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Eintracht Frankfurt : Druckvoller Dauersprinter

Frustrierte Frankfurter: Jovic, Rebic, Kostic und Gacinovic (von links nach rechts) nach dem 1:2 gegen Wolfsburg Bild: Sven Simon

Filip Kostic überzeugt weiter bei der Eintracht. Auch beim 1:2 gegen Wolfsburg verdient sich der einstige Stürmer Bestnoten. Kapitän Abraham kommt „für die nächste Zeit nicht in Frage.“

          3 Min.

          Dass Adi Hütter einen Spieler „überragend“ findet, wie der Eintracht-Trainer nach dem 1:2 gegen den VfL Wolfsburg sagte, passiert nicht alle Tage. Doch das Lob war angebracht. Adressat war Filip Kostic – der Dauerläufer und Dauersprinter von der linken Außenbahn. Es war in der Tat überragend, welches Pensum der 26 Jahre alte Kostic abspulte. Etwas mehr als elf Kilometer Laufleistung wiesen den Serben knapp hinter seinem französischen Mannschaftskollegen Evan Ndicka als fleißigsten Frankfurter Fußballprofi aus. Verständlich, wenn am Ende des Spiels Kostic nicht mehr so dynamisch und druckvoll agieren würde wie noch zu Beginn.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Doch weit gefehlt. Nicht nur seinem Trainer imponierte die Art und Weise, wie Kostic in der Schlussphase noch einmal und damit ein weiteres Mal mächtig aufdrehte, mehrere Sprints anzog und in der Nachspielzeit sogar noch die Möglichkeit auf dem starken linken Fuß hatte, den Ausgleich zu erzielen. Doch sein Schuss strich am Pfosten vorbei. „Filip hat es überragend gemacht“, sagte Hütter und stellte damit in seiner Analyse bewusst und besonders die Leistung des Serben heraus.

          Trumpfkarte mit drei Angreifern

          Kostic ist ein Paradebeispiel dafür, wie es in dieser Saison – trotz der jüngsten Niederlage gegen die Niedersachsen – zur Leistungsentwicklung der Eintracht-Mannschaft gekommen ist. Verantwortlich im Fall Kostic ist Hütter. Der 48 Jahre alte Österreicher hat im Laufe dieser Spielzeit nicht nur sein bevorzugtes 4-4-2-System aufgeweicht und in der Abwehr zu einer Dreierkette mit dem glänzenden Makoto Hasebe umgebaut. Hütter hat zudem auf die Trumpfkarte mit den drei Angreifern Sebastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic gesetzt. Und er hat Kostic umfunktioniert. Von vorne nach hinten, vom Stürmer zum offensiv denkenden und handelnden Außenbahnspieler mit Absicherungsaufgaben. Ein Gewinn für Kostic, ein Gewinn für die Mannschaft, in der sich der einstige Offensivspieler des Hamburger SV und des VfB Stuttgart seitdem zu einer unverzichtbaren Stammkraft gemausert hat.

          Ein einziges Mal nur, zum Saisonauftakt in Freiburg, wurde Kostic eingewechselt. Doch von dieser damaligen 69. Minute an gab es für Hütter keine Zweifel: Kostic ist ein Mann für die Stammelf. Gemeinsam mit Danny da Costa, Evan Ndicka, Jonathan de Guzman und Sebastien Haller gehört Kostic zu den Dauerbrennern der Eintracht. Er war bei allen bisherigen 13 Bundesligaspielen dabei, und auch in der Europa League ist der zweimalige Torschütze Kostic einer von Hütters wichtigen Bausteinen. Dass er in den fünf bisherigen Spielen nur vier absolviert hat, lag an der Sperre, die er beim Auswärtsspiel auf Zypern absitzen musste. Vor dem Saisonstart hatten Kritiker Sinn und Zweck des mit dem Hamburger SV bis Ende Juni 2020 vereinbarten Ausleihgeschäfts von Kostic hinterfragt. Aus scheinbar gutem Grund, denn auf seinen beiden vormaligen erstklassigen Stationen endeten die jeweiligen Engagements in einem sportlichen Desaster: Kostic stieg zweimal ab. Ein Makel, der nur kurz auf dem Serben lag. Denn sehr schnell hat Kostic bei seinem dritten Erstligaklub Eintracht gezeigt, was in ihm steckt. „Ich brauche eben eine gute Mannschaft, um mein Spiel zu machen“, sagte Kostic kürzlich. „Und die habe ich jetzt.“

          Komplizierte Wadenverletzung

          Anführer dieser Mannschaft, die es am Sonntag gegen den VfL verpasste, von Tabellenplatz drei auf zwei zu klettern, ist David Abraham. Das Problem des Kapitäns: Der Argentinier kann derzeit nicht mithelfen, die gute sportliche Ausgangslage des Tabellenfünften zumindest zu stabilisieren. Seine beim 3:1-Auswärtssieg in Augsburg früh erlittene Wadenverletzung hat sich mittlerweile als derart kompliziert und gravierend herausgestellt, dass es Hütter nicht möglich ist, über den konkreten Zeitpunkt von Abrahams Rückkehr zu sprechen. „Für die nächste Zeit kommt er nicht in Frage“, sagte der Eintracht-Trainer nach der Heimniederlage gegen Wolfsburg. „Die Art der Verletzung ist sehr unangenehm. Die Behandlung dauert“, fügte Hütter an. Und „weil David immer noch Probleme hat, ist an ein Mannschaftstraining nicht zu denken“.

          Durchaus vorstellbar, dass vor Abraham dessen Innenverteidiger-Kollege Carlos Salcedo zurück in die Startelf kommt. „Bei Carlos ist es bislang optimal gelaufen“, sagte Hütter über den Mexikaner, der sich Anfang September am zweiten Spieltag im Heimspiel gegen Werder Bremen durch einen Tritt von Davy Klassen einen Syndesmoseriss im linken Sprunggelenk zugezogen hatte. Seine Ausfallzeit wurde wegen der nötigen Operation auf mindestens drei Monate taxiert. Seit Mitte November schon mischt Salcedo wieder im Kreise der Kollegen mit. „Er brennt auf seinen Einsatz“, sagte Hütter. Gegen Wolfsburg saß er bereits auf der Bank. Zukünftig will der Mexikaner wieder aktiv mithelfen. So wie es Kostic schon seit dem Sommer macht.

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