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Eintracht Frankfurt : Flügellahm

Am Boden: Marius Wolfs Einsatz auf der Außenbahn ist zu wenig, um die Eintracht-Offensive zu beflügeln. Bild: dpa

Die Eintracht sucht gegen Leverkusen vergeblich den Weg über die Außen. Auch die Frankfurter Defensive ist nicht so stark wie gewohnt.

          Der Plan war so einfach wie kompliziert. Für Niko Kovac stand außer Frage, dass der Schlüssel zum möglichen Erfolg nur über die Außenpositionen führen würde. „Wir wollten über die Flügel spielen, weil das Zentrum dicht war“, erklärte der Trainer der Frankfurter Eintracht seine Strategie. „Doch es ist uns nicht gelungen.“ Um über die Flügel Leverkusen in die Zange zu nehmen, bedarf es flinker und ballsicherer Außenspieler. Am Samstag, bei der 0:1-Niederlage gegen Bayer 04, wurde vergeblich nach ihnen gefahndet. Lediglich in dem Zwischenhoch nach dem Seitenwechsel, als beispielsweise Marius Wolf stärker wurde und sich gefährlich in das Offensivspiel der Eintracht einschaltete, ging von den Flügeln Gefahr aus. In der Summe war dies aber zu wenig, um die ballsicheren und spieltechnisch überlegenen Leverkusener entscheidend zu treffen.

          Großartige Torchancen hatte die Eintracht nur wenige. Als Ante Rebic in der 60. Minute mit einem Volleyschuss Maß nahm, seinen Meister aber in Torwart Bernd Leno fand, ging ein Raunen durch das Publikum. Für die Eintracht, in der ersten Halbzeit phasenweise von den Rheinländern vorgeführt, war die kurze Sturm-und-Drangphase auch schon wieder beendet. Rebic, dieser wuchtige, oft unberechenbare Stürmer hatte vier Minuten nach dem Seitenwechsel für die wie verwandelt auftretenden Frankfurter ein erstes ernsthaftes Signal gesendet. Leno klärte – und als zwei Minuten später Mijat Gacinovic den aufgerückten Wolf in Szene setzte, brauchte der Bayer-Keeper nicht einzugreifen, weil der Schuss parallel zur Torlinie am Leverkusener Gehäuse vorbeistrich. „In der zweiten Halbzeit haben wir ein überragendes Spiel gemacht“, sagte Eintracht-Profi Kevin-Prince Boateng, der bei seiner halbseitigen Betrachtung die ersten 45 Minuten völlig außer Acht ließ. Richtig allerdings lag der Frankfurter Anführer in seiner Einschätzung, die zur Spielentscheidung führte. Die Eintracht hatte in Ballbesitz die Chance, selbst 1:0 in Führung zu gehen. „Wir gehen in einer Drei-zu-zwei-Situation nach vorne und müssen das besser ausspielen“, bemängelte Boateng. Gacinovic vergab, Bayer konterte – und Kevin Volland hatte keine Mühe, unbedrängt zum Siegtor einzuschießen (76.). „Dieses Gegentor war unnötig“, ärgerte sich der machtlose Eintracht-Schlussmann Lukas Hradecky, um aber auch sogleich dem Gegner ein Lob auszusprechen. „Ein starkes Kontertor.“

          Besonderen Gefallen an dem Spielabschnitt nach dem Seitenwechsel hatte nicht nur das Gros der mit der Eintracht sympathisierenden 50 000 Zuschauer, sondern auch Fredi Bobic. „Wir haben gut gepresst“, lobte der Sportvorstand den Auftritt der Mannschaft und war überzeugt: „Leverkusen konnte kaum atmen.“ Luft haben die Bayer-Profis dann aber doch bekommen – und 1:0 gewonnen, was für Bobic „kein Beinbruch“ war. Denn: „Wir waren auf Augenhöhe, das ist das Entscheidende.“

          Auf den Blickwinkel kommt es an. Nicht nur bei der Analyse, sondern auch bei der Gestaltung und dem Aufbau des Spiels. Weil mit dem Japaner Makoto Hasebe ein ballsicherer Spieler zunächst auf der Bank blieb, war es Boateng, vor allem aber Marc Stendera vorbehalten, für kreative Momente zu sorgen. Der technisch beschlagene Stendera hatte manch gute Szene. Spielentscheidende Pässe aber gab es ebenso wenig von ihm wie von den anderen Mitspielern. Torwart Hradecky sagte nach der Partie mit fragendem Unterton: „Den letzten Pass kriegen wir nicht hin. Ich weiß nicht, ob wir Angst haben zu spielen, wenn es eng wird.“ Stendera warb um Verständnis dafür, „dass es völlig normal ist, dass man gegen Leverkusen Chancen zulässt. Trotzdem war die erste Halbzeit defensiv nicht das, was wir uns vorgenommen haben.“ Sogar Rudi Völler, der Sportdirektor von Bayer 04, fand es „schon erstaunlich, dass wir so viele Chancen gegen eine stark verteidigende Mannschaft wie Frankfurt in Halbzeit eins bekommen haben“.

          Es bleibt also dabei: Die Eintracht ist in der Fremde besser als zu Hause. Das 0:1 gegen Leverkusen war die dritte Niederlage im sechsten Saisonheimspiel. Sieben ihrer insgesamt 19 Punkte haben die Frankfurter vor heimischem Publikum gewonnen. Eine Ausbeute, die es zu verbessern gilt. In der sogenannten Heimtabelle stehen sie auf einem Platz, von dem sich Trainer Kovac ganz weit distanziert wissen möchte: Platz 15. Insgesamt steht die Eintracht als Tabellenneunter immer noch ganz passabel da, aber eben auch nicht dort, wo sie mancher gerne sehen würde. Trainer Kovac stellte nach der Heimniederlage denn auch unmissverständlich klar: „Wir sind ganz weit weg von Europa.“ Rückendeckung erhielt Kovac von Bobic, der hochfliegenden Träumen mit einem Augenzwinkern eine Absage erteilte: „Die Spieler können gerne nach Europa. Sie brauchen sich bloß in ihrer Freizeit in den Flieger setzen.“

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