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Eintracht Frankfurt : Frankfurter Charaktertest

  • -Aktualisiert am

Chefsache: Trainer Veh lässt Heiko Butscher offen wissen, was er zu erwarten hat – und was nicht. Bild: Heiko Rhode

Köhler, Kittel, Friend, Butscher - bei der so erfolgreichen und hochgelobten Eintracht stehen einige Spieler im Abseits. Aber obwohl die Unzufriedenheit wächst, bleibt es ruhig.

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          Als eine der Grundlagen für die Erfolgsserie der Frankfurter Eintracht in der Fußball-Bundesliga gilt die geringe Fluktuation innerhalb der Stammbesetzung. Seit Saisonbeginn greift ein Rädchen ins andere. „Wir sind eingespielt, jeder weiß, was der andere macht“, sagt Trainer Armin Veh, der dieses Einspielen von Beginn der Vorbereitung an forciert hatte. Im Grunde vertraut er seit dem ersten Spieltag und dem 2:1 des Aufsteigers gegen Bayer Leverkusen einer ersten Elf, und auch das Aufgebot wird kaum verändert. Für jene Spieler, die nicht dem aktuellen Erfolgsteam angehören, gestaltet es sich deshalb schwierig, etwas an ihrem Status als selten oder gar nicht gebrauchte Ergänzungsspieler zu verändern.

          Die Reaktion auf die verordnete Passivität und die unvermeidliche Unzufriedenheit ist ganz unterschiedlich, abhängig auch vom Alter der Spieler und vom Status innerhalb der Profigruppe der Eintracht. Zu offenen und öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzungen ist es bisher noch nicht gekommen - was der natürlichen Autorität des Trainers und der Vernunft der Spieler geschuldet ist. Dabei gibt es einige, die größere Spielanteile gewohnt sind und sich aktuell mit deutlich weniger zufriedengeben müssen.

          Veh: „Unzufrieden darf jeder Spieler sein“

          Benjamin Köhler zum Beispiel war in der vergangenen Saison einer der Eckpfeiler der Aufstiegsmannschaft. Er hat in 32 von 34 Spielen mitgewirkt, neun Tore erzielt und weitere elf vorbereitet. Er war also nicht nur Stammspieler, er hat auch die Bilanz eines Leistungsträgers. In dieser Spielzeit allerdings ist der 32 Jahre alte Linksfüßer bisher nur auf drei Spielminuten gekommen, zwei gegen Leverkusen, eine gegen den Hamburger SV am dritten Spieltag. Er fühle sich „links liegengelassen“ hat Köhler nun laut „Bild“-Zeitung gesagt. Eine Aussage, die seinem Trainer nicht gefallen hat. „Unzufrieden darf jeder Spieler sein“, sagte Veh am Dienstag, „aber wir lassen niemanden links liegen.“ Er versuche alle Spieler gleich zu behandeln. Köhlers Nichtberücksichtigung habe allein etwas mit der sportlichen Klasse seiner Konkurrenz zu tun. „Inui hat seine Sache ja nicht so schlecht gemacht“, sagte Veh über den Japaner, der im linken Mittelfeld spielt, wo auch Köhler zu Hause ist. Am Dienstag hat Köhler, dessen Vertrag noch bis 2014 läuft und der seit 2004 bei der Eintracht ist, beim Training erst einmal wegen einer Erkältung gefehlt.

          Ähnlich schwer wie ihm fällt die Rolle des Reservespielers Sonny Kittel. Das große Talent, Stammkraft der deutschen U-20-Nationalmannschaft, hat auch erst einmal gespielt, in der Schlussphase beim spektakulären 3:3 gegen Borussia Dortmund. An den Qualitäten Kittels gebe es „keine Zweifel“, sagt der Trainer, „aber Sonny muss seine eigene Identität finden“. Nicht immer in der jüngeren Vergangenheit war Veh mit den Trainingsleistungen des Neunzehnjährigen zufrieden. Dies aber sei bei einem solch jungen Spieler „normal“. Kittels ehemaliger Jugendtrainer Alexander Schur hat gerade erst in dieser Zeitung angeregt, man sollte in Erwägung ziehen, „Sonny vielleicht auszuleihen“. Der Spieler selbst äußert sich ganz im Sinne seines Arbeitgebers. „Ich muss Gas geben“, sagt er.

          Für Butscher wird es schwer werden

          Heiko Butscher hat 82 Bundesligaspiele absolviert, alle für den SC Freiburg und den VfL Bochum - aber noch keines für die Eintracht. Beim Pokal-Aus in Aue eine Woche vor der Beginn der Bundesligasaison hat er noch in der Anfangsformation gestanden, doch dann begann eine andere Zeit. Er hatte schlecht gespielt und mit einem Fehler die Niederlage eingeleitet. Danach wurde er bis heute nicht mehr nominiert. Der Trainer hat ihm offen gesagt, dass es schwer werden könnte, wieder Stammspieler zu werden. Dass er ihn aber trotzdem behalten will, weil er seine menschlichen Qualitäten schätze und er „ein hohes Ansehen in der Mannschaft“ genieße. Butscher soll bereit sein, wenn er gebraucht wird, er solle sich aber auch innerhalb der Mannschaft mit seiner Erfahrung einbringen. Der Zweiunddreißigjährige war dankbar für die Ehrlichkeit und hat die ungewohnte neue Rolle angenommen. „Ich habe dem Trainer versprochen, dass ich es mache“, sagt der ehemalige Kapitän des SC Freiburg.

          Bei Rob Friend sieht die Sache dagegen anders aus. Der kanadische Stürmer wurde vor gut einem Jahr für viel Geld von Hertha BSC Berlin geholt und hat kaum eine Chance bekommen. Er sollte im Sommer gehen, ist aber geblieben. Friend trainiert wie alle anderen, obwohl er weiß, dass er nur in Testspielen eingesetzt wird. „Ich mache keinen Ärger, auch wenn ich mich ärgere“, sagt der Einunddreißigjährige. Veh attestiert, „dass Rob sich nichts zuschulden kommen lässt“. Für ihn und für die anderen gilt eine Aussage des Kollegen Butscher: „Es ist eine Frage des Charakters, wie man mit der Reservistenrolle umgeht.“

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