-Coach, der an diesem Freitag seine in München lebenden Eltern sowie seine Schwester treffen wird. „Mir geht es sehr gut. Was wichtig ist, ist die Eintracht. Wir wollen die Bayern schlagen, zumindest aber einen Punkt holen.“ In der Vorbereitung auf den Südklassiker hat sich Kovac beim Blick ins Archiv schlau gemacht. „In der gesamten Bundesliga-Historie gibt es erst drei Frankfurter Siege in München.“ Für Fußball-Liebhaber und Chronisten: Am 20. August 1966 siegte die Eintracht 2:1, am 4. Dezember 1976 sogar 3:0. Und der letzte Erfolg in München datiert vom 18. November 2000. Beim 2:1 erzielten Alexander Schur und Jan-Aage Fjörtoft die Tore.

          Wer am 28. April 2018 für die Eintracht Tore schießen kann, wird sich weisen. Vielleicht ja sogar Marius Wolf, einer der Aufsteiger der Frankfurter Mannschaft. In den vergangenen Tagen, als sich Kovac und seine Mannschaft komplett abschotteten und die ganze Woche über unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainierten, sei es mit dem „grünen und blauen Fuß“ von Wolf spürbar aufwärtsgegangen. Wolf wurde am Donnerstag als fit gemeldet und kann in München die rechte Seite rauf- und runterrennen. Egal, wen Kovac zum Auftakt der hessisch-bayerischen Wochen letztlich aufbietet: „Wir wollen etwas reißen. Keiner hat uns vor Saisonbeginn zugetraut, dass wir jetzt Siebter sind“, sagte der scheidende Eintracht-Trainer. Das soll – zumindest – so bleiben.

          Reutershahn bei den Bayern im Gespräch

          Reutershahn bei den Bayern im Gespräch Die Erfolge dieser Saison haben die Angestellten des Lizenzkaders der Frankfurter Eintracht für die Konkurrenz interessant gemacht. Cheftrainer Niko Kovac wechselt mit seinem Bruder und Assistenten Robert Kovac sogar auf den begehrtesten Arbeitsplatz in der Fußball-Bundesliga – zu Bayern München. Damit wird der Aderlass aber höchstwahrscheinlich nicht beendet sein. Auch Co-Trainer Armin Reutershahn ist bei den Bayern im Gespräch. Eigentlich planten die Münchner, den derzeitigen Assistenten von Jupp Heynckes, Peter Hermann, auch den Kovacs zur Seite zu stellen. Doch der Rheinländer steht bei seiner Frau im Wort, in diesem Sommer in die Heimatregion zurückzukehren.

          Hermann war von den Münchnern im vergangenen Herbst aus seinem Vertrag bei Fortuna Düsseldorf herausgekauft worden, als Heynckes Cheftrainer wurde und seinen alten Vertrauten anforderte. Setzt sich Hermanns Frau durch, wäre der Weg für Reutershahn frei, dem die Kovacs wiederum großes Vertrauen entgegen bringen.

          Chefscout und Kaderplaner Ben Manga wird von der Konkurrenz ein großer Anteil am Aufschwung der Eintracht zugesprochen. Nach den Bundesligaklubs VfL Wolfsburg und VfB Stuttgart werben nun Klubs von der iberischen Halbinsel um den 44 Jahre alten Rheinländer mit Wurzeln in Äquatorialguinea. Dessen Kontakte auf dem Iberischen und südamerikanischen Markt haben der Eintracht unter anderem Spieler wie Vallejo, Mascarell und Salcedo gebracht.

          Nach portugiesischen Medienberichten versucht der Erstligaverein Sporting Lissabon, Manga für die kommende Saison zu verpflichten, und stehe kurz vor einem Abschluss. Der spanische Primera-División-Klub Espanyol Barcelona bietet dem Frankfurter die Aufstiegsmöglichkeit, Sportlicher Leiter zu werden. Mangas Dreijahresvertrag in Frankfurt läuft noch bis Sommer 2019. Der neue Sportvorstand der Eintracht, Fredi Bobic, hatte als eine seiner ersten Personalien Manga vom VfB Stuttgart nach Frankfurt geholt. peh.

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