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Eintracht Frankfurt : Lustlos, sprachlos, unkollegial

Auf dem Boden der Tatsachen: Eintracht-Angreifer Seferovic zeigt auch gegen Wolfsburg eine schwache Leistung. Bild: Heiko Rhode

Selbst Eintracht-Trainer Armin Veh hat jetzt „die Schnauze voll“ vom Egotrip seines eigenwilligen Stürmers Haris Seferovic. Dessen Fehlverhalten wird „intern abgearbeitet“.

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          Die Chance war da. Im Sommer hätte Haris Seferovic der Eintracht den Rücken kehren können. Doch die Frankfurter ließen ihren Angreifer nicht ziehen. „Wir hätten mehr als zehn Millionen Euro für ihn bekommen“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner damals im Interview mit dieser Zeitung. Der erstklassige Ligarivale Borussia Mönchengladbach war stark interessiert, sich die Dienste des Schweizers mit bosnischen Wurzeln zu sichern. Seferovic aber blieb. Getragen auch von der Hoffnung, einer ersten guten Saison bei der Eintracht direkt eine gute zweite folgen zu lassen. Ein Plan mit einem Schönheitsfehler: Bis heute ist daraus nichts geworden.

          Der 23 Jahre alte Offensivspieler, der immer wieder zu Lustlosigkeit während seiner Berufsausübung neigt, hängt den Anforderungen weit hinterher. Beim furiosen 3:2 gegen den VfL Wolfsburg, als die Partie nach dem Seitenwechsel ihre entscheidende Wendung nahm, war der einstige Platzhirsch im Sturmzentrum schon gar nicht mehr aktiv dabei. Er saß, ausgewechselt für den ungleich agileren und einsatzfreudigeren Marco Fabián, auf der Tribüne – und noch nicht einmal auf der Bank, wie sich das die Eintracht-Verantwortlichen von den Spielern eigentlich wünschen. „Es gibt zwar keine feste Vorgabe“, sagte Hübner am Montag. „Aber normal ist doch, dass man auf der Bank sitzt und der Mannschaft die Daumen drückt.“

          Seferovic sehr schweigsam

          Fünf Kamerateams, ein gutes Dutzend Reporter – am Tag nach dem Achterbahnspiel der Eintracht herrschte reichlich Betrieb an der Frankfurter Arena. Doch weder Alexander Meier, Schütze aller drei Tore, noch Seferovic standen für Interviews zur Verfügung. Meier, der Kapitän und Anführer der Eintracht, aus nachvollziehbaren Gründen. Denn der 33 Jahre alte Fußballprofi war überhaupt nicht dabei, als sich einige der Stammspieler laufend in den Stadtwald verabschiedeten. Meier blieb im Lizenzspielertrakt und ließ sich pflegen. Seferovic, nur 45 Minuten gegen die „Wölfe“ dabei, aber wegen abermaliger Lustlosigkeit überhaupt nicht mittendrin, absolvierte derweil unter Anleitung von Assistenzcoach Reiner Geyer ein Training mit den anderen Teilzeitarbeitern und Ersatzspielern. Als er das Übungsareal verließ und freundlich um eine Stellungnahme gebeten wurde, befiel den Schweizer Nationalspieler zum wiederholten Male eine Sprachblockade.

          Kein „Ja“, kein „Nein“ kam ihm über die Lippen. Und an ein „guten Tag“ war schon gar nicht zu denken. Eintracht-Trainer Armin Veh hatte schon am Vorabend in klaren Worten gesagt, was er von Seferovic in der derzeitigen Form und Präsentation hält: „Ich habe die Schnauze voll.“ Gegen den Strich ging und geht Veh, „dass das ja nicht das erste Mal gewesen ist. Das geht schon sehr lange so. Wenn hier einer meint, seinen Egotrip ausleben zu müssen, dann soll er es machen. Aber nicht bei mir und nicht bei uns. Es geht nicht um eine schlechte Leistung“, sagte Veh und präzisierte: „Da schütze ich meine Spieler immer. Da würde ich nie etwas sagen. Aber wenn hier einer sein eigenes Ding macht und sich über die Mannschaft stellt – das geht nicht.“

          Seferovics abfällige Geste

          Was treibt Seferovic um? Wie tief steckt er drin in dieser veritablen Formkrise? Ist er nach Blessuren körperlich noch nicht voll einsatzfähig? Oder verspürt er zum Ende der winterlichen Transferperiode den Drang, sich vielleicht zu verändern und eine neue Liga und eine neue Währung kennenzulernen, wie dies in der englischen Premier League der Fall wäre? Am Sonntag, als Seferovic ausgewechselt wurde, hatte er beim Gang in die Kabine seinem Ärger Luft gemacht und eine abfällige Geste in Richtung der eigenen Bank gemacht.

          Veh hatte dies nicht gesehen, wie er später sagte. Gesprächsbedarf? „Ganz bestimmt nicht. Es gibt nichts zu besprechen.“ Sportdirektor Hübner signalisierte am Tag danach Ansätze von Verständnis. „Haris kann wichtig für die Mannschaft sein. Dafür aber muss er sich zu hundert Prozent reinhängen. Und das macht er im Moment nicht.“ Der Sportdirektor kündigte an, das „Fehlverhalten intern abzuarbeiten. Wir müssen aufpassen, dass Seferovic für die Zukunft kein Thema mehr wird“.

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