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Eintracht Frankfurt : Chartstürmer Fußball 2000

Ein Portrait des ehemaligen Eintracht-Superstars Anthony Yeboah auf einer Hauswand in Frankfurt. Er war Teil des legendären Spielstils „Fußball 2000“. Bild: Helmut Fricke

Fleißige Eintracht-Fans haben mit zehntausenden Klicks einen Wikipedia-Artikel vor der Löschung bewahrt. Es geht um den legendären „Fußball 2000“.

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          Unsereins bekommt immer noch Gänsehaut allein bei den Namen. Yeboah, Okocha, Bein, Gaudino, Möller. Was war das für eine Mannschaft! Nun gut, die Itschies (Jovic, Kostic, Rebic und so weiter) haben vergangene Saison auch ganz passabel gekickt, aber dann doch nicht vergleichbar mit der goldenen Generation Anfang der Neunziger. Was die damals auf den Rasen zauberte, war mehr als Spielkultur, das war die Ahnung von einer besseren Welt, eine Utopie, pure Science-Fiction. Deshalb hieß es ja auch „Fußball 2000“.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und weil jeder Frankfurter und eigentlich jeder Mensch auf diesem Erdenrund wissen sollte, was darunter zu verstehen ist, gibt es seit ein paar Wochen einen Wikipedia-Eintrag namens „Fußball 2000“. Genau genommen bezieht er sich nur mittelbar auf die legendäre Spielweise Anfang der Neunziger, konkret geht es um einen gleichnamigen Videopodcast des Hessischen Rundfunks, dessen Macher sich bei der Benennung aber natürlich etwas gedacht haben. Nämlich, die Botschaft von der Frankfurter Fußballkultur zu verbreiten. Ziemlich erfolgreich zum Beispiel mit Song „Hinti Army now“, der dem Abwehrrecken Martin Hinteregger huldigt.

          Für den Wikipedia-Eintrag „Fußball 2000“ interessierte sich aber unverständlicherweise trotzdem keiner, weshalb die Seite als irrelevant und folglich zu löschen eingestuft wurde. Doch da hat das Internet nicht mit den Eintracht-Fans gerechnet. Die sind nämlich nicht nur bereit, für ein Auswärtsspiel mit dem Tretroller nach Timbuktu zu fahren und aus ihren Lieblingsunterhosen eine Blockfahne zusammenzunähen, die die ganze Nordwestkurve bedeckt. Wer „Fußball 2000“ liebt, der ist auch bereit, sich Tag und Nacht vor den Heimcomputer zu setzen, und den einschlägigen Wikipedia-Eintrag aufzurufen, bis ihm die Finger qualmen und der Mausarm abfällt.

          Und so ist es zu erklären, dass in den Charts der meistgeklickten Wikipedia-Artikel „Fußball 2000“ seit Tagen in der Spitzengruppe liegt: Im Schnitt mehr als 100.000 Abrufe, wo es vorher nicht einmal zehn waren. Leider funktioniert das in der Bundesliga nicht, sonst müssten sich die Bayern schön umgucken. Von der Säbener Straße muss auch das Gerücht stammen, die Eintrachtler hätten die Seite gar nicht selbst angeklickt, sondern das seien irgendwelche Skripte gewesen. So was zu behaupten – schäm dich, Uli.

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