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Eintracht Frankfurt : Freudlos, mittellos – sprachlos

Ratlos: Die Frankfurter Eintracht nach der Niederlage beim 1. FC Köln. Bild: Jan Huebner

Die Abschlussschwäche der Frankfurter Eintracht nimmt Dimensionen an, die sonst nur bei Abstiegskandidaten üblich sind. Kovac: „Es ist kein angenehmes Gefühl.“

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          Als es nichts mehr zu gewinnen gab und die Spieler der Eintracht vom Platz trotteten, während sich auf der anderen Seite die Kölner von ihrem Anhang bejubeln ließen, sorgte Haris Seferovic dann doch noch für einen Knalleffekt. Der 25-Jährige, dem zuvor auf dem Rasen keine Aktion geglückt war, mit der er dem Angriff der Frankfurter zu ein bisschen mehr Durchschlagskraft verholfen hätte, ließ seinem Frust über die 0:1-Niederlage freien Lauf: Der Stürmer trat auf dem Weg in die Kabine mit Wucht gegen eine Tür, die sich aus seiner Sicht nicht schnell genug öffnete und hinterließ mit den Stollenschuhen einen bleibenden Eindruck. Auf dem Platz war ihm das – zum wiederholten Mal – nicht gelungen. Die meisten seiner Kollegen zogen es vor, ohne großes Aufheben in den Katakomben aus dem Blickfeld zu verschwinden, sie hielten dabei den Blick gesenkt und wirkten von der nächsten Enttäuschung ernsthaft mitgenommen.

          Mijat Gacinovic, der bei einem Fernschuss eine der wenigen Möglichkeiten besessen hatte, bei der ein Treffer für die Hessen möglich schien, machte aus seiner Sprachlosigkeit über den anhaltenden Misserfolg keinen Hehl. „Was soll ich sagen“, meinte der 22 Jahre alte Mittelfeldmann, „wir hatten nicht viele Chancen, aber zwei bis drei gute. Und wenn wir die nicht machen und hinten nicht zu Null spielen, wird das ein Problem.“

          Seit acht Spielen warten sie auf einen Sieg

          Die Rheinländer, die in der ersten Halbzeit kein Mittel fanden, die Eintracht aus der Reserve zu locken, nach dem Seitenwechsel mit der Hereinnahme von Leonardo Bittencourt den offensiven Druck jedoch spürbar erhöhten, so dass die Frankfurter kaum noch zur Entfaltung kamen, traten schlagkräftiger auf: Ihnen genügte ein halbwegs geordneter Vorstoß in der 53. Minute, bei dem sie zudem von einer unglücklichen Abwehraktion von Eintracht-Kapitän David Abraham profitierten, der den Ball direkt vor die Füße von Milos Jojic köpfte, der anschließend so abzog, dass die Kugel erst an den Pfosten und von dort ins Netz prallte. „Wir sind ein bisschen eingebrochen“, brachte Bastian Oczipka die Kräfteverhältnisse nach dem Seitenwechsel auf den Punkt; strukturiertes Aufbauspiel, geordnete Aktionen oder zielgerichtete Attacken in den Kölner Strafraum waren vom Team von Niko Kovac nicht mehr zu sehen; und es rächte sich am Ende, dass Ante Rebic in der 25. Minute den Ball erst nur an die Latte geknallt hatte und dann an FC-Keeper Timo Horn gescheitert war.

          Die Abschlussschwäche nimmt mittlerweile Dimensionen an, die üblicherweise in der Fußball-Bundesliga den Abwärtstrend von Abstiegskandidaten kennzeichnen: Seit acht Spielen warten Kovac und seine Leute auf einen Sieg, sieben Mal erzielten sie dabei keinen Treffer. In der Rückrundenbilanz gehört das Team zu den drei schlechtesten, profitiert insgesamt aber noch immer von seinem Hoch aus der ersten Saisonhälfte, wobei der Vorsprung vor den ungemütlichen Zonen ständig weiter schmilzt. Fredi Bobic kommentiert das (öffentlich) nach wie vor gelassen. Der Sportvorstand der Eintracht sagte in einer wohlwollenden Einschätzung, die viele sichtbare Defizite ausklammerte, dass er sich keine Sorgen mache. Über weite Strecken sei die Darbietung „sehr ordentlich“ gewesen, urteilte der ehemalige Profi, ein Zähler, so sein Eindruck, wäre „verdient gewesen“. Dass es soweit nicht kam, lag nicht allein an der grassierenden Torschusspanik, sondern auch an der fehlenden defensiven Stabilität, um gegen einen keinesfalls übermächtigen Gegner wenigstens ein mögliches Remis über die Runden zu retten und der Tatsache, dass keine Mittel gefunden wurden, um Omar Mascarell in die zugedachte Rolle des Aufbauhelfers zu bringen, nachdem er im Anschluss an die Pause von den Kölnern mit konsequentem Pressing beschäftigt wurde.

          Die Mannschaft sei „gewillt zu gewinnen“

          Kovac, der nun mit seiner Elf in dieser Runde zehn Siege, sieben Unentschieden und zehn Niederlagen erreicht hat, sprach davon, „bestraft“ worden zu sein. Er verteilte auch „ein Kompliment“, für die „Art und Weise, wie wir es in der ersten Halbzeit gemacht haben“. Doch das reichte nicht, „weil wir nicht effektiv genug waren“, wie er festhielt. „Es ist kein angenehmes Gefühl“, umschrieb er die Lage, die zunehmend freudloser wird. Er fühle sich „leider“ bestätigt, sagte der 45-Jährige und verwies auf seine Reden vor Monaten, als er betonte, dass die Eintracht „so weit oben“ noch nichts zu suchen habe. „Europa hat mich nie interessiert“, sagte Kovac. Und er fügte an, dass er gewillt sei, seinen Kurs fortzusetzen, auch wenn sich das seit geraumer Zeit nicht auszahle: „Ich mache nicht den Fehler, alles, was vor kurzem gut war, über den Haufen zu werfen. Und ich bin keiner, der aufgibt.“

          Die Mannschaft sei „gewillt zu gewinnen“, sie trete „dominant in unseren Möglichkeiten auf“. Doch er weiß auch: „Wir werden abgerechnet nach Erfolgen.“ Und an diesem Freitag kommt es nun zum Duell mit dem SV Werder, dem Team der Stunde. Die Bremer holten 19 Punkte aus den zurückliegenden sieben Partien und sind vom Zweitligakandidaten zu einem Europapokalanwärter aufgestiegen. Anschließend gastiert die Eintracht in Dortmund – um zu glauben, dass sich die angespannte Lage rasch bessern kann, ist viel Optimismus nötig. In Köln kam wenig hinzu.

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