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Eintracht Frankfurt : Frankfurter Energieversorger

Kleines Kraftwerk: Der 1,79 Meter große Sebastian Rode treibt die Eintracht an. Bild: Wonge Bergmann

Erst 21 - und aus der Stammelf schon nicht mehr wegzudenken: Sebastian Rode geht seinen Weg. Bei der Eintracht oder anderswo.

          Der Schritt zurück hat Sebastian Rode ein gutes Stück vorangebracht. Kein Spieler aus dem Kader der Eintracht hat sich nach dem Abstieg im bisherigen Saisonverlauf der zweiten Klasse persönlich derart weiterentwickelt wie der Einundzwanzigjährige. Aus dem Talent von gestern, das zu Erstligazeiten als Ersatzspieler bei elf Kurzeinsätzen von Trainer Christoph Daum auf seine Belastbarkeit geprüft worden war, ist unter Nachfolger Armin Veh eine Stammkraft geworden, die aus dem Defensivverbund der Frankfurter Fußballprofis nur schwer wegzudenken ist - von seinen Qualitäten im Offensivspiel nicht zu reden.

          Am Sonntag, beim knappen und glücklichen 1:0 über die kampfstarken Cottbusser, lieferte Rode ein weiteres Mal den Beleg ab, wie wichtig er für seine Mannschaft inzwischen geworden ist: Ohne ihn, der den entscheidenden Angriff einleitete, sich dann mit einer Energieleistung im Strafraum des FC Energie bis zur Grundlinie durchsetze und Augenmaß bewies, als er dem besser postierten Erwin Hoffer die Kugel in den Fuß spielte, wäre der Abwehrriegel der Lausitzer an diesem Nachmittag möglicherweise gar nicht mehr geknackt worden. Es war seine achte Torvorlage für den Tabellenzweiten in dieser Spielzeit. Mit seinem Solo im Strafraum und dem präzisen Zuspiel bereitete Rode den Siegtreffer Hoffers vor. „Vielleicht gehört mir das Tor ja wirklich zur Hälfte“, sagte der Mittelfeldkämpfer hinterher. „Aber ich mache mir deshalb keinen Kopf. Ich bin einfach nur froh, dass ich helfen konnte, die drei Punkte zu holen.“ Hoffer zeigte sich erkenntlich: „Sebastian hat das wirklich prima gemacht.“

          Großes Kämpferherz

          Als „ganz gut“ kommentierte der Blondschopf aus Seeheim-Jugenheim selbst seine Vorarbeit, die zum einzigen Eintracht-Treffer des Tages geführt hatte. „Man lernt schon in der Jugend, dass man den Ball in solchen Situationen in den Rückraum passen muss.“ Rode war auch in vielen anderen Situationen des 24. Spieltages gedanklich einen Schritt schneller als der Gegner. An ihm, als Teil des Doppelsechser-Duos vor der Abwehr, war an der Seite von Kapitän Pirmin Schwegler kaum ein Vorbeikommen; 73 Prozent gewonnene Zweikämpfe notierten die Statistiker anschließend auf ihren Analysebögen. Nur Innenverteidiger Martin Amedick kam mit 80 Prozent auf eine bessere Quote. Doch der musste schon zur Pause, als Veh in der Viererkette umstellte und zudem einen zweiten Stürmer einwechselte, in der Kabine bleiben.

          Rode, der im Sommer 2010 für eine Ablösesumme von 250.000 Euro von den Offenbacher Kickers zur Eintracht gewechselt war und dort vertraglich bis Juni 2014 gebunden ist, tut der Eintracht mit seinem großen Kämpferherz gut. Er reißt mit, bringt durch seine sichtbare und spürbare Leidenschaft die Zuschauer hinter sich und das eigene Team. Rode schont weder sich noch andere, wird aber niemals unfair. Er, der Dauerbrenner mit der Rückennummer 20, der bislang an allen 24 Spieltagen in der Zweiten Fußball-Bundesliga dabei war und einen Treffer erzielte (beim 4:0 in der Hinserie gegen den FSV Frankfurt), sah erst einmal die Gelbe Karte. Heribert Bruchhagen, der oft so kritische Vorstandschef der Hessen, lobt den Abiturienten gerne als einen, „der die korrekte Einstellung besitzt“. Der frühere Bundesligaprofi Heiko Herrlich, einst sein Trainer in der deutschen U-19-Nationalmannschaft, verglich ihn als Teenager mit Matthias Sammer: „Er ist auch vom Kopf bereit für eine Sportkarriere.“

          Auf jeden Fall in erstklassiger Umgebung

          Rodes Start in Frankfurt verlief denkbar unglücklich. Während des sommerlichen Trainingslagers in Kärnten im Juli 2010 verdrehte er sich das Knie, so dass er monatelang wegen eines Knorpelschadens ausfiel. Kurz zuvor hatte er erst die Folgen eines Kreuzbandrisses überstanden. Viel schlimmere Verletzungen kann ein Spieler, zumal so kurz nacheinander, kaum erleiden. Auf dem Knie der Profis lastet wegen ständiger Tempowechsel und plötzlicher Richtungsänderungen fast pausenlos ein enormer Druck, der bei der kleinsten Fehlstellung fatale Folgen nach sich ziehen kann. Doch die Enttäuschung, dass sich nicht alle Hoffnungen, die er mit seinem Transfer vom Bieberer Berg zur Eintracht verknüpft hatte, auf Anhieb erfüllten, ist verschwunden. Auch den sportlichen Rückschlag, den unerwarteten Abstieg im Mai 2011, hat er abgehakt. „Sebastian ist fleißig und konzentriert“, sagte Veh. „Er haut sich immer voll rein“, sagte er nach dem Erfolg über Cottbus über sein nimmermüdes Energiebündel. Ihm gefällt besonders, dass Rode, der mit der Tochter von Eintracht-Finanzvorstand Thomas Pröckl liiert ist, in vielen zusätzlichen Überstunden neben dem regulären Trainingsbetrieb mit dem Betreuerstab an seiner Fitness arbeitet. Lohn dieser Mühen: „Inzwischen ist er in der Lage, sein hohes Tempo über zwei komplette Halbzeiten durchzustehen“, sagte Veh. „Vor einem halben Jahr reichte es nur zu siebzig Minuten. Aber jetzt ist er stabil geworden“, begründete der Eintracht-Trainer Rodes kontinuierliche Leistungsentwicklung.

          Veh ist sicher: „Rode wird seinen Weg machen.“ Wenn nicht weiter bei der auf Aufstiegskurs liegenden Eintracht in Frankfurt, so darf man getrost spekulieren, dann sicher anderswo und in jedem Fall in erstklassiger Umgebung: Der VfB Stuttgart und Werder Bremen sollen ein Auge auf den hochveranlagten Kicker geworfen haben. Sie hätten gute Gründe.

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